GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Wer morjens fröh flööt, den hölt ovends de Katz

Wer morgens früh flötet, den holt abends die Katze.

Wer morgens früh flötet, den holt abends die Katze.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Manche Redensart, die es im rheinischen Idiom gibt, ist – wie der Biologe sagen würde – nicht endemisch. Soll heißen: Sie tritt nicht nur örtlich begrenzt im Rheinland auf. Das gilt auch für eine Anregung, die uns aus der Voreifelmetropole Heimerzheim erreicht:

„Wer morjens fröh flööt, den hölt ovends de Katz“. Einmal ganz davon abgesehen, dass der klangliche Reiz dieses Satzes in der vielfachen Wiederholung der Vokale O und Ö liegt, ist die Wendung vergleichsweise problemlos ins Hochdeutsche zu übersetzen: Wer früh morgens pfeift, den holt abends die Katze.

Unser Mundartsprecher sagt dazu: „Das hat meine Mutter früher immer zu mir gesagt, wenn ich schon pfeifend bei uns zu Hause die Treppe runter kam. Ich glaube, dass es hierbei nicht um die Sorge ging, dass ich aufpassen sollte, dass mich im Laufe des Tages DIE KATZE erwischt. Ich denke, dass es reiner Selbstschutz für den Morgenmuffel war, weil er so früh noch nicht so viel Fröhlichkeit vertrug.“ – Könnte wahr sein!

Interessant ist, dass diese Redewendung in Varianten im ganzen deutschsprachigen Gebiet bekannt ist. Und das sogar schon sehr lange. Bereits im Deutschen Sprichwörterbuch von J.C. Blum aus dem Jahre 1782 ist es enthalten: „Die Vögel, die zu früh pfeifen, sind oft Abends von den Katzen gefressen.“ Seine Auslegung dazu: „Es weiß keiner, wie es ihm den Tag über gehen kann. Mancher freut noch am Morgen sich seines Lebens, der Abends unter den Lebenden nicht mehr seyn wird. Darum freue dich deines Glücks in den Schranken der Mäßigkeit und Tugend.“ Man könnte also auch sagen: Freu dich bloß nicht zu früh, du weißt nicht, was noch kommt.

 Das allerdings widerspricht der bedeutenden Maxime rheinischer Lebensart, dass man die Feste feiern sollte, wie sie fallen. Denn letztlich ist es doch gerade Ungewissheit dessen, was uns noch bevorsteht, die uns veranlassen sollte, jedes positive Gefühl mitzunehmen, ohne in diesem Moment schon an das etwaige böse Ende zu denken.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.