Radikalkur für den Huma-Einkaufspark in Sankt Augustin

Abriss und riesiger Neubau - Hurler will 120 Millionen Euro investieren

Sankt Augustin. Die Tage des Huma-Einkaufsparkes im Sankt Augustiner Zentrum sind gezählt. Das 1977 eröffnete Shopping-Center wird abgerissen. Aber nur, um schöner, deutlich größer und mit vielseitigeren Angeboten neu zu erstehen.

"Das wird eine kleine Stadt in der Stadt, ein neues Zentrum", sagte am Donnerstag Gerhard Kanzler, Geschäftsführer der Jost-Hurler-Gruppe, in Augustin.

Rund 100 bis 120 Millionen Euro will Hurler in den kommenden Jahren investieren, um eines der größten Einkaufszentren im Rheinland entstehen zu lassen. Neben Einzelhandel und Gastronomie soll der künftige Einkaufspark auch Standort für Dienstleister sein, Angebote aus Wellness und Gesundheit bieten sowie Platz für Kulturangebote wie Konzerte und Theater haben.

Geht es nach den Plänen von Hurler, dann wird schon 2010 mit den Bauarbeiten begonnen. Rund drei Jahre, so Kanzler, veranschlagt sein Unternehmen für Abriss und Neubau. In die Planungen ist das gesamte Areal vom Rathaus, inklusive Gatzweiler-Platz, bis zur Südstraße und zur Trasse der Linie 66 einbezogen.

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Wie groß das neue Huma-Center wird, konnte Kanzler am Donnerstag noch nicht sagen. "Es gibt zwar schon viele Überlegungen in unserem Hause, aber noch keine fertigen Pläne." Zudem müssen in Verhandlungen mit der Stadt etliche Details sowie städtebauliche und planungsrechtliche Fragen geklärt werden. Außerdem muss über Grundstücke verhandelt werden, die der Stadt gehören.

Derzeit verfügt der Einkaufspark über eine Fläche von rund 42 000 Quadratmeter. Im Rathaus war zu hören, dass die neue Shopping-Meile durchaus die doppelte Fläche haben könnte. In die Planungen wird auch die Marktplatte einbezogen. Sie soll besser an das Einkaufszentrum angebunden werden und künftig häufiger für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden.

Jost Hurler (kl) Der Kaufmann Jost Hurler (1918 - 2003) gründete 1958 den ersten Selbstbedienungs-Lebensmittelladen nach amerikanischem Cash & Carry-Vorbild.
Der Laden war die Keimzelle der Handelsketten Huma und Suma, die Hurler 1987 an Metro abgab.
Fortan konzentrierte er sich auf seine Immobilien. Heute betreibt die Münchner Hurler-Gruppe ein gutes Dutzend Einkaufszentren.

Bürgermeister Klaus Schumacher schwebt offenbar so etwas wie eine Alternative zur Bonner Museumsmeile vor. "Es wäre eine tolle Sache, wenn es gelingen würde, ein Zeltdach für die Marktplatte zu bekommen", so Schumacher.

Dass man bei Hurler jetzt die Ärmel hochkrempelt und dem Huma-Park eine Radikalkur verordnen will, kommt nicht von ungefähr. "Es tut sich viel in der Region, das können wir nicht einfach so hinnehmen", sagte Kanzler in Anspielung auf die geplanten Einkaufszentren in Troisdorf und Siegburg. Wäre es nach Kanzler und Schumacher gegangen, dann hätte das Augustiner Zentrum die Radikalkur schon längst hinter sich.

Dem hatte sich allerdings der Metro-Konzern stets beharrlich widersetzt. An den hatte Huma-Gründer Jost Hurler 1987 sein komplettes Firmen-Imperium langfristig verpachtet, nachdem wenige Jahre zuvor sein Sohn und designierter Nachfolger mit der Huma-Führungsriege bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war.

Nachdem der Pachtvertrag vorzeitig beendet wurde, verwaltet Hurler seit 1. Juni den Einkaufspark wieder selbst. In den vergangenen Jahren habe sich "das Haus nicht nach vorne, sondern nach hinten entwickelt". Augustin habe jetzt den Vorrang unter allen Huma-Standorten.

Laut Kanzler werden Neubau und Abriss zeitversetzt erfolgen, so dass der Verkauf in den Geschäften möglichst ohne große Störungen weiter gehen kann. Laut Einzelhandelsgutachten wurden 2006 im Augustiner Zentrum Waren im Wert von 133 Millionen Euro umgesetzt. Im neuen Huma soll der Umsatz etwa doppelt so hoch sein.