Von Entwarnung kann keine Rede sein

<b>Gemeinsame Sache </b>machen das Kreisgesundheitsamt und die Aids-Hilfe mit verschiedenen Aktionen beim Welt-Aids-Tag am Donnerstag.

<b>Gemeinsame Sache </b>machen das Kreisgesundheitsamt und die Aids-Hilfe mit verschiedenen Aktionen beim Welt-Aids-Tag am Donnerstag.

Rhein-Sieg-Kreis und Aids-Hilfe wollen die Bevölkerung sensibilisieren - Das Problembewusstsein hat nachgelassen - Aktionen zum Welt-Aids-Tag

Rhein-Sieg-Kreis. Die aktuellen Zahlen fallen düster aus: Mehr denn je ist die tödliche Immunkrankheit Aids weltweit auf dem Vormarsch. 40 Millionen Menschen sind erkrankt, allein fünf Millionen haben sich im vergangenen Jahr neu infiziert, 8 000 sterben täglich an Aids. Auch in Deutschland kann von Entwarnung keine Rede sein. 44 000 Menschen lebten Ende 2004 mit Aids, 2 000 Neuinfektionen kamen hinzu. Das Problembewusstsein in der Bevölkerung sei bedenklich geschwunden, warnen Fachleute.

Um die Menschen erneut zu sensibilisieren, wollen das Kreisgesundheitsamt und die Aids-Hilfe Rhein-Sieg den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember für die Aktion "Gemeinsam gegen Aids - Wir übernehmen Verantwortung" nutzen. Unter anderem wollen die Anti-Aids-Aktivisten 500 Gesundheitspakete inklusive Brezel in Form der Aidsschleife am Siegburger Busbahnhof verteilen.

Bereits seit geraumer Zeit beobachtet Richard Spätling, Vorstands- und Gründungsmitglied der Aids-Hilfe, eine "verhängnisvolle Entwicklung" und eine regelrechten "Paradigmenwechsel" im Bewusstsein der Menschen. "Ich nehme nur noch ein Kondom, wenn der andere auch infiziert ist", lautet mittlerweile ein oft gehörtes Argument von Sexualpartnern.

Als Gründe für nachlassende Prävention bekommen Spätling und seine Mitstreiter oft zu hören, "dass der Kondom-Verzicht aus Liebe geschieht". Schließlich spiele oft die Angst mit, ein solcher Gebrauch könnte vom Partner missverstanden werden, nach dem Motto, "der macht es mit jedem".

Neben gewissen Ermüdungserscheinungen bei den Aufklärungskampagnen trägt oft auch das gute Aussehen von Aids-Kranken zu einer fatalen Unterschätzung der Krankheit bei: "Diese Ausgezehrtheit der Kranken, wie sie früher die Regel war, haben wir heute nicht mehr", so Spätling. Möglich machten es vor allem neue "exzellente Virushemmer", sagt Erich Klemme, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Prävention sei das einzig Erfolg versprechende Mittel.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis gibt es handfeste Indizien dafür, dass das Problembewusstsein schwindet. Im Jahr 2000 zählt das Kreisgesundheitsamt noch 371 Tests, im vergangenen Jahr waren es mehr als 20 Prozent weniger, so Klemme. "Zwar gibt es keine besorgniserregende Szene im Rhein-Sieg-Kreis, aber ein latentes Risiko", warnt Kreissozialdezernent Hermann Allroggen. Martin Dohmstreich, Leiter der Beratungsstelle der AIDS-Hilfe, kann dem nur beipflichten, da keineswegs nur Randgruppen betroffen seien: "Jeder, der Sex hat, kann sich anstecken."

Natürlich gibt es besonders gefährdete Gruppen: 55 Prozent der Menschen, die sich in Deutschland im vergangenen Jahr neu infiziert haben, waren Männer, die Sex mit anderen Männern hatten. 21 Prozent haben sich in Regionen infiziert, in denen Aids besonders weit verbreitet ist (etwa Afrika oder Südostasien), 15 Prozent der Ansteckungen sind auf heterosexuelle Kontakte zurückzuführen, acht Prozent der Neuinfizierten sind Drogenabhängige und bei rund einem Prozent haben Mütter ihre Neugeborenen schon während der Schwangerschaft angesteckt. Immer häufiger, so Dohmstreich, trete Aids auch bei Drogenabhängigen aus Osteuropa auf.

Allroggen rät aber auch jene im Auge zu haben, die scheinbar nicht so gefährdet seien: "Vielen Jugendlichen ist die Heimtücke dieser Krankheit nicht so bekannt." Auch denen müsse mehr vermittelt werden, "was Liebe wirklich ist. Auf jeden Fall nicht ungeschützt miteinander zu schlafen". Wer ein Kondom benutze, übernehme Verantwortung gegenüber dem Partner.

Aktionen zum Welt-Aids-Tag: Mittwoch ab 11.30 Uhr öffnet ein Aktionsstand in der Gesamtschule Troisdorf seine Pforten. Am Samstag, 17. Dezember, lädt das CVJM-Kulturcafé in Siegburg zu Kunst (ab 14 Uhr) und Musik mit "The Matrix Allstars" (ab 19.30 Uhr) ein.