Rhein-Sieg-Kreis stellt das weltgrößte Solardachkataster vor

Wer im Kreisgebiet wissen will, ob es sich lohnt, auf dem eigenen Dach Strom zu erzeugen oder Wasser zu erwärmen, der kann sich jetzt schnell einen ersten Überblick verschaffen.

Rhein-Sieg-Kreis. Wer im Kreisgebiet wissen will, ob es sich lohnt, auf dem eigenen Dach Strom zu erzeugen oder Wasser zu erwärmen, der kann sich ganz schnell einen ersten Überblick verschaffen. Seit Donnerstag gibt es das Solardachkataster für den Rhein-Sieg-Kreis im Internet.

Und seine Urheber, Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler, sein Kollege Rolf Beyer und die Professorin Martina Klärle von der FH Frankfurt versichern: Es ist nicht nur das größte Deutschlands, sondern das größte und umfangreichste der Welt.

Das Solarkataster

353 202 Gebäude im Rhein-Sieg-Kreis sind im Solardachkataster erfasst. 35 Prozent der Dachflächen sind für Photovoltaik-Nutzung generell geeignet.

Das macht insgesamt 6,4 Quadratkilometer wirtschaftlich nutzbare Dachfläche mit einem möglichen Stromertrag von 849 674 Megawattstunden pro Jahr und eine denkbare Kohlendioxideinsparung von 485 311 Tonnen jährlich.

Das zugehörige Investitionsvolumen beträgt 3,6 Milliarden Euro. Alle Daten unter www.rhein-sieg-solar.de

353 202 Gebäude im Rhein-Sieg-Kreis sind erfasst, 122 500 davon für Photovoltaik-Anlagen geeignet. 225 000 empfehlen sich für die Installation von Brauchwassererwärmung. Und es sind besonders viele große Dächer auf Firmen und Scheunen, die sich anbieten, sodass sich 30 Prozent des gesamten Potenzials auf 1 000 Dächern wiederfinden.

Ein anderes Rechenspiel der Wirtschaftsförderer: 75 Prozent des privaten Strombedarfs ließe sich mit Energie von 19 Prozent der Dachflächen decken. Zum Vergleich: Bisher kommen 1,5 Prozent des bundesdeutschen Strombedarfs aus der Sonne.

Auch wenn es im Moment keiner so recht glauben mag: In Siegburg scheint sie ganz schön oft. 1 000 Kilowattstunden prallen jährlich auf einen Quadratmeter. Zum Vergleich: In Hamburg sind es 920, in München 1 150. Aber die deutschen Mittelwerte, die im Kreisgebiet erzielt werden, reichen nach Ansicht von Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler immer noch aus, um damit einen dicken Batzen Geld zu verdienen: 3,6 Milliarden Euro wandern in die Taschen des Handwerks, wenn alle Dächer im Kreis mit Photovoltaik-Modulen bepflastert werden, die nach wirtschaftlichen Kriterien zur Stromerzeugung nutzbar sind.

Das Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vom März 2000 regelt und fördert die Vergütung für die Einspeisung selbst erzeugten Stroms. Bestandteil des Gesetzes ist, dass die Vergütung, die derzeit bei 38 Cent pro Kilowattstunde liegt, jedes Jahr um zehn Prozent sinkt.

Wegen der stark gesunkenen Preise für Solaranlagen erwägt die Bundesregierung derzeit eine außerplanmäßige Reduzierung der Vergütung um 15 Prozent. Sie sollte im Juni erfolgen, wurde aber nun zunächst auf Oktober verschoben.

Aus bis zu vier Messpunkten pro Quadratmeter besteht das digitale Drahtgeflecht aus Daten der Geobasis NRW, auf dem die Rechnungen des Katasters basieren, wie Geodätin Klärle erläutert. Sie bildet also anders als ein Luftbild dreidimensional ab, was auf dem Boden des Kreises steht. Nicht nur die für die Sonneneinstrahlung wichtige Dachneigung ist enthalten, sondern auch Bäume und Hügel sind es.

Und auf dieser Basis hat Klärles Rechenmodell aus insgesamt zehn Milliarden Messpunkten unter anderem ermittelt, an welchem Tag wie lange ein Schatten auf jedes einzelne Dach fällt. Die Daten des Landes, die sonst für Hochwassersimulationen oder Schallberechnungen benutzt werden, waren gratis zu haben. Das Kataster hat insgesamt 100 000 Euro gekostet und wird an manchen Stellen weiter präzisiert.

Martina Klärle, die auch am jüngst vorgestellten Bonner Solarkataster mitgewirkt hat, jedenfalls arbeitet bereits an weiteren. Unter anderem für eine Stadt in Chile. Zur Freude von Tengler ist sie nicht zu groß, so dass der Kreis weiter an der Weltspitze bleibt.