Roter Adlerorden von Kaiser Wilhelm II.

Vor 150 Jahren wurde Anton Dengler geboren - Als Godesberger Bürgermeister machte er aus mehreren Dörfern eine respektable Badestadt

Bad Godesberg. "Er hat Godesberg ein gutes Stück vorwärts gebracht", bestätigten die Godesberger ihrem Bürgermeister Anton Dengler, wobei dieser zuweilen ein Tempo vorlegte, das kaum in die "gute alte Zeit" passte. Wie kam der gestandene Bayer, der vor 150 Jahren, am 17. Januar 1852, in Osterhofen geboren wurde, an den Rhein und an die Spitze der Gemeinde Godesberg?

Dengler hatte zunächst die Offizierslaufbahn eingeschlagen und den Krieg 1870/71 und die Belagerung von Paris mitgemacht. Das hatte dem Leutnant die Kaiser Wilhelm-Medaille eingetragen. Doch dann entschied sich Dengler für die Verwaltungslaufbahn, und wir finden ihn in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Verwaltungsvolontär in der Gemeinde Poppelsdorf, 1880 als Bürgermeister der Vorgebirgsgemeinde Waldorf. Der Ruf einer besonderen Tüchtigkeit ging ihm wohl voraus; denn am 31. August 1888 wurde er in der Gemeindeversammlung einstimmig zum Bürgermeister von Godesberg gewählt.

Die Stadtgeschichte schreibt über ihn: "Er hat Godesberg geprägt, aus mehreren Dörfern einen ansehnlichen Badeort mit durchaus städtischem Charakter gemacht, der sich hinsichtlich seiner Leistungen für die Bürger kaum von einer Stadt wie Bonn unterschied. Er war ein energischer, auf schnelle Erfolge drängender Verwaltungschef. Die Gemeinde Godesberg dankte ihm, indem sie schon zu seinen Lebzeiten eine Straße nach ihm benannte".

Entscheidend für die Entwicklung von Godesberg zur Badestadt war Denglers Entschluss, sich für die Bebauungspläne den bedeutenden Städteplaner Joseph Stübben zu sichern, der vor allem für die Gestaltung des Villenviertels zuständig war. Die Gestaltung des Rheinufers mit Dampfschiffbrücke an der Bastei und des Panoramaparks setzte Dengler nicht ohne erhebliche Auseinandersetzungen mit den Anliegern durch.

Auch den Kurpark ließ er nach dem Erwerb privater Gärten anlegen. An der Südseite des Parks, im Eckhaus Koblenzer/Ludwigstraße (heute Friedrich Ebert-Straße) lag das elegante Wohnhaus des Bürgermeisters. In seine Zeit fällt auch der Bau des Bahnhofs im Jugendstil und die Verbindung mit Bonn durch die Dampfstraßenbahn 1891. Sie wurde 1911 durch die elektrische Bahn ersetzt.

Insgesamt hat Dengler eine Bauzoneneinteilung nach Industrie-, Wohnhaus-und Landhausbezirken erstellt, Straßen- und Kanalbau vorangetrieben und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass "alle Zweige des Handels durch aufblühende Geschäfte vertreten waren".

Zwar hatte der überaus aktive und zielbewusste Bürgermeister auch viel Kritik von Bürgern und Vorgesetzten einzustecken, die weniger fortschrittsorientiert waren als er. Aber anlässlich seines 25-jährigen Amtsjubiläums bestätigten ihm die Godesberger mit Fackelzug und großem Fest sowie Kaiser Wilhelm II. mit dem Roten Adlerorden ein gelungenes Lebenswerk.

Dengler starb 62-jährig nach langer Krankheit am 25. September 1914, nachdem er schon in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs seinen einzigen Sohn verloren hatte. Heute um 16.30 Uhr wird Bezirksvorsteher Christoph Brüse am Grab von Anton Dengler auf dem Burgfriedhof eine Blumenschale aufstellen.