Rollbützchen auf der Fifth Avenue

Circus Comicus ist offiziell eingeladen zur Teilnahme an der "Steuben-Parade" in New York - Amerikanische Organisatoren erwarten rund 30 000 Teilnehmer und eine Million Zuschauer im "Big Apple"

Bad Honnef. Von Bad Honnef nach New York - was klingt wie der Titel eines Auswanderer-Berichtes, datiert etwa auf Ende des 19. Jahrhunderts, das könnte für Aktive des Circus Comicus im September Realität werden. Und dann jede Menge Stoff liefern zumindest für einen einzigartigen Reise-Bericht: Die Clowns sind eingeladen zur Teilnahme an der "Steuben-Parade" in New York.

Comicus-Rollbützchen auf der Fifth Avenue? Ein Traum, der in greifbare Nähe rückt: "Das ist einfach toll", kommentiert Joachim Rings, Vorsitzender der Truppe mit gut 520 Mitgliedern, spontan den Brief aus "Big Apple".

Der hatte den Vorstand der Clowns, deren aktivste Mitglieder gerade Werkzeug und Pinsel schwingen, um die Traktoren für die närrischen Umzüge fit zu machen und die Dekorationen zu gestalten, sozusagen kalt erwischt. "Beworben haben wird uns nicht," sagt Liliane Ollinger-Höffken.

Die Comicus-Geschäftsführerin staunte nicht schlecht, als sie in den Briefkasten schaute: Ein schmaler, prall gefüllter Umschlag, Poststempel 3. Januar. Der Absender lautet: "The German-American Steuben Parade", P.O. Box 3386, Church Street Station, 10008 New York City (NYC).

Das Rätseln begann: Woher die unverhoffte Einladung? Für Aufklärung sorgt Stephanie Messing, im Team der Parade zuständig für die bis zu 50 Gruppen, die aus "good old Germany" erwartet werden. "Bisher war es so, dass sich die Vereine selbst beworben haben", erklärt sie im Telefonat mit dem General-Anzeiger. Aber, so die Deutsche, die seit zehn Jahren in New York lebt und - wie übrigens alle Mitstreiter der größten Parade ihrer Art - ehrenamtlich im Team tätig ist: "Aus Anlass der 50. Parade wurden die Abgeordneten des Deutschen Bundestages um Empfehlungen gebeten."

Und siehe da: "Unter den zahlreichen Vereinen, die im Sommer an der 50. German-American Steuben Parade teilnehmen wollen, wurde der Circus Comicus ausgewählt. Wir laden Sie herzlich ein, am Samstag, 15. September 2007, mit uns auf der weltberühmten Fifth Avenue die deutsch-amerikanische Freundschaft zu feiern. Dieser Brief ist eine verbindliche Einladung", so der Wortlaut des Schreibens, das von Lars Halter, 2007 General Chairman des Parade-Komitees, unterzeichnet ist.

Bilder drängen sich auf, die seit 1957 regelmäßig um die Welt gehen, etwa von Menschenmassen zwischen 63. und 86. Straße. Die Dimensionen verdeutlicht Messing: "Jedes Jahr nehmen 400 Gruppen alleine aus New York teil. Das Programmheft nur mit der Aufstellung hat 35 Seiten." Messing schätzt, dass wieder gut 30 000 Aktive durch New York City ziehen werden. Ein zünftiges Oktoberfest - wohl deutscheste aller deutschen Assoziationen - schließt sich an, dazu Picknicks im Central Park. So wird fast eine Woche gefeiert.

"Big Apple, wir kommen" - bevor es soweit ist, gilt es für die Clowns noch viel zu klären. Närrisch teils, durchaus: "Wir sollen in der Anmeldung angeben, ob wir eine Folklore-, eine Tanz- oder eine Musikgruppe sind. Wir haben uns für eine folkloristische Musik-Tanz-Gruppe entschieden", sagt Ollinger-Höffken.

Wichtigste Frage: die Finanzierung. Die Mitglieder müssten die Reise aus eigener Tasche zahlen. "20 bis 30 Clowns, das wäre eine schöne Gruppe", sagt Rings. Und die "kriegen wir sicher zusammen". Plus Maskottchen Hoppeditz, versteht sich. Zusätzlicher Hoffnungsschimmer, wer weiß: Jetzt startet die Sponsorensuche.

Hilfe gibt`s aus Amerika, und Messing selbst macht die Erfahrung, "dass das in Deutschland gerne unterstützt wird"; das Komitee selbst kann aber keine Zuschüsse geben. Deshalb liegt dem Anmeldeformular, das verbindlich bis zum 11. April in New York eingetrudelt sein muss, ein Bestätigungsschreiben bei: "Die Teilnahme fördert den kulturellen Austausch und die deutsch-amerikanische Freundschaft." Keine Chance gibt es wohl für viel "Beiwerk", schon gar nicht für Fahrzeuge, sagt Rings.

Macht nichts. Schließlich sind die Clowns auch als Fußgruppe Hingucker und Stimmungsmacher, mancher Aktive schwört gar gerade auf den engen Publikumskontakt. Da kommt diese Regelung den Jecken entgegen. Messing: "Bonbons dürfen bei uns auf keinen Fall geworfen, nur überreicht werden." Na bitte!

Und das ein oder andere rote Näschen gibt`s von den Clowns sicher dazu. Wie dereinst bei der Teilnahme am Kölner Rosenmontagszug, ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte - wie alle Zugteilnahmen, betont Rings: "Schließlich sind wir hier zu Hause, lieben die Züge." Trotzdem: "New York wäre ein Erlebnis, dass man nie wieder vergisst."

Messing jedenfalls drückt die Daumen: "Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele verschiedene Facetten in der Parade vertreten sind. Dazu gehört auch der Circus Comicus." Und: "Wir freuen uns darauf, den Circus Comicus im September in New York begrüßen zu können."