Weitere Rekordzuwächse für den ICE-Bahnhof

Nochmals 40 Prozent mehr Passagiere - Frankfurt wird neben Köln/Bonn zum zweiten "Hausflughafen" der Region - Siegburger Anschluss spielt eine zunehmende Rolle als Standortfaktor

Siegburg. Die Bahn AG sprach lange nur von "Haltestelle", Zugführer vergaßen anfänglich, dort anzuhalten, und Pessimisten wollten gar wissen, dass Siegburg wenige Monate nach Aufnahme des ICE-Verkehrs von Köln nach Frankfurt ohnehin links liegen gelassen wird.

Doch heute gehören Negativschlagzeilen der Vergangenheit an. Die "Haltestelle" Siegburg ist längst einem veritablen Bahnhof gewichen, und die Passagierzahlen eilen von Rekord zu Rekord. "Als vor fünf Jahren der Zugverkehr aufgenommen wurde, haben wir nicht geglaubt, dass der Bahnhof Siegburg eine solche Erfolgsstory wird", erinnert sich Landrat Frithjof Kühn auf Anfrage des GA.

Kühn, der mit dazu beigetragen hat, den ICE-Bahnhof in Siegburg zu schaffen, ist überzeugt, dass diese Erfolgsgeschichte weiter geschrieben wird und die ICE-Verbindung ein zunehmender Standortvorteil für die Region wird. Sichtbares aktuelles Beispiel für solchen Optimismus: Am Montag wurde an der Konrad-Adenauer-Allee hinter dem Bahnhof das neue Parkhaus mit Platz für 620 Autos fertig ( der Ga berichtete).

Gekostet hat der 80 Meter lange und 46 Meter breite Bau mit seinen fünf Etagen rund 3,5 Millionen Euro. Bauherr Peter Holbach bekräftigte bei der Einweihung: "In zwei Minuten ist man vom Auto im ICE." Die Parkkosten: Von einem Euro für eine Stunde bis 85 Euro pro Monat.

Die Bilanz des ICE-Bahnhofs in Zahlen: Allein von 2004 bis 2005 wuchs die Zahl der ICE-Passagiere pro Woche von 14 000 auf 20 000 - ein Zuwachs von 40 Prozent. Zuvor waren Zuwachsraten von teils 70 Prozent registriert worden. Mittlerweile halten täglich 51 Züge in Siegburg, vor drei Jahren waren es noch 38.

Nach Untersuchungen des Geographischen Instituts der Universität Bonn fahren 90 Prozent der Passagiere von und nach Frankfurt, rund drei Viertel der Passagiere am Bahnhof in Siegburg nutzen den Zug geschäftlich oder als Berufspendler. Kein Wunder, für die 160 Kilometer zwischen Siegburg und Flughafen Frankfurt benötigt der ICE weniger als 40 Minuten.

Für die Wirtschaftsförderung des Kreises ist damit Frankfurt zum zweiten "Hausflughafen" der Region Bonn/Rhein-Sieg geworden. Durch die gute Anbindung verschaffe der ICE-Bahnhof der Region eine erhebliche Verbesserung ihrer ohnehin guten Anbindungsqualität, so die Fachleute im Kreishaus.

Die Wirtschaft und die wirtschaftliche Entwicklung der Region, aber auch die Stellung Bonns als internationale Kongressstadt profitierten in mehrfacher Weise. Alles zusammen wirke wie ein maßgeschneidertes Wirtschaftsförderungsprogramm für Unternehmen und Dienstleister in der Region.

Der ICE-Bahnhof, so Kreis-Wirtschaftsförderer Hermann Tengler, spiele eine zunehmende Rolle als Standortargument. In Siegburg seien deutliche Anstiege bei den Immobilien-Investitionen festzustellen. Und nach Erhebungen der Universität Bonn hätten sich knapp drei Prozent der ICE-Nutzer wegen der hervorragenden Anbindung als Berufspendler für die Kreisstadt als Wohnort entschieden.

"Es spricht alles dafür, dass die Passagierzahlen am Siegburger ICE-Halt auch in Zukunft steigen werden", fasst Tengler zusammen. Dazu trägt auch bei, dass nach Prognosen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik die Einwohnerzahl des Rhein-Sieg-Kreises bis 2020 um 60 000 auf 656 000 zunehmen wird.