LVR-Sprachwissenschaftler erklären Herkunft und Bedeutung der Begriffe

Rheinische Lieblingsworte sind der Renner

Mundart ist eine Frage des Gefühls, das hatten wir zum Start unserer Serie "Sprechen Sie Rheinisch?!" postuliert. Und die Reaktionen der Leser gaben uns recht. Denn sie bestätigten, dass unser Dialekt zwischen den Zeilen ausdrücken kann, was das Hochdeutsche nur schwer vermag.

Für viele rheinische Begriffe gibt es schlicht keine adäquate Übersetzung. Manche sind lautmalerisch, manche überzeichnend, aber alle sind Ausdruck von gelungener Herzensbildung, auch und gerade, wenn jemand freundlich, aber bestimmt auf die Schippe genommen wird.

Das Echo auf unseren Aufruf, uns rheinische Lieblingsworte zu schicken, war und ist riesig. Rund 200 Zuschriften per Mail und auf dem Postweg erreichten den General-Anzeiger bislang.

Mancher Leser nahm den Arbeitsauftrag wörtlich und schickte genau einen Vorschlag. Andere senden seit dem Serienstart beinahe jeden Tag ein Lieblingswort. So etwa Ferdi Theisen aus Wachtberg. Andere verfassten gleich lange Listen. Wir haben daraufhin ein Glossar angelegt, das ständig erweitert wird. Die Begriffe legen wir unseren fachkompetenten Partnern vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), den rheinischen Sprachforschern Georg Cornelissen und Peter Honnen, vor. Und so gibt es mehrmals wöchentlich eine Bedeutungs- und Herkunftserklärung zu besonders schönen Ausdrücken des rheinischen Alltags- und Seelenlebens. Gleich unser erstes Lieblingswort führte zu heftigen Reaktionen. Viele, die des Rheinischen mächtig sind, hatten das Wort "Nöttelefönes" - jemand der ständig nörgelt - noch nie gehört. Anderen war der Begriff dagegen durchaus geläufig, er wurde auch mehrfach von den Einsendern genannt.

Die Rückmeldung unserer LVR-Sprachforscher: "Wir sind froh über jede Reaktion der Leser, weil wir selbst daraus lernen und wichtige Hinweise erhalten", sagte Georg Cornelissen. Gefühlt am häufigsten aufgezeichnet wurden die Fiesematenten, wie auch immer sie geschrieben waren. Halfjehang scheint auch in praktisch jedem Haushalt bekannt zu sein. Knieskopp - also der Übersparsame - ist ebenfalls im Alltagssprachgebrauch verankert. Dass der Dialekt manchmal unter die Gürtellinie geht, zeigen die zahlreichen Hinweise auf "Föttjesföhler". Die passende Erklärung einer älteren Dame aus Swisttal: Ein Mann, der die Hände nicht unter Kontrolle hat. Der Betreiber einer Druckerei schickte uns rheinische Telefonnotizzettel mit Punkten wie "Hamme op de Stätz jetrodde" (Haben wir verärgert).

Auch die rheinische Deklination von Namen hat uns erreicht: Billa für Sybille, Tring für Katharina und et Drees für Therese. Eine Leserin schickte uns einen alten Zeitungsausschnitt mit einer Anekdote aus der Inflationszeit 1923, als die Überquerung der Beueler Rheinbrücke (heute Kennedybrücke) 20 000 Mark kostete. Und eine rheinische Fassung des Philipperbriefes des Apostel Paulus erweiterte auch noch unseren Horizont.

Viele Leser schilderten, wie sie die rheinische Sprache in ihrer Kindheit und Jugend lernten. Dabei haben einige den Dialekt sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgesogen, viele hingegen haben sie später, quasi als erste Fremdsprache erlernt.

So, wie Bodo Schroeder aus Wachtberg: "Als 15-jähriger Schüler habe ich mein ersehntes Moped in der Weck-Fabrik erarbeitet. Da kamen die Dialekt sprechenden Arbeiterinnen aus allen Vorstädten Bonns zusammen. Also dürfte mein Bönnsch ein Mischmasch sein."

Der frühere Bonner SPD-Stadtverordnete Horst Naaß berichtete von seiner Mutter, die als Mehlemer Mädchen, wie er sagt, "herrliche Sprüche drauf hatte". Wenn sie sich etwas verspätete, war ihre Ausrede: "Ich han e Hellije Hüsje jetroffe" (Ich habe unterwegs ein Heiligenhäuschen getroffen). "Das bedeutete im früher tiefkatholischen Rheinland, dass dort einige Gebete gen Himmel gesendet werden mussten", so Naaß.

Per Fax erreichte uns das Gedicht von Karl-Heinz Güttes (siehe unten), der ein geläufiges Alltagsproblem auf äußerst nette und anschauliche Weise beschreibt und zugleich einen neuen Schutzheiligen ins Amt hebt.

Ein ganz besonderes Wort schickte uns Peter Görgens aus Bad Godesberg, dessen Großvater ein Malergeschäft führte und gleichzeitig handgemalte Filmplakate der Burglichtspiele anfertigte. Dessen Lieblingswort war "Sonndachsnommiddachsnohderahndaachsspillejangbotz". Übersetzt bezeichnete das die spezielle Hose, die er als Kind sonntagnachmittags nach der Andacht beim Spielen tragen durfte. Dem dürfte nicht hinzuzufügen sein.

In der GA-Serie "Sprechen Sie Rheinisch?!" erläutern Sprachwissenschaftler des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte die Herkunft und Bedeutung interessanter rheinischer Begriffe. Mailen Sie uns Ihr Lieblingswort unter rheinisch@ga-bonn.de. Mehr Infos gibt es im Netz unter www.ga-bonn.de/rheinisch