Bürgermeister-Neuwahl in Bad Münstereifel

Siegreicher Kandidat Werner Esser stirbt am Wahlabend

Bonn/Bad Münstereifel. Auch einen Tag nach dem plötzlichen Tod des SPD-Bürgermeisterkandidaten Werner Esser befindet sich die Stadt Bad Münstereifel im Schockzustand. Bei Bürgern und Politikern herrscht tiefe Betroffenheit. Jetzt muss neu gewählt werden.

Auch einen Tag nach dem plötzlichen Tod des SPD-Bürgermeisterkandidaten Werner Esser befindet sich die Stadt Bad Münstereifel im Schockzustand. "Wir müssen das alle erstmal verarbeiten", sagte Pressesprecherin Marita Hochgürtel. Jetzt muss neu gewählt werden.

Der 57-jährige Esser, langjähriges Ratsmitglied in Bonn, war noch vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Sonntagabend kollabiert und anschließend im Krankenhaus gestorben.

"Er hat sich mit Parteifreunden getroffen und wollte gegen 18 Uhr im Rathaus vorbeischauen", sagte Hochgürtel. Man habe sich gewundert, warum er nicht auftauchte und dann relativ schnell die traurige Nachricht erhalten.

"Der Abend war wahnsinnig aufregend für ihn", erzählte der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg. UWV-Fraktionschef Eddy Daniel schilderte die dramatischen Minuten: "Rainer Waasem (SPD) und ich haben abwechselnd versucht, ihn durch Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben, bis der Notarzt eintraf."

Besondere Tragik: In Bad Münstereifel wäre Werner Esser, der mit 44,7 Prozent das beste Ergebnis hatte, in die Stichwahl mit Sabine Preiser-Marian (37,7 Prozent) gegangen. FDP-Kandidat Günter Kirchner erhielt 14,3 Prozent, Thomas Bell (Linke) 3,3 Prozent .

Der Tod löste große Bestürzung aus. "Er war sehr gut darin, auf Menschen zuzugehen, zuzuhören, zu schlichten", beschrieb Grünberg. Als Vorsitzender des Bonner Mieterbundes war Grünberg für Esser nicht nur Chef, sondern auch langjähriger politischer Mentor. Der 57-Jährige war 25 Jahre Rechtsberater des Mieterbundes und mehrere Jahre Stadtrat in Bonn. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft und NRW-SPD-Generalsekretär André Stinka erklärten: "Werner Esser war ein großartiger Mensch, ein Kümmerer und ein Kämpfer für die Werte der Sozialdemokratie. Wir vermissen ihn in unserer Mitte und sind in Gedanken bei seiner Familie und seinen Angehörigen."

Im Wahlkampf hatte der SPD-Politiker einen prominenten Unterstützer: den Schlagersänger Heino, der im Wahlort Bad Münstereifel wohnt. "Ich habe die Nachricht gestern um halb Elf von seiner Familie erfahren und war geschockt", sagte der 76-Jährige. "Er hatte gute Argumente und hätte die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf wecken können." Vor seiner Kandidatur war Esser an den Promi herangetreten. "Er war mir sympathisch, ich hatte das Gefühl: Das harmoniert", sagte der Sänger. Die Wahlkampf-Unterstützung beschränkte sich dann aber auf ein Foto bei Facebook, auf dem Esser mit Heino vor einem Hauseingang posiert.

Neuwahl innerhalb von fünf Wochen

Viel Zeit zum Trauern bleibt den politischen Akteuren in Bad Münstereifel allerdings nicht. "Das nordrhein-westfälische Kommunalwahlgesetz sieht vor, dass es innerhalb von fünf  Wochen nach der letzten Wahl zu einer Neuwahl kommen muss", sagte Pressesprecherin Hochgürtel.

Stimmen zum Tod von Werner Esser 

Da die Stichwahl am 27. September, auch wenn sie ausfällt, als letzte Wahl anzusehen ist, rechnet sie mit einem Termin Ende Oktober. Der Urnengang muss komplett wiederholt werden, die SPD kann einen neuen Wahlvorschlag einreichen. Am Dienstag werde es vermutlich eine interfraktionelle Besprechung geben. "Heute müssen wir uns zunächst sammeln", so Hochgürtel.

Das Bonner SPD-Urgestein Esser war in Bad Münstereifel geboren worden und aufgewachsen. Als der dortige Bürgermeister seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit verkündet hatte, hatte Rechtsanwalt Esser seine Kandidatur bekanntgegeben. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Die SPD trauert auch auf Landesebene. "Werner Esser war ein großartiger Mensch, ein Kümmerer und ein Kämpfer für die Werte der Sozialdemokratie. Wir vermissen ihn in unserer Mitte und sind in Gedanken bei seiner Familie und seinen Angehörigen", heißt es in einer Mitteilung der NRW-SPD.