GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Wer sich für ne Hering verköf, wied och für ene Hering jejässe

Wer sich als Hering verkauft, wird auch als Hering gegessen.

Wer sich als Hering verkauft, wird auch als Hering gegessen.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Das Rheinland ist kein Küstengebiet. Jedenfalls noch nicht, möchte man mit Blick auf den Klimawandel sagen. Wer also Meeresfisch essen möchte, der muss in unserer Region entweder tief in die Tasche greifen, oder mit einem günstigen Angebot zufrieden sein. An dieser Stelle kommt unsere heutige Rheinische Redensart ins Spiel „Wer sich für ne Hering verköf, wied och für ene Hering jejässe“. Und das heißt auf hannoveraner Hochdeutsch: Wer sich als Hering zum Verkauf anbietet, der wird auch als Hering gegessen. Und was soll das bedeuten?

 Das ist in der Tat erklärungsbedürftig. Es ist nämlich so: Der Hering ist (s.o.) ein kostengünstiger Seefisch, der wenigsten früher in Massen an Land gezogen wurde. Aufgrund dieser Tatsache und weil es geschmacklich Exquisiteres gibt, wird er den Ansprüchen eines Gourmets nicht ganz gerecht. Der Rheinländer an sich würde also im übertragenen Sinne sagen: Wer sich billig verkauft, der wird auch so behandelt.

 Und das ist eine Lebensweisheit, die dem selten an sich zweifelnden Rheinischstämmigen eigentlich von Geburt an klar ist. Man sollte sich nie unter Wert verkaufen, nie zu sehr gegenüber hierarchisch Höherstehenden buckeln. Es ist die Aufforderung, selbstbewusst und aufrecht durchs Leben zu gehen. Man darf schon sagen, dass diese Erkenntnis als universal gelten kann. Denn schon in der Bibel steht geschrieben: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.“ Dieses Zitat stammt aus der Bergpredigt in Matthäus 5, 14-16 und besagt, dass man sein Licht ruhig mal erstrahlen lassen sollte. Und das ist doch ein guter Tipp nicht nur für Rheinländer.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de). Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.