Noch blüht nur eine einsame Rose

Der Park der Villa Leonhart ist für die Öffentlichkeit freigegeben - Für die Neugestaltung wird sich das Tor jedoch noch einmal schließen - Umbau des Anwesens in ein Restaurant und Büros beginnt noch in diesem Jahr

Königswinter. Bürgermeister Peter Wirtz, der Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Andreas Pätz, sowie der Technische Beigeordnete Hubert Kofferath trafen sich schon einmal zum Probesitzen.

Sie nahmen Platz auf einer der Bänke im Park der Villa von Leonhart-Kurtzrock. Das kann künftig jeder. Denn: Das Stadtoberhaupt übergab kürzlich das 3 500 Quadratmeter große Areal der Öffentlichkeit. Hier können sich künftig Bürger und auswärtige Gäste aufhalten "bis zum Dunkelwerden".

Das gab es in der bewegten Geschichte des Anwesens noch nie. Immer war der Park privat. Jetzt ist er - für 151 489 Euro - im Besitz der Stadt und soll im Zuge der Altstadtsanierung hergerichtet werden. In den vergangenen Wochen waren die Arbeiter des Baubetriebshofes aktiv, säuberten Rasenflächen, beseitigten Unkraut.

Quasi provisorisch. Denn die endgültige landschaftsgärtnerische Wiederherstellung des Parks unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes kommt erst noch. Bei der Planung sind auch Anregungen der Einwohner erwünscht. "Aber wir wollten nicht warten, bis es ganz fertig ist, sondern den Bürgern bereits jetzt die Möglichkeit geben, den Park zu nutzen", erläuterte Peter Wirtz diese Geste.

Auch wenn gerade nur eine einzige Rose blüht, hat der Park auch so einiges zu bieten: Neben Ruhe und dem Blick auf den Rhein und zum Siebengebirge etwa einen besonders schönen Baumbestand. Die aufgestellte Weltkugel ist derzeit sichergestellt. Abgesperrt sind darüber hinaus einige Bereiche: Das Schwimmbad ist ebenso wenig zu betreten wie ein Unterstand.

Und auch das Terrain der Villa ist durch einen Zaun vom Garten abgeschnitten. Wenn dann im kommenden Jahr der Umbau des Parks erfolgt, wird das Tor an der Ferdinand-Mülhens-Straße bis zur endgültigen Fertigstellung natürlich vorübergehend geschlossen bleiben. Andreas Pätz hofft, dass die Sanierung der im Besitz der WWG befindlichen Villa noch im Herbst dieses Jahres starten kann.

Bekanntlich soll dort im Erdgeschoss ein Restaurant eingerichtet werden. Pätz: "Zwei Gastronomen haben wir an der Hand." Das Obergeschoss ist als Bürofläche zu mieten. "Das ist so attraktiv, da mache ich mir keine Sorgen", so der Wirtschaftsförderer.

Beim Spaziergang durch den Park können sich die Nutzer jedenfalls schon einmal ausmalen, wie es später aussehen könnte auf diesem Gelände, auf dem um 1890 für den Freiherrn Aloysius Wladimir von Leonhart eine Villa errichtet und ein prächtiger Park angelegt wurde. Das Gebäude wurde von seinen jeweiligen Eigentümern mehrfach umgebaut und vergrößert.

Nach dem Aussterben der Linie von Leonhart-Kurtzrock im Jahre 1935 erwarb zunächst die Deutsche Arbeitsfront das Gebäude. Deren Führer Robert Ley bewohnte die Villa; nach dem Krieg sollte sie zwischenzeitlich Casino werden, dann aber wurde das Haus bis zum Wegzug nach Berlin zur Residenz des pakistanischen Botschafters. Zehn Jahre stand das Anwesen leer, war der Garten verwaist. Nun soll wieder Leben einziehen.