Warteschlangen in Phantasialand sind kürzer als gewohnt

Besucherandrang nach Wiedereröffnung des Brühler Vergnügungsparks hielt sich am Wochenende trotz guten Wetters in Grenzen

Brühl. Ein ganz normaler Maisonntag im Phantasialand. Kribbeln im Bauch auf der Wildwasserbahn, Spannung im Temple of the Night Hawk und Eis essende Besucher, die die Sonne genießen - nur die Wartezeiten sind nach der Brandkatastrophe am 1. Mai kürzer als sonst. Seit Donnerstag können Besucher wieder ins Phantasialand. Man habe nicht damit gerechnet, dass es am ersten Sonntag nach der Wiedereröffnung "so gefüllt" sein würde, sagte Heike Euskirchen von der Marketingabteilung. Sicherlich könnten die Zahlen, die nicht genannt wurden, besser sein, räumte sie ein - aber für die Gegebenheiten sei es "ein guter Tag".

Kein Gedränge vor den Attraktionen - Bernhard Wiemer fand es toll. "Wenn man wenig warten muss, erlebt man viel mehr", sagte der 42-jährige Leverkusener, der mit Frau und Patenkind den Frühlingstag im Vergnügungspark genoss. Wiemer kommt zwei bis drei Mal im Jahr und lässt sich auch von dem Unglück vor drei Wochen nicht abschrecken. "Es ist schlimm, aber Autounfälle passieren auch. Deswegen fahre ich trotzdem weiter Auto", so Wiemer.

Am Maifeiertag war auf einer mit etwa 150 Personen besetzten Achterbahn ein Brand ausgebrochen, zerstörte diese vollkommen und richtete Schaden an weiteren Attraktionen an. 63 Menschen wurden leicht verletzt. Die Achterbahn ist inzwischen abgerissen, ein großes Loch, umgeben von einem Bauzaun, gibt den Blick auf Mistery Castle frei. Noch ist unklar, was die Achterbahn ersetzen wird - in Vergessenheit wird sie jedoch nicht geraten.

Viele Fans schrieben in E-Mails und Briefen, dass dies die erste Achterbahn gewesen sei, auf der sie fuhren, so Euskirchen. Sogar Glückspfennige für den Wiederaufbau schickten sie.

Am Tag der Wiedereröffnung erinnerte bis auf den langen roten Zaun nichts mehr an das Unglück. Um die Unglücksstelle wurden neue Blumen angepflanzt, der Schutt beseitigt - kein Ruß, keine Asche, kein Schrott. Am Tanagra Theater fehlt noch das Dach, aber auch das fällt kaum auf. Da seit dem Unglück drei Attraktionen, die Gebirgsbahn, die Grand Canyon Bahn und das Tanagra Theater, nicht zur Verfügung stehen, und der Phantasialand Jet und die Silbermine erst in vier bis fünf Wochen wieder in Betrieb genommen werden können, hat man den Eintrittspreis um fünf Mark reduziert. Bettina Weitz aus Aschaffenburg und Ferenc Benkü aus Düsseldorf, die zum ersten Mal das Phantasialand besuchten, waren der Meinung, dass diese Preisminderung nicht ausreichend sei.

Von einem Besuch konnten die Ereignisse sie aber nicht abhalten. Sie probierten die Achterbahn "Colorado Adventure" aus und hatten dabei "keinen Gedanken an mögliche Unfälle". Wie Wiemer waren sie der Meinung, dass solche Unglücksfälle überall passieren können.

Allerdings müsse solchen Zwischenfällen durch Bestimmungen und strengere Kontrollen seitens der Feuerwehr und der Behörden entgegengewirkt werden, so Wiemer. Er geht davon aus, dass man aus dem Unglück gelernt habe und will weiterhin regelmäßig ins Phantasialand kommen.

In einigen Wochen können die Gäste sich in der neuen Attraktion "Wuze Town" in eine ausgegrabene Stadt begeben, um in Kurvenlabyrinth und Spinning Coaster eine verschollene Zivilisation kennenzulernen.