Schwimmen in Bonn und der Region

Sicherheitsdienste verscheuchen ungebetene Badegäste

Am Eschmarer See haben Rettungskräfte in der Vergangenheit immer wieder für Einsätze geübt. (Archivbild)

Bonn und Region. Immer wieder ertrinken Menschen in Seen, an denen das Baden ausdrücklich verboten ist. Doch die Hitze treibt ungebetene Gäste auch an verbotene Gewässer in Bonn und der Region. Mancherorts sollen Sicherheitsdienste dies unterbinden.

In blaugrünen Tönen schimmert das von Bäumen gesäumte Wasser des Eschmarer Sees in Troisdorf, der sich l-förmig in die sattgrüne Landschaft der angrenzenden Felder schmiegt. Vor wenigen Jahren suchten hier an heißen Sommertagen bis zu 300 Menschen nach Abkühlung - trotz striktem Badeverbot in dem Baggersee. Heute patrouilliert ein privater Wachdienst mit Hunden auf dem Privatgelände einer Kiesgrube. Badegäste verirren sich seither nicht mehr dorthin.

"Seitdem der Wachdienst im Einsatz ist, halten sich die Leute an das Verbot", sagt der Kies-Unternehmer Franz Limbach. Das Schwimmen dort sei lebensgefährlich, auch weil kalte Grundwasserströmungen die Schwimmer überraschen und zu Kreislaufzusammenbrüchen führen könnten. Zwei Badeunfälle hatten sich in den vergangenen Jahren ereignet. Ein Mann blieb nach einem Sprung in flaches Wasser querschnittsgelähmt. Wer sich trotzdem ins Wasser traut und erwischt wird, dem droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Doch die Abschreckung durch private Sicherheitsleute funktioniert laut Limbach gut, die Kontrollen hätten sich inzwischen herumgesprochen. Auch an anderen Baggerseen gehen private Unternehmer dazu über, Eindringlinge mit Hilfe von Wachdiensten fernzuhalten. Im nordrhein-westfälischen Wülfrath hat der Sicherheitsdienst bereits 47 Mal Strafanzeige gestellt.

Ordnungsdienste kontrollieren Badeverbote an öffentlichen Gewässern

Badeverbote, die ignoriert werden, sind ein weit verbreitetes Problem für Städte, Gemeinden und Privateigentümer. Wenn die Temperaturen steigen, zieht es die Menschen ans Wasser. Freibäder sind oft überfüllt und Baggerseen eine verlockende Alternative. Oft dienen Verbote dem Umweltschutz wie etwa am Sieglarer See. "Dort gibt es viele Brutstätten für Vögel, die ihre Nester bauen und nicht gestört werden dürfen", sagt Stadtsprecher Peter Sonnet. Der Ordnungsdienst kontrolliere den See in unregelmäßigen Abständen. Wer sich nicht an das Badeverbot hält, riskiert ein Bußgeld. Badeverbote gelten auch an vielen anderen Gewässern im Rhein-Sieg-Kreis, etwa in Niederkassel am Mondorfer und am Stockemer See, in Bornheim am Herseler See und am Allner See in Hennef.

Für Bonn gelten Badeverbote insbesondere für die Siegmündung, für den Dornheckensee, den Blauen See sowie den Märchensee im Ennert bei Oberkassel, die alle unter Naturschutz stehen. Streng untersagt ist Baden auch im Kottenforst, in dem einige Weiher liegen. "Gerade im Bereich der Siegmündung wird an warmen Tagen das Badeverbot an vielen Stellen missachtet", so ein Sprecher der Stadt. An vielen Stellen werde unerlaubterweise campiert. Bedrohte Tierarten wie der Eisvogel würden durch Badende erheblich gestört.

Auch das Badeverbot am Dornheckensee wird laut Stadt regelmäßig nicht beachtet, obwohl dieser als gefährlich gilt: Der fast zweieinhalb Hektar große Dornheckensee wird im Osten durch eine 40 Meter hohe Felswand begrenzt, von der sich immer wieder einzelne Brocken lösen. Größere Felsstücke, die in den See stürzen, können Flutwellen verursachen, die selbst guten Schwimmern gefährlich werden können. Wer sich in Bonn nicht an das Badeverbot hält, dem droht ein Verwarngeld von 25 Euro. Laut Sprecher verzichte der Ordnungsdienst allerding bislang darauf und belasse es dabei, die Badenden auf das Verbot hinzuweisen und wegzuschicken.

Immer wieder sterben Menschen in Baggerseen

Trotz der lebensgefährlichen Risiken scheuen viele nicht den Sprung in Baggerseen oder andere Gewässer, in denen das Baden ausdrücklich verboten ist. Immer wieder kommen dabei Menschen ums Leben. Im April ist etwa ein 18-Jähriger in Neuss in einem Baggersee ertrunken. Im Kaarster bei Mönchengladbach kamen in diesem Sommer bereits ein Vier- und ein 19-Jähriger ums Leben. In fast jeder Stadt mit entsprechenden Seen sind in den vergangenen Jahren Menschen ertrunken. Auch in der Bonner Region ereigneten sich in der Vergangenheit tödliche Badeunfälle. Vor knapp drei Jahren starb etwa ein 19-Jähriger aus Hennef bei einem Badeunfall im Allner See - im September desselben Jahres entdeckte ein Angler eine Leiche am Rotter See in Troisdorf. Bei dem Toten handelte es sich um einen 35-jährigen Troisdorfer, die Polizei vermutete einen Badeunfall.

Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft sind im vergangenen Jahr bundesweit insgesamt 404 Menschen ertrunken, darunter 137 in Seen oder Teichen. In wie vielen davon das Schwimmen verboten gewesen ist, kann die DLRG jedoch nicht sagen. „Bei Baggerseen stellen aber insbesondere die hohen Abbruchkanten eine besondere Gefahr dar“, erklärt eine Sprecherin. „Es kann daher schnell passieren, dass der weiche Sand an den Kanten nachgibt und in großen Massen in den Baggersee rutscht und dabei die Schwimmer unter sich begräbt“, sagt sie.

Auch die zum Teil sehr unterschiedlichen Wassertemperaturen mit plötzlich eiskalten Stellen könnten Schwimmer in Gefahr bringen. In Baggerseen liegen zudem oftmals alte Maschinen oder Fördereinrichtungen unter Wasser. Dort könnten sich laut DLRG Strudel bilden und die Schwimmer unter Wasser ziehen. Außerdem seien Baggerseen im Notfall für die alarmierten Rettungskräfte häufig nur schwer zu erreichen, weil diese sehr schwer zugänglich seien. „Generell gilt: Wo Schwimmen ausdrücklich verboten ist und es keine Aufsicht gibt, sollte man es auch unterlassen“, betont sie. Die Gefahr, dort zu ertrinken sei um ein Vielfaches höher, als an von Rettungsschwimmern bewachten Badestellen.