Schritt für Schritt zum neuen Laagshof

<b>Neue Eigentümer:</b>
Carmen und John Weiss sind in ihr "Märchenland", den Laagshof, eingezogen. Sie wollen Schritt für Schritt Renovierungen vornehmen und Reiter zurückholen.

<b>Neue Eigentümer:</b> Carmen und John Weiss sind in ihr "Märchenland", den Laagshof, eingezogen. Sie wollen Schritt für Schritt Renovierungen vornehmen und Reiter zurückholen.

John und Carmen Weiss wollen Reiter auf das traditionsreiche Ittenbacher Gehöft zurücklocken - Die achtköpfige Familie genießt ihr neues Zuhause, muss aber kräftig renovieren - Pläne für Stall und Gaststätte

Ittenbach. "Man sollte einen Menschen nicht verurteilen, ohne ihn zu kennen. Ein Mensch bleibt immer ein Mensch", sagt John Weiss zu Spekulationen über ihn und den Ittenbacher Laagshof. "Wir wollen hier mit unseren Kindern alt werden", beteuern der neue Hofeigentümer und seine Frau Carmen. Im vergangenen Sommer hatte John Weiss bei einer öffentlichen Versteigerung in Berlin den Zuschlag für das Anwesen erhalten.

Dass sein "Märchenland" noch im Dornröschenschlaf liegt, macht dem Ehepaar nichts aus, sie sind sehr glücklich über ihre Erwerbung, in die sie soeben mit ihren sechs Kindern eingezogen sind: "Für uns ist es ein Märchen, auch so, wie es jetzt aussieht."

Dass der Renovierungsstau hoch ist, Strom- und Wasserleitungen und vieles mehr im Argen liegen, ist ihnen bewusst. Als erstes sollen die Pferdeställe drankommen, dann Gastronomie und Wohnungen. Aber zuerst die Boxen, denn das Ziel lautet "Einsteller zurückzugewinnen - neue wie alte". Dass dann auch ein kompetenter Pferdeexperte und Reitlehrer an den Hof gehört, ist Weiss ebenfalls klar. Ein Atelier mit Antiquitäten und Kunst sieht der 39-Jährige ebenfalls schon vor seinem geistigen Auge unter den alten Linden. Alle Neuerungen sollen mit Augenmaß, Schritt für Schritt, geschehen.

Weiss liebt blumige Umschreibungen: "Der Kölner Dom ist bis heute nicht fertig, aber wir werden fertig", verspricht er. Der neue Laagshof-Besitzer sprüht vor Ideen und vermittelt die feste Überzeugung, das "Wahrzeichen von Ittenbach" wieder zur Blüte führen zu können. Er möchte viele Pferdesportler, die ihrem geliebten Reitsportzentrum im Dezember enttäuscht den Rücken gewandt haben ( der GA berichtete), zurückgewinnen.

Er ist optimistisch, dass dies gelingt, sobald die Reiter sehen, dass er seinen Worten Taten folgen lässt. Er habe nichts getan, um die Weiterführung des Sportzentrums zu sichern, hatten ihm die Reiter im Dezember vorgeworfen. Weiss erwidert, er habe sich bis zuletzt darauf verlassen, dass die alten Hofpächter weitermachten.

Sieben Jahre hatte der Antiquitäten-, Kunst-und Teppichhändler mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus in Neuss gelebt. Doch es zog sie schon immer in die Natur und im vom Land NRW offerierten Laagshof fanden sie ihr Traumobjekt. Zurzeit hält allerdings der Winter den Hof und die umgebende Natur fest in seiner Hand: Die Voliere an der Hofeinfahrt ist verwaist, die Linden stehen kahl. Nirgends mehr Hufgeklapper, alle Ställe stehen leer. Die Hindernisse auf dem Reitplatz sind ebenso spurlos verschwunden wie Traktoren und Dreschmaschinen - und Gaststätten-Inventar.

Dafür sind seit Anfang Januar die Eltern Weiss und ihre sechs Sprösslinge zwischen eineinhalb und 14 Jahren samt Chihuahua, Yorkshire Terrier und Rehpinscher da. Ihre Wohnung ist frisch gestrichen. John und Carmen Weiss schauen nach vorne, wollen beweisen, dass sie Gutes mit dem Hof im Sinn haben, in Frieden mit den Nachbarn leben wollen. Ihre Freunde Lisa Strömer und das Ehepaar Christiane und Thomas Lemcke bestärken sie in ihren Plänen. Die drei sind die einzigen, die von der alten Reitergemeinschaft geblieben sind. Lemckes wohnen als Mieter seit zwei Jahren im Laagshof.

Lisa Strömer kennt das Gehöft wie ihre Westentasche, kein Wunder nach 16 Jahren. So lange ist die Wirtschafterin schon die "Lisa vom Laagshof" - und bleibt es bei Familie Weiss. Sie wird Gaststube und Theke betreuen, sobald diese eingerichtet sind. Auch eine Küche soll wieder installiert, das Kaminzimmer möbliert werden. Rheinisch-bürgerliche Spezialitäten ebenso wie Leckeres aus der Küche der Sinti und Roma - wie etwa Gemüsesuppe mit Klößen und Fleisch - wollen Carmen Weiss und Lisa Strömer zubereiten und den Gästen auftischen.

Die gebürtige Neusserin ist Sinta, ihr in Ludwigshafen geborener Ehemann Roma. "Wir sind keine Ausländer, wir haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Mein Land ist Deutschland", unterstreicht Carmen Weiss. Ihre sechs Kinder sollen allerdings die Wurzeln nicht vergessen, sie wachsen viersprachig auf, lernen Romanes, die Roma-Sprache, Sintiza, die Sprache der Sinti, sowie Deutsch und Polnisch.

Nesthäkchen ist der eineinhalbjährige Jean Baptiste. Die 14- und die zwölfjährige Tochter sowie der zehn- und der achtjährige Sohn gehen in Oberpleis und Ittenbach zur Schule, haben schon erste Freundschaften geschlossen, berichten aber auch von Konfrontationen: Wegen ihrer Abstammung und weil "ihretwegen" das Reitsportzentrum geschlossen worden sei, sei sie übel beschimpft worden, beklagt die zwölfjährige Stefanie.

Alle hoffen, dass diese Konflikte sich legen. Christiane Lemcke wünscht, dass ihre Norwegerstute "Mausespeck", die sie in einen anderen Reitstall geben musste - ein Pferd kann nicht alleine bleiben - bald wieder zum Laagshof zurückkehren kann. Der Eigentümerwechsel hat viele Wunden gerissen. Wehmütig haben die Reiter im Dezember die letzte Quadrille geritten. Die Wunden sollen nach Beteuerung des neuen Hausherrn verheilen und wo früher ein Pfau einherspazierte, sollen im Sommer Küken und ein Hängebauchschwein die Idylle komplettieren.