GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Was bedeutet "Isch han Jeld zebaschte"?

Ich habe Geld im Überfluss.

Ich habe Geld im Überfluss.

BONN. In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: "Isch han Jeld zebaschte"

Man könnte meinen, das Thema Geld und Reichtum wäre ein eigenes Kapitel für die rheinischen Redensarten wert. So viele Sinnsprüche gibt es, die auf irgendeine Weise sagen wollen. Ich habe viel Geld, oder gerade das Gegenteil. Eine ganz besondere Spielart ist der Satz: „Isch han Jeld zebaschte“. Ins Hochdeutsche übersetzt heißt das sinngemäß: Ich habe Geld wie Heu.

Das eigentlich Bemerkenswerte daran ist das Wort „zebaschte“. Es beschreibt eine sehr große Menge, die praktisch unzählbar, wenigstens aber unüberschaubar ist.

Ein interessanter Exkurs für Sprachenthusiasten ist folgender: Üblicherweise streiten sich die Mundartsprecher von hier und dort gerne und ausdauernd über die richtiges Schreibweise. Da gibt es „Rechtschreibpäpste“ und Lockerungsfanatiker. Letztlich sagen uns die akademischen Sprachwissenschaftler – die ja eigentlich gerne alles in eine festgelegte schriftliche Form gießen – dass der Dialekt eine gesprochene Sprache ist, und dass es keine verbindlichen Schreibregeln gibt. Ein langes -o- kann geschrieben durch -oo- oder -oh-, manchmal auch einfach als -o- aufgeschrieben werden. Und es gibt noch das rheinische Dehnungs-i, so dass es auch -oi- notiert werden kann wie in Troisdorf und Roisdorf (geprochen Troosdorf und Roosdorf). Weitere Varianten sind möglich. Ein weites Feld also. Diesmal ist es allerdings anders. Die vorhandenen Wörterbücher sind sich in der Schreibweise einig. Es steht geschrieben „zebaschte“. Oder höchstens abgekürzt „zebasch“. Obwohl es ursprünglich, laut Wredelexikon seit 1877, getrennt „ze Baschte“ verschriftlicht wurde.

Und damit sind wir auch schon bei der Bedeutung. Hilfe bekommen wir von LVR-Sprachforscher Peter Honnen, der in seinem Herkunftswörterbuch der rheinischen Umgangssprache erläutert, dass das Wort die rheinische Variante vom Standarddeutschen „zum Bersten“ oder „bersten“ ist. Im Niederländischen und Niederdeutschen taucht es als barsten auf. Und das bedeutet eigentlich: „zum Bersten voll“. Wenn also jemand etwas zebaschte hat, und das kann alles sein, nicht nur Geld, dann ist dessen Aufbewahrungsbehältnis zum Bersten voll. Durch das Lautmalerische kann man sich das sehr gut vorstellen.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Der GA bietet in Zusammenarbeit mit LVR-Sprachforscher Peter Honnen den Podcast „So geht Rheinisch“.