Flüchtlinge in Bornheim

Um 22.15 Uhr hatte das Warten ein Ende

BORNHEIM. Am Ende eines langen Tages - für alle Seiten - kamen sie dann doch noch zusammen: Die Flüchtlinge im Bus aus Dortmund und die vielen Helfer an der Bornheimer Johann-Wallraf-Schule. Für 16 Uhr hatte die Bezirksregierung die Ankunft angekündigt. Gegen 21 Uhr war es, als endlich die ersehnte Nachricht die Runde machte: Sie sind unterwegs!

Dann dauerte es aber doch noch bis 22.15 Uhr, ehe der Bus an der Turnhalle gegenüber dem Bornheimer Stadion vorfuhr. An Bord: 54 Menschen, so die Zahl aus Dortmund, 16 von ihnen schon registriert, kleine Familien und auch größere. Eine wichtige Vorinformation für die Logistiker vor Ort. So konnten sie sich schon Gedanken machen, wie und wo sie die verschiedenen Gruppen optimal unterbringen können.

Volles Programm schon am Nachmittag: Betten rücken, die medizinische Ausrüstung überprüfen, Caterer Jürgen Bühner hatte schon das Abendessen geliefert - Brot, frischer Aufschnitt. Ansonsten waren alle und alles gerüstet. Schließlich hatten Mitarbeiter der Stadt sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des Malteser Hilfsdienstes, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Technischen Hilfswerks rund eine Woche lang kräftig mit angepackt, um in der Turnhalle der Schule eine Bleibe zu schaffen.

Kein Bus in Sicht, wenige Informationen

Dann hatte das große Warten begonnen. Kein Bus in Sicht, wenige Informationen aus Dortmund. Und das, obwohl laut Sozialamtsleiter Herbert Meyer, eine schriftliche Zusage der Bezirksregierung vorlag, dass die ersten 70 von insgesamt 150 Flüchtlingen gegen 16 Uhr in Bornheim eintreffen sollten. Weitere 80 Personen sind für Dienstag angekündigt.

[kein Linktext vorhanden]Auch um 17 Uhr nichts Neues für die rund 60 Helfer, die bei der Betreuung helfen wollten. Meyer wusste: Der Bus ist noch nicht einmal in Dortmund losgefahren. Dort befindet sich die zentrale Anlaufstelle. Seine Prognose: Es wird wohl 21 Uhr.

"Offensichtlich ist die Anzahl der Flüchtlinge so groß in Dortmund, dass die dass dort nicht geregelt bekommen", vermutete Stephan Feck, Leiter der Malteser aus Bornheim. Feck blieb gelassen.

"Schließlich ist es so besser, als wenn die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen wären", zeigte er in die Turnhalle. Die konnte vor allem auch Dank vieler Ehrenamtlicher zu einer voll funktionstüchtigen Notunterkunft umgewandelt werden.

So hatten die Helfer nicht nur jede Menge Etagenbetten zusammengeschraubt und die Turnhalle mit Zeltwänden in Schlafkabinen unterteilt. Es stehen auch rund ein Dutzend Waschmaschinen und eine Handvoll Trockner bereit; die Geräte hatte die Stadt eigens angeschafft.

Ebenfalls gedacht hatten die Verantwortlichen an eine Art Spielzimmer mit gespendeten Kuscheltieren, Bällen und Puppen für ankommende Kinder sowie an ein Lager mit Koffern: "Viele Flüchtlinge sind nur mit einer Plastiktüte unterwegs", erklärte Meyer.

"Keine Informationen, wer genau kommt"

Auch für Essen ist gesorgt: Ein Caterer des Malteser Krankenhauses wird drei Mal am Tag kommen. Allerdings gab der Sozialamtschef zu bedenken, dass ungeachtet aller Vorbereitungen ein Rest an Unwägbarkeiten bleibe: "Schließlich haben wir keine Informationen, wer genau kommt, ob etwa viele Kinder oder Ältere dabei sind."

Darum ist aus Sicht der Malteser ein Bereich in der Turnhalle ganz wichtig: In Kabinen "wird jeder Flüchtling von einem ärztlichen Team untersucht", erklärt Stephan Feck. "Das ist wie bei einer Untersuchung durch den Hausarzt." Inklusive Blutuntersuchung und einer späteren Röntgenaufnahme in einem Krankenhaus.

Seinem Malteser-Kollegen Ulf Krüger ist vor der Aufgabe nicht bange: "Wir haben gerade drei Wochen lang ein Sammellager mit 300 Flüchtlingen in einer Schule in Aachen betreut. Das hat reibungslos geklappt", sagt er.

Auch weil viele Flüchtlinge die Helfer freiwillig unterstützt hätten: "Die standen um 7 Uhr vor unserem Infostand und boten sich zum Hofdienst an."