Postwendend wieder nach Hause

Bürgermeister und Gäste berichten beim neunten Altenhilfe-Forum über ihre Lehrjahre

Schweinheim. Wenn sich Alt und Jung zusammentun, dann kann das einen informativen, aber auch amüsanten Nachmittag ergeben. So geschehen im Seniorenzentrum Heinrich Kolfhaus, wo der Träger, die evangelische Axenfeld Gesellschaft, zum inzwischen bereits neunten Godesberger Altenhilfeforum geladen hatte. Um den Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" sollte es gehen, und auf dem Podium saßen denn auch drei Lehrlinge verschiedener Generationen. Einmal Bürgermeister Horst Naaß, der in den fünfziger Jahren direkt von der "Knolleveedels-Akademie", also von der Burgschule, in die Lehre bei der Post rutschte. Von wegen Herrenjahre. "Blauer Rock und weite schwarze Hose" seien da streng vorgeschriebene Dienstkleidung gewesen.

"Die Hose haben wir uns dann zu Hause zu Röhren à la Elvis Presley eng genäht", verriet Naaß lachend. Und fügte hinzu, dass er damit vom Post-Aufsichtsbeamten postwendend wieder nach Hause gejagt worden sei. "Jung, zieh' dich erst mal manierlich an." Dario Thomas, in der Gesprächsrunde neben Naaß, dackelte in den Siebzigern auf Lehrsuche mit dem Herrn Papa zum Möbelfachgeschäft und wollte danach seine Ausbildung "bestimmt zehn Mal hinschmeißen". Der Mann ist heute stellvertretender Geschäftsführer der Abteilung Aus- und Weiterbildung in der Industrie- und Handelskammer Bonn-Rhein-Sieg. "Meist stellt sich einem ja nach der Schule der Berufsalltag ganz anders dar als vorher gedacht", konnte Thomas jetzt nur schmunzeln. Seit 20 Jahren begleitet er selbst Auszubildende in dieser schwierigen Phase.

Also etwa einen jungen Mann, wie Peter Küpper direkt neben ihm. Der hat gerade bei den Stadtwerken seine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker abgeschlossen und erzählte dem Publikum, wie ungewohnt es erst mal sei, von der Schulbank aus plötzlich achteinhalb Stunden an der Werkbank zu stehen. "Ach, ich hatte eine schöne Lehre und habe auch nie Schimpfe gekriegt", erzählte aus dem Publikum dann eine 88-jährige ehemalige Verkäuferin. Moderator Martin Blachmann, ein WDR-Journalist "mit dem Karneval in der Stimme", war mit dem Mikrophon durch die Zuhörerreihen gegangen. Ideal bei der Seniorin war natürlich gewesen, dass der Arbeitgeber in der damaligen Godesberger Bahnhofstraße gleichzeitig ein Café und das Kino betrieb. "Da konnte ich jede Woche zwei Mal in Filme gehen."

Auch ihre Sitznachbarin Johanna Weith, glatte 97 Jahre alt, konnte Blachmann Genaues über ihre Lehre zur Friseuse berichten. "Ob ich das in ihrem Alter noch wüsste?" wunderte sich der Moderator da. Was das Publikum sofort konterte. "Wir haben ja auch jeden Montag hier Gedächtnistraining."