Sorge um den Erholungswert

REGION. Der Landschaftsschutzverein Kottenforst fordert einen Planungsstopp für den Kiesabbau im Linksrheinischen

Planfeststellungsverfahren über den Abbau von hochreinem Quarzkies in der Region Kottenforst/Ville sollen bis zum Ablauf von zwei Jahren, längstens jedoch bis zur Genehmigung eines diesen Abbau betreffenden neuen Regionalplans untersagt werden. Diese Forderung nach einem Moratorium erhebt der Landschaftsschutzverein Kottenforst in einem Schreiben an den neuen NRW-Wirtschaftsminister Harry Kurt Voigtsberger, mit dem er den Minister um Erteilung einer Weisung an die ihm unterstellte Landesplanungsbehörde bittet.

Zur Begründung weist der Vorsitzende Thomas Klodt darauf hin, dass seit 2003 zwischen dem Kölner Regierungspräsidenten Hans-Peter Lindlar und der Kiesindustrie einerseits, den Fraktionen des Regionalrats Köln und den beiden Landschaftsschutzvereinen Kottenforst und Vorgebirge andererseits um Menge und Standorte für den Kiesabbau in der Region gestritten werde.

Der Regionalrat Köln hatte Anfang Juli beschlossen, dass die Bezirksregierung die vier potenziellen Standorte Weilerswist-Nord, Witterschlick-Süd, Sonnenhof bei Bornheim sowie Flerzheim-Nord erneut untersuchen solle. Er wich damit vom Vorschlag Lindlars ab, der für den in Aufstellung befindlichen Regionalplan u.a. den aus Sicht sowohl des Landschaftsschutzvereins Kottenforst als auch der Gemeinde Swisttal ungeeigneten Standort Flerzheim-Nord vorgeschlagen hatte. Der Regionalrat sei vor der Juli-Sitzung von der Bezirksregierung dahingehend falsch unterrichtet worden, dass ein Moratorium das Einverständnis der Kiesunternehmer voraussetze, so Klodt. Der Regionalrat habe daher entgegen seiner ursprünglichen Absicht auch kein Moratorium mehr beantragt.

Da das Bergamt Arnsberg ohne neuen Regionalplan die Einwände des Landschaftsschutzvereins nicht berücksichtigen dürfe und zudem Kiesbauanträge von drei weiteren Unternehmen für Kottenforst/Ville vorlägen, die bei Fehlen eines verbindlichen Regionalplans ebenfalls vom Bergamt genehmigt werden müssten, befürchtet der LSV, dass die Erholungsfunktion des Kottenforsts unmöglich gemacht werde.

"Wir äußern die Bitte um Erlass eines Moratoriums zum wiederholten Mal, nachdem sich die bisherige Landesregierung offenbar nicht veranlasst gesehen hat, einem hemmungslosen Kiesabbau im Kottenforst abzuhelfen", betonte Klodt abschließend.

Er kündigte an, dass sich der LSV an dem jetzt vom RP mit einem Umweltbericht eingeleiteten Scopingverfahren mit einer Stellungnahme beteiligen und dabei Fehler und Mängel des Berichts aufdecken werde. Hoffnungen setze man auf den für Mitte August angekündigten Wechsel in der Person des RP. Mit der designierten Nachfolgerin von Lindlar, Gisela Walsken (SPD), wolle man bald sprechen.