Kerosin-See

Shell nimmt zweiten Brunnen in Betrieb

WESSELING.  Seit Juli dieses Jahres hat die Firma Shell etwa 100.000 Liter des unterirdischen Kerosin-Sees, der durch eine defekte Leitung im Februar entstanden war, abgepumpt. Doch damit ist die Arbeit längst nicht getan. Immer noch liegen etwa 900 000 Liter Kerosin etwa sieben Meter unter der Erde auf der Grundwasserschicht.
Neben der Ahrstraße in Wesseling liegt der zweite Sanierungsbrunnen, den Shell jetzt in Betrieb genommen hat. Foto: Hans-Peter Fuss

Die Gesamtfläche des Sees beträgt etwa 4,2 Hektar. Weil diese Menge nicht über einen einzigen Brunnen abzupumpen ist, hat Shell jetzt einen zweiten Brunnen in Betrieb genommen. Beaufsichtigt wird die gesamte Sanierung von der Bezirksregierung Köln.

Der zweite Brunnen funktioniert so: In 23 Metern Tiefe wird Grundwasser abgepumpt. So entsteht eine Senke, in die das Kerosin nachsickert. Aus dieser Senke wird es an die Oberfläche abgeführt. Der Brunnen liegt jenseits des Shell-Werksgeländes an der Ahrstraße auf Grund der Stadt Wesseling. Wie der Leiter des Sanierungsprojekts, Uwe Duckwitz, gestern erläuterte, soll die Pumpe bis zu 70 Kubikmeter Wasser und einen Kubikmeter Kerosin pro Stunde zu Tage fördern.

Diese Pumpleistung werde aber zurzeit nicht erreicht, weil das Hochwasser des Rheins den Grundwasserspiegel anhebt. Das wiederum hat zur Folge, dass sich nur noch ein dünner Saum Kerosin auf der Grundwasserschicht befindet. Wenn der Grundwasserspiegel wieder fällt, so Duckwitz, werde sich auch wieder mehr Kerosin in dem Brunnen sammeln.

Momentan gebe es an den 29 Messstellen keine Hinweise darauf, dass das Kerosin sich verschiebe. Das abgepumpte Grundwasser wird im Werk als Kühlwasser verwendet, das Kerosin kehrt dorthin zurück, wo es hergekommen ist: in den Produktionsprozess. Im Unterschied zum ersten Brunnen wurde der zweite in Tiefbauweise errichtet.

Der Betonkasten ist 2,80 Meter tief und schließt ebenerdig ab. "Das haben wir hauptsächlich gemacht, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen", so Duckwitz. Die Fläche über der Brunnenkammer kann demnächst bepflanzt werden. Die Bäume an der Baustelle wurden durch Bretterverschläge geschützt. Dennoch mussten zwei Pappeln gefällt werden, die aber durch Bergahorn ersetzt werden.

Zu den Brunnen, die jetzt in Betrieb sind, kommen Mitte und Ende Januar zwei weitere hinzu, mit denen der unterirdische See weiter abgepumpt werden soll. Zu diesen Maßnahmen hatte die Bezirksregierung Köln Shell verpflichtet. Unternehmenssprecher Constantin von Hoensbroech betonte gestern, dass alle Schritte je nach Zuständigkeit eng mit der Stadt Wesseling, der Bezirksregierung und dem Land abgestimmt seien.

Er könne keine exakte Prognose abgeben, wann der Kerosinsee komplett abgepumpt sei, sagte von Hoensbroech weiter. Es werde aber sicherlich mehrere Jahre dauern.

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