Schaute: Von einer traurigen Figur

Totgesagte leben länger. Wurde der Schaute oder auch Schautemann in der Mitte des letzten Jahrhunderts in Köln nur noch ganz selten gesichtet, scheint er heute in der Bonner Region immer noch ein quicklebendiges Leben zu führen, sonst wäre er ja hier nicht vorgeschlagen worden.

Der Schaute ist entweder ein Witzbold, ein Einfaltspinsel oder ein Mensch, der irgendwie eine traurige Figur abgibt. Allerdings muss man bei ihm auch auf der Hut sein, denn manchmal stellt er sich nur dumm.

Schaute ist kein exklusiv rheinisches Wort, es ist streng genommen noch nicht mal ein Mundartwort. Es ist im frühen 18. Jahrhundert aus dem Rotwelschen, der deutschen Gaunersprache, in die Dialekte gewandert und dort heimisch geworden. Seine Wurzeln liegen im Hebräischen und Jiddischen, dort ist "schote" ebenfalls ein Narr oder tumber Tor.

Wir kennen das Wort auch aus der allgemeinen Umgangssprache. Wenn da einer Schoten erzählt, handelt es sich um erfundene und närrische Geschichten, die man nicht glauben darf.

Info

In der Serie "Sprechen Sie Rheinisch?!" erläutern Sprachwissenschaftler des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte drei Mal wöchentlich die Herkunft und Bedeutung interessanter rheinischer Begriffe. Haben auch Sie ein Lieblingswort, dann mailen Sie uns unter rheinisch@ga-bonn.de.