Weihbischof Helmut Dieser

Was 007 mit Weihnachten zu tun hat

TRIER.  Der Trierer Weihbischof Helmut Dieser schreibt exklusiv im General-Anzeiger seine Gedanken zum Christfest. Und zieht dabei den Vergleich zum aktuellen James-Bond-Streifen.
Weihbischof Helmut Dieser schreibt exklusiv für den General-Anzeiger. Foto: Bistum Trier

"Mami war sehr böse". Kennen Sie diesen Satz? Javier Bardem spricht ihn in seiner Rolle als Bösewicht im neuen Bond Skyfall. Von seiner Chefin M fallen gelassen, muss er sich nun an ihr rächen. Denn Mami darf nicht böse sein: nie, nie, nie!

Mit diesem Seelenmuster zeigt sich der Gegenspieler Bonds als unreifer Junge: Er kann nicht zum Mann werden, weil er sich nicht von Mami trennen kann. Schon gar nicht, wenn sie ihn rauswirft.

Bond dagegen wird erwachsen: er besteht Anfechtungen, verdaut seine Enttäuschungen und reift zum Mann. Im Showdown kann M sich sogar an ihn anlehnen: Mami hat einen erwachsenen Sohn gewonnen. Er ist unabhängig von ihr und lässt sie doch nicht im Stich - bis zum wirklich letzten Augenblick. Romantik? Überholte Rollenklischees? Oder nur Unterhaltung? Ich meine: Skyfall spricht von unserer Sehnsucht - und von unserer Gefährdung.

Zuerst die Gefährdung: Entweder das Leben macht dich reifer, oder es macht dich kaputt! Keiner kann ein Leben lang Kind bleiben. Jeder muss kämpfen. Auch damit, dass Mami und Papi und die Welt um uns herum Fehler machen. Manchmal bittere Fehler! Es gibt Menschen, denen das Leben böse mitspielt. Sie sind verletzt. Sie haben das ständige Bedürfnis, sich zu beschweren: bei den Angehörigen, beim Arbeitgeber, bei der Gesellschaft, bei Gott.

Und im schlimmsten Fall wird daraus Hass. Dann kann es zu fürchterlichen Showdowns kommen, wie jetzt beim Amoklauf in Newtown, vor denen wir uns nur noch entsetzen können. Die Kriegs- und Amok-Showdowns dieser Welt sind unbeherrschbar, und auch der beste Bond hätte in der realen Welt keine Chance.

Doch nun zur Sehnsucht, die sich in Skyfall zeigt. Die liegt darin, eben nicht vom Himmel zu fallen und auf der Erde schwer aufzuschlagen, sondern durchs Leben zu kommen, ohne den Himmel zu verlieren. Und so rückt Bond nah heran an den Kern des christlichen Weihnachtsfestes.

Da wird ein Kind geboren. Oben am Himmel singen Engel vom Frieden, der zu den Menschen kommen soll. Unten auf der Erde fangen die ersten an sich zu wundern, dass dieses Kind ein Zeichen ist: Gott will bei euch sein! Er wird euch aushalten!

Hat dieses göttliche Kind auf Erden eine Chance? Später verkündet der erwachsen gewordene Jesus die gleiche Botschaft wie die Engel bei seiner Geburt: Dass Gott zuerst bei den Verlierern ist. Dass Rache und Gewalt nie zu Gott führen. Dass Gott sich freut über einen einzigen, der nicht weiter mit den Wölfen heulen will, sondern erwachsen wird und Gott erkennt.

Doch gerade dafür wird Jesus von dieser Welt hart angepackt. Sein Leben umfasst alle Dramen der Menschheit: von der Krippe zum Kreuz. Vom armseligen Kind zum Mann, der nie ein böses Wort spricht und doch stirbt in Hass und Gewalt aller gegen ihn. War sein Leben sinnlos?

Nur der Glaube kann hier noch weiterkommen. Deshalb feiern wir Weihnachten, damit wir es glauben: Gott hat in unserer Welt die Liebe gewagt bis zum Äußersten. Allem, was im Leben der Menschen an Bösem geschehen kann, hat er sich ausgesetzt.

Doch warum? Weil er jeden ganz liebt. Bis in die Abgründe hinein. Bis ins Verlieren und Untergehen. An Ostern sagt der auferstandene Jesus zuerst das Wort, das bei seiner Geburt die Engel singen: Friede bin ich euch! Friede, den Gott auf die Erde bringt. Nichts will Gott lieber, als dass wir diesen Frieden entdecken und wagen aus ihm zu leben.

Das heißt: Fang nie an zu hassen! Lass deine Rachegelüste fahren! Wage es, auch denen gut zu sein, die es dir nicht sind. Das ist Liebe, wie Jesus sie gelebt hat. Liebe, wie Gott sie für uns hat. Wirf dich in seine Arme. Er ist nie böse: nie, nie, nie!

So können wir an Jesus reif werden und erwachsen lieben lernen. Und das heißt: Gott vertrauen wie ein Kind. Frohe Weihnachten!

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