Palais Schaumburg wird für alle Bürger geöffnet

<b>Der große </b>Zapfenstreich vor dem Palais Schaumburg bildete am 6. Januar 1961 den Höhepunkt der Feiern zum 85. Geburtstag von Konrad Adenauer, der die Zermonie vom mittleren Fenster aus verfolgte. Damals waren die Tore zum Palais geöffnet worden, damit die Bonner an der Feier teilnehmen konnten.

<b>Der große </b>Zapfenstreich vor dem Palais Schaumburg bildete am 6. Januar 1961 den Höhepunkt der Feiern zum 85. Geburtstag von Konrad Adenauer, der die Zermonie vom mittleren Fenster aus verfolgte. Damals waren die Tore zum Palais geöffnet worden, damit die Bonner an der Feier teilnehmen konnten.

Bundeskanzleramt beschließt Konzept von Professor Schäfer - Führungen, Ausstellungen und Konzerte geplant - Historisches Gebäude ist ab April Schröders Bonner Domizil - Kostenfrage noch nicht geklärt

Bonn. Das Palais Schaumburg soll aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Die einstige Machtzentrale der Bundeskanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger und Willy Brandt wird offiziell zweiter Dienstsitz von Gerhard Schröder - und nicht, wie bisher geplant, das Bundeskanzleramt; dort zieht in zwei Jahren komplett das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein. Erfreulich: Einige Räume des historischen Palais'''' können künftig auch besichtigt werden, wobei der angrenzende Park und der ehemalige Kanzler-Bungalow in die geführten Rundgänge einbezogen werden. Einen entsprechenden Beschluss des Bundeskanzleramtes bestätigte der zuständige Beamte dem General-Anzeiger auf Anfrage.

Schon Mitte der 90-er Jahre gab''''s Überlegungen, das Palais in die Obhut des Hauses der Geschichte (HdG) zu geben. Doch konkret wurden diese Pläne erst im Herbst 1999. Auf Wunsch des Bundes legte HdG-Direktor Professor Hermann Schäfer seine Vorstellungen dar. Konkret: Das Palais wird zweiter Dienstsitz des Bundeskanzlers, einige Repräsentationsräume sowie das Adenauer-Zimmer sollen zu bestimmten Zeiten für alle Bürger zur Verfügung stehen - auch für kulturelle Veranstaltungen -, und der Park muss geöffnet werden.

Diese Überlegungen überzeugten den Bund, der Schäfer beauftragte, ein Konzept auszuarbeiten. Für ihn stand von vornherein fest: "Das Palais Schaumburg bietet sich aufgrund seines architektonischen Wertes und seiner historisch-politischen Bedeutung an, auch künftig als eines der Kerngebäude des politischen Bonn genutzt zu werden." So wird''''s auch geschehen: Bereits im übernächsten Monat ziehen die 35 Mitarbeiter des Regierungschefs vom Bundeskanzleramt ins benachbarte Palais um, dessen Fassade bereits einen neuen Anstrich erhalten hat; derzeit werden die Büros renoviert. Gesamtkosten: 500 000 Mark. Schröder erhält in dem Gebäude ebenfalls einige Arbeitsräume. Schlafen muss er jedoch in einem Hotel, so er sich in Bonn aufhält. Denn die Verantwortung - und Finanzierung - für den Kanzler-Bungalow wurde ans Bundesfinanzministerium abgegeben - "nicht aus Desinteresse an Bonn, sondern aus Sparsamkeitsgründen", heißt es im Kanzleramt.

Schäfer freut sich über die zusätzliche Aufgabe: "Unser Haus kann künftig als modernes und erlebnisorientiertes Museum für Zeitgeschichte den Besuchern einen authentischen Ort historischen Geschehens präsentieren, der die einmalige Verbindung schafft zwischen politischer Gegenwart und zeithistorischer Erinnerung." So sollen die Ausstellungsräume im Palais Schaumburg mit Objekten, Fotos, Dokumenten und audiovisuellen Medien zum Thema "Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland" ausgestattet werden.

In den zur Terrasse im Erdgeschoss hin gelegenen Räumen könnten nach den Vorstellungen von Schäfer Lesungen, Konzerte und hochkarätige Tagungen durchgeführt werden: "Die Aura dieses Ortes gibt Veranstaltungen in diesem Gebäude ein besonderes Gewicht und verleiht auf diese Weise der Bundesstadt eine herausragende Rolle im Rahmen ihres Kongresskonzepts."

Die Öffnung des Parks war Schäfer ein besonderes Anliegen: "Ein Weg durch diesen Park kann mit recht geringem Aufwand Bestandteil des geplanten zeithistorischen Rundgangs ''''Weg der Demokratie'''' werden." Auch der Kanzlerbungalow sollte - zumindest zeitweise - zu besichtigen sein und für ausgewählte Veranstaltungen genutzt werden: "Denn bislang ist nur wenigen klar, wie beengt und vergleichsweise bescheiden die Bundeskanzler dort privat lebten."

Ungeklärt ist bislang noch eine nicht unwesentliche Frage: Wer übernimmt die Kosten für die Betreuung von Besuchergruppen und Veranstaltungen? "Wir haben dafür keinen Pfennig", heißt es lapidar im Kanzleramt. Unter Hinweis auf Etatkürzungen für sein Bonner Haus sagt auch Schäfer: "Wir übernehmen gerne die Aufgabe, doch müssen uns die notwendigen Personal- und Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden." Im Kanzleramt erinnert man sich an jene Zeit, in der Mitarbeiter des Bundespresseamtes Führungen durchs Palais Schaumburg durchführten: "Vielleicht bietet sich hier eine Zusammenarbeit an."

Für die Instandhaltung der Gebäude und des Parks muss der Bund als Eigentümer des Anwesens aufkommen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Gelungene Symbiose" von Bernd Leyendecker.