Steile Stufen gehören der Vergangenheit an

Kranführer leistet beim Umbau der S-Bahnhaltestellen "Schwerstarbeit" mit wuchtigen Beton-Bauteilen - Neue Hochbahnsteige in Oberdollendorf bieten mehr Komfort - Umbau kostet 1,4 Millionen Mark

Oberdollendorf. Ab Montagmorgen können Fahrgäste der Linie 66 in Oberdollendorf und Oberdollendorf-Nord ganz bequem in die Straßenbahn einsteigen: Am Wochenende wurden an beiden Haltestellen neue Hochbahnsteige errichtet. Zunächst bleibt allerdings nur den Richtung Bonn Fahrenden das Erklimmen der steilen Bahn-Trittstufen erspart. Die andere Seite des Bahnsteigs soll erst in fünf Wochen, voraussichtlich vom 7. bis 10. Dezember, umgerüstet werden.

Von den Hochbahnsteigen versprechen sich die Stadtwerke Bonn (SWB) höheren Komfort. "Es ist uns wichtig, dass die Kunden nicht mehr diese Stufen erklimmen müssen", sagt Pressesprecher Werner Schui. Darüber hinaus wird "die Bahn auch schneller, da die Fahrer nicht mehr das Ein- und Ausfahren der Trittstufen abzuwarten brauchen", sagt SWB-Mitarbeiter Günter Kurenbach.

Der Aufbau war im wahrsten Sinne des Wortes "Schwerstarbeit": Die fünf Meter langen und bis zu elf Tonnen schweren Fertigbauteile mussten von zwei gewaltigen Kränen von der B 42 aus an die beiden Haltestellen gehievt und dort im Baukastensystem zusammengesetzt werden. Da der Straßenbahnbetrieb eingleisig weiter lief, blieben die Oberleitungen eingeschaltet. Die Kranführer mussten die wuchtigen Teile also geschickt um die dünnen Kabel herum manövrieren.

Noch komplizierter war es an der Haltestelle Nord: Dort konnte der Kranführer nicht einmal selber sehen, wo er seinen Ausleger hinsteuerte. Das 140 Tonnen schwere Gefährt befand sich nämlich etwa 20 Meter unterhalb der Haltestelle auf der B 42. Dirigiert wurde der Fahrer über Funk von seinen Kollegen an der Baustelle.

Bereits vor Wochen hatten die Vorbereitungen begonnen: Die Überdachung wurde abgebaut und die tragenden Stahlbeton-Fundamente errichtet. "Am Freitagabend haben wir dann die bislang nur 20 Zentimeter hohen Bahnsteige in Fahrrichtung Bonn bis auf die Schotterdecke hinunter abgebrochen", erläutert Kurenbach. Auf diesem Streifen wurden am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag die Hochbahnsteige aufgebaut.

Erstmals kam in Oberdollendorf ein neues Konzept für die Errichtung von Hochbahnsteigen zum Tragen: "Normalerweise wird bei solchen Umbaumaßnahmen immer ein provisorischer Ersatzbahnsteig eingerichtet", erklärt Kurenbach, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jaime Lohse das Konzept entwickelt hat. "Hier wäre dies aber aufgrund der Lage der Haltestellen technisch nicht möglich gewesen."

Anstatt also die Haltestelle zu sperren und höher zu betonieren, wurden in Dollendorf erstmals Fertigbauteile eingesetzt. Insgesamt schlägt die Bahnsteigerhöhung mit 1,4 Millionen Mark zu Buche, 75 Prozent zahlt der Bund, 15 Prozent das Land und zehn Prozent die Stadt Königswinter. Möglichst bald sollen auch die anderen Haltestellen in Königswinter umgebaut werden.

Als "Gedankenoption" bezeichnete SWB-Pressesprecher Werner Schui am Sonntag den Vorschlag des Unternehmens, die Stadtbahn-Strecke zwischen Bonn und Bad Honnef in Zukunft in ein Niederflursystem umzuwandeln. Mit der Darlegung dieses Gedankens, der im Königswinterer Planungsausschuss für Irritationen gesorgt hatte, habe SWB-Fachbereichsleiter Sigward Meyer einen "Diskussionsprozess in Gang setzen wollen".

Wenn spätere Generationen sich zum Umbau entschließen sollten, sei das aufgrund des Modulsystems in Oberdollendorf "leicht möglich". Derweil hält Bürgermeister Peter Wirtz einen Systemwechsel für in näherer Zukunft "nicht sehr wahrscheinlich". Auf Chefebene und interkommunal sei der Gedanke jedenfalls "noch nicht weiter gediehen".