Sanierung am Uedorfer Rheinufer: Anlieger wollen klagen

Lange haben die Anlieger des Leinpfads am Rhein darauf gewartet, dass die Sanierung der Rheinuferböschung beginnen, jetzt sind die Vorarbeiten dafür abgeschlossen. Doch mit dem Beginn der eigentlichen Sanierung ist der Streit um das Projekt noch nicht beendet.

Bornheim-Uedorf/Widdig. Es geht los. Lange haben die Anlieger des Leinpfads am Rhein darauf gewartet, dass die Sanierung der Rheinuferböschung beginnen würde, jetzt sind die Vorarbeiten dafür abgeschlossen. Doch mit dem Beginn der eigentlichen Sanierung ist der Streit um das Projekt noch nicht beendet.

Im Gegenteil. Für Marietta Horton steht jetzt fest, dass sich die Beteiligten vor Gericht wiedersehen werden. Denn die Uedorferin ist als Sprecherin einer Eigentümergemeinschaft überzeugt, dass am Rhein gerade Fehler gemacht werden. Teure Fehler: "Das wäre alles viel günstiger möglich", sagt sie.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln (WSA) als ausführende Behörde hat von der Böschung alle Pflanzen, insbesondere die Bäume entfernen lassen, damit Bagger dort Wasserbaupflaster in den Boden einlassen können. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro. Bedeckt von einer Schicht Mutterboden und flachem Bewuchs sollen die schweren Steine Hochwasser und Wellenschlag standhalten. Zumindest für eine Weile.

Bei der Sanierung handele es sich um ein Provisorium, stellt Bornheims Technischer Beigeordneter Manfred Schier fest. "Es stellt sich die Frage, wie lange sich der nun bald hergestellte Zustand durch intensive Pflege erhalten lässt." Je nach dem müssten zusätzlich Spundwände her, in den Boden gehämmerte Metallplatten. Für etwa zehn Millionen Euro.

Für Marietta Horton sind das alles Fehlplanungen. Im Auftrag der Eigentümergemeinschaft, in der sich etwa 25 Betroffene zusammengeschlossen haben, hat sich der Biologe Alfons Henrichfreise mit dem Ufer befasst. Nach seiner Einschätzung könnte ein glatter Hang mit Gras und tief wurzelnden Kräutern ebenso haltbar sein.

"Das funktioniert auch bei den Deichen am Meer", argumentiert Horton. Seit 40 Jahren wohnt sie in Uedorf mit Blick auf den Rhein. Ein Stück der Böschung gehört ihr. "Doch pflegen durften wir den Hang in den letzten Jahren nicht mehr", sagt sie. Sonst drohten Anzeigen wegen Verletzung des Landschaftsschutzes.

Dass dieser Schutz mit dem Verfall der Böschung einherging, hat Marietta Horton nie eingeleuchtet. "Das hat mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun." Seit zehn Jahren sei in den Rheinorten über die Sanierung des Hangs diskutiert worden. "Jetzt plötzlich sehen die Behörden, dass es so nicht geht", sagt sie.

Die Uedorfer und die Widdiger, die von dem Umbau auf etwa einem Kilometer Uferstreifen betroffen sind, seien Anfang des Jahres regelrecht überfahren worden mit der Ankündigung, dass die Sanierung jetzt gemacht werden müsse. "Wir sind keine Nörgler. Wir wollen gerne helfen, aber so geht das einfach nicht", sagt Marietta Horton entrüstet.

Schier hält dagegen: Es sei geradezu "fahrlässig", den Rheinuferschutz zu vernachlässigen, um eine billigere - und schlechtere - Lösung zu wählen. Der Meinung des Biologen Henrichfreise hält er die Erfahrung der Fachleute von zwei verschiedenen Wasserbauinstituten entgegen, die sich seit Jahrzehnten mit der Sicherung von Flussufern befassen.

Auch WSV-Projektleiter Rolf Schumacher hatte auf Grasböschungen am Bad-Godesberger Ufer verwiesen, die nur schlecht hielten. Schier verweist außerdem über den Rhein nach Mehlem, wo Teile des Ufers wegen mangelhafter Befestigung dem Druck des Rheins nachgegeben hatten. In Uedorf und Widdig sind einige Anlieger dennoch anderer Ansicht und haben daher ihr Einverständnis verweigert, die Bautrupps ihr Grundstück betreten zu lassen.

Dies hat die Bezirksregierung mit einer Betretungsverfügung nun rechtlich durchgesetzt. Auf die Möglichkeit, dagegen wiederum Einspruch einzulegen, hat die Eigentümergemeinschaft verzichtet. "Wir setzten jetzt auf das Hauptverfahren, in dem wir uns gute Chancen ausrechnen, Recht zu bekommen", sagt Marietta Horton.

In diesem Fall würden die Eigentümer darauf bestehen, statt der Steine die Grashang-Variante gebaut zu bekommen. "Aber diese Verschwendung von Steuergeldern hätten wir uns gerne erspart." "Es ist in jedem Fall gut, dass die Arbeiten jetzt beginnen", sagt der Technische Beigeordnete Manfred Schier. Denn bislang ist ungeklärt, wer die Kosten tragen wird.

Mehrere Gutachten stehen einander gegenüber. Kommune, Land und Bund haben sich daher im Oktober 2009 geeinigt, dass Handlungsdruck besteht und die Frage der Rechnung erst später geklärt werden soll - eventuell vor Gericht. Die Bezirksregierung rechnet mit dem Abschluss der provisorischen Sanierung im Frühjahr 2011.