Palastweiher in Königswinter soll als Platz erhalten bleiben

Der Platz vor dem Palastweihergebäude soll erhalten werden, die Fläche zwischen Drachenfelsstraße und Küferweg allgemeines Wohngebiet und der Bereich östlich der Winzerstraße reines Wohngebiet bleiben.

Königswinter. Der Platz vor dem Palastweihergebäude soll erhalten werden, die Fläche zwischen Drachenfelsstraße und Küferweg allgemeines Wohngebiet und der Bereich östlich der Winzerstraße reines Wohngebiet bleiben.

Die betroffenen Anwohner äußerten bei der Bürgeranhörung reichlich Kritik am Bebauungsplan 10/36 "Östliche Drachenfelsstraße/ Winzerstraße". Für die Königswinterer ist dies das Bobby- und Rheingoldgelände.

Die Situation ist schon kurios: Da hat es einen städtebaulichen Wettbewerb mit zwei Preisträgern gegeben, die absprangen, als es um die Konkretisierung der Planung ging. Sie fanden keinen Investor, um den geforderten Einzelhandelsstandort zu realisieren. Dann gab es einen Projektentwickler, der zwar einen Investor an der Hand hatte, dessen Pläne mit zwei Parkdecks jedoch bei der Politik durchfielen.

Verkehrserschließung Keine Kritik äußerten die Anwohner bei der Bürgeranhörung an der geplanten Verkehrserschließung des Bebauungsplangebietes. Der Verkehrsgutachter, der bei einer Einzelhandelsnutzung auf dem Bobby-Gelände mit bis zu 4 800 Fahrzeugen am Tag rechnet, hat einen Ringverkehr vorgeschlagen. Die Winzerstraße soll aus Richtung Siebengebirgsbrücke nur noch für Anlieger frei sein, während der übrige Verkehr über die Straße "Am Palastweiher" gelenkt wird.

Die Ausfahrt aus dem Bobby-Gelände erfolgt über die Winzerstraße. An der Kreuzung Bahnhofstraße/Winzerstraße ist ein Kreisverkehr geplant. Der Küferweg soll nach Vorstellungen des Gutachters künftig nur noch aus südlicher Richtung erschlossen werden. Die quer durch das Plangebiet verlaufende Tourismusachse Drachenfelsstraße ist dann vor allem Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

"Wir haben im Moment keine städtebauliche Planung. Es gibt kein konkretes Hochbaukonzept", berichtete Anya Geider von der Stadtverwaltung in Haus Bachem. Unbeeindruckt davon nimmt das Bebauungsplanverfahren jedoch seinen vorgeschriebenen Weg. Weil sich einige Änderungen ergeben haben und das Plangebiet um den Bereich östlich der Winzerstraße erweitert wurde, ist nach der im Jahr 2008 eine erneute Bürgerbeteiligung Pflicht.

In eine andere "Dauerbaustelle" scheint tatsächlich Bewegung zu kommen. Vor fast 40 Jahren hat die Bahn angekündigt, die Schranke auf der Drachenfelsstraße zu schließen und durch eine Fußgängerunterführung zu ersetzen. "Das Unternehmen möchte im Sommer eine Kreuzungsvereinbarung mit der Stadt abschließen", berichtete jetzt Geider.

Da die Strecke während der Bauarbeiten zeitweilig gesperrt wird und dies ein Jahr vorher beantragt werden muss, ist ein Baubeginn 2013 realistisch. Bis 2016 könnte das Bauwerk dann fertig sein. Die Baustelle soll auf dem Bobbygelände eingerichtet werden.

Dort, wo früher einmal das bekannte Tanzlokal stand, wünschen sich die Anwohner im nördlichen Bereich vor dem ehemaligen Volkswohlgebäude weiterhin eine große Platzfläche, möglichst bis zu einer Kastanienreihe als südliche Begrenzung.

Der Platz bilde schließlich zusammen mit dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude ein Gesamtensemble. Ob auf der Fläche ein Parkplatz, ein Spielplatz oder vielleicht sogar ein kleiner Park mit einem Springbrunnen entstehen - den Bürgern aus der Altstadt fielen da gleich mehrere Möglichkeiten ein.

Wann auch immer neue Gebäude oder ein ganzer Gebäudekomplex auf dem Bobby-Gelände entstehen, sie sollen nicht höher werden als die Wohnhäuser an der Winzerstraße. Einem Anwohner reichte selbst das nicht. "Ich habe dann kein Sonnenlicht mehr im Wohnzimmer", meinte er. Während First- und Traufhöhen auf dem Bobby-Gelände im Vorentwurf des Bebauungsplans festgesetzt sind, ist dies auf dem Rheingold-Gelände bisher nicht der Fall. Dies forderten jetzt jedoch die Anwohner des Küferwegs.

Sie fordern auch eine zwei- statt dreigeschossige Bebauung und wollen nicht, dass ihr Quartier von einem Wohn- in ein Kerngebiet umgewidmet wird. Damit soll nach dem Entwurf der Lage an der Tourismusachse Rechnung getragen werden, weil in einem Kerngebiet zum Beispiel Handel und Gastronomie zugelassen wären. Dies könnte jedoch auch eine Chance sein, wie der Technische Beigeordnete Hubert Kofferath betonte. "Eine solche Nutzung lässt eine andere Bewertung der Grundstücke zu", meinte er.

Verwaltungsmitarbeiter René Kotte wies darauf hin, die Fläche sei eigentlich nicht als Wohngebiet festsetzbar, weil man dort wegen des Lärms von der Eisenbahnstrecke "nicht von gesunden Wohnverhältnissen" sprechen könnte. Angesichts dessen läge auch der Lärm durch zusätzlichen Einzelhandel unter dem Relevanzkriterium von drei Dezibel. Diese Feststellung veranlasste einen Anwohner zu der lakonischen Bemerkung: "Ich wohne dort und ich lebe noch."

Bis zum 31. März können Bürger ihre Anregungen und Bedenken bei der Stadtverwaltung oder per E-Mail an stadtplanung@koenigswinter.de einreichen. Informationen: (0 22 44) 88 91 67.