Stadt Niederkassel schließt Schultrakt wegen Schadstoffen

<b>Leer geräumt </b>sind die Klassenzimmer im alten Trakt der Grundschule Ranzel. Die Luft der Räume ist mit giftigen Stoffen belastet.

<b>Leer geräumt </b>sind die Klassenzimmer im alten Trakt der Grundschule Ranzel. Die Luft der Räume ist mit giftigen Stoffen belastet.

Wissenschaftler weisen in der Luft zweier Klassenräume PAK und Naphthalin nach - Verwaltung trifft Vorsorge - Dichtungen dünsten aus

Niederkassel. Wer einen Blick in den Altbau der Grundschule Ranzel wirft, sieht keine Schüler und leer geräumte Klassenzimmer. Rund 100 Mädchen und Jungen, etwa ein Drittel der Grundschüler, mussten die Räume räumen. Ausdünstungen aus den Fugen des Holzbodens veranlassten die Verwaltung, das Gebäude bis auf weiteres vorsorglich zu schließen. Messung hatten die Schadstoffe Naphthalin und PAK in der Luft nachgewiesen. "Es besteht kein Grund zur Panik", sagte Bürgermeister Walter Esser am Mittwoch dem General-Anzeiger. Gefahr sei nicht in Verzug.

Alles nahm seinen Anfang im vergangenen Sommer. "Da haben wir festgestellt, dass es in zwei Klassen im Altbau, die noch einem Holzfußboden hatten, bei Wärme roch. Die Luft war einfach schlecht", sagt Susanne Reil, Vorsitzende der Schulpflegschaft. In den beiden anderen, mit Linoleum verlegten Klassenräumen stellten sich keine auffälligen Gerüche ein. Besorgt wandte sich Reil an die neue Rektorin Roswitha Trabert-Boschbach, und die wiederum habe sich bei der Stadt für eine Messung stark gemacht.

"Wir haben im November von ersten Beschwerden über Geruchsbelästigungen erfahren", erklärte Esser am Mittwoch. Zudem hätten Kinder über Kopfschmerzen geklagt. Die Verwaltung beauftragte das Kölner ECO-Institut mit Messung der Raumluft. Ergebnis: die Luft enthielt PAK und Naphthalin. Letzteres in einer Konzentration, die über dem erst jüngst festgelegten Grenzwert lag. Auch die Quelle für die Gifte war schnell ausgemacht. "Die stammen von den Fugenabdichtungsmitteln aus dem alten Parkettboden", weiß Esser. Über die Messungen wurde auch das Gesundheitsamt informiert, um abzuklären, wie weiter zu verfahren sei.

Ende Januar beschäftigte sich der Schulausschuss mit dem Thema, am 7. Februar sahen sich Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts an Ort und Stelle um. Einen Tag später ordnete die Stadt dann die Räumung der beiden Klassen an. Das unverzügliche Handeln fand auch den Beifall von Reil: "Die Stadt hat absolut umsichtig gehandelt." Zwei Klassen wurden zunächst in den Haupttrakt der Grundschule ausgelagert. Weichen musste auch die Musikschule. Sanieren will Esser die belasteten Fußböden in den Sommerferien - und zwar "von Grund auf".

Besorgt ob der Belastung, forderten Eltern auch eine Messung in den beiden anderen Klassenzimmer des Altbaus, die mit Linoleumböden ausgelegt sind. Die waren bislang nicht durch Gerüche aufgefallen. Auch hier stimmte die Stadt einer Messung zu. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Vorsichtshalber lernen seit vergangenem Dienstag die Kinder aus diesen beiden Klassen in der Hauptschule Lülsdorf. Was bei den Messungen herausgekommen ist? Das, so hofft Esser, sollen Verwaltung, Eltern und Schulleitung morgen in einem Gespräch mit den Wissenschaftlern erfahren.