Neues Leben im Ittenbacher Margarethenhof

Der niederländische Unternehmer Alexander Beljaars hat als Mieter die gesamte Liegenschaft übernommen

Ittenbach. "Wo Hessen und Holländer verderben, gibt's nichts zu erben." Diese Volksweisheit wegen des sprichwörtlichen Fleißes und unternehmerischen Geistes der beiden Völker wird von manchem Holländer in besonderer Weise verkörpert und verwirklicht.

Einer davon ist Alexander Beljaars, Jahrgang 1956, aus Schiedam bei Rotterdam. Als er mit seiner Schule zum ersten Mal am Drachenfels, dem angeblich "höchsten Berg Hollands", zu Schiff vorbeifuhr, ahnte er noch nicht, dass Königswinter und das Siebengebirge seine zweite Heimat und der Margarethenhof oberhalb von Ittenbach der Sitz seines erfolgreichen Unternehmens IUL Instruments GmbH werden sollten.

Nach seinem Studium hatte der Labortechniker zunächst in seiner Heimat als Repräsentant deutscher Firmen gearbeitet, unter anderem lange für den Bonner Unternehmer Til Macke, einen Enkel des Malers August Macke. Er baute den weltweiten Vertrieb von Mackes Labortechnik zur Lebensmittelanalytik auf und erhielt Prokura. Dadurch lernte er Deutschland und die Welt ken-nen. Auch deshalb hilft der Vater von drei Kindern angesichts der "ungerechten Kontraste" Kindern in der dritten Welt.

1985 ging er nach Bonn. 1991 machte er sich in Oberdollendorf als "Ein-Mann-Betrieb" selbständig . Seine Eltern rieten ihm, dabei nie seine Wurzeln zu vergessen. "Ja", definiert er sich selbst, "ich bin Europäer und selbstverständlich Holländer geblieben und lebe gern in Deutschland."

Beljaars ist selbstbewusst. Zumal sein Ein-Mann-Betrieb von 1991 unterdessen ein Unternehmen mit 35 Mitarbeitern für die Ausrüstungsmärkte der Mikrobiologie und Biotechnologie geworden ist. "Wir vereinen bei uns holländische Offenheit und deutsche Gründlichkeit. Zu den Stärken meines Geburtslandes zählen die Offenheit in der Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern, die Internationalität und die Bereitschaft, sich neuen Entwicklungen zu stellen."

Seine IUL Instruments erfreuen sich nach seiner Angabe unterdessen jährlich "hoher zweistelliger Zuwachsraten". Die Firma bedient fünf Hauptgeschäftsfelder: Biotechnologie, Mikrobiologie, Brauereitechnologie, Hygienekontrolle, Zellbiologie. Sein Erfolg ermutigte ihn, in den Niederlanden die Schwesterfirma LA Biosystems BV mit fünf Mitarbeitern zu gründen.

Dass sein Unternehmen gedeiht, kommt nun auch seiner zweiten Heimat verstärkt zugute. Nicht nur durch die Schaffung und Erhaltung von qualifizierten Arbeitsplätzen. Beljaars hat soeben seine ganze Firma im Margarethenhof, dem zeitweiligen Sitz der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung konzentriert.

Er arbeitet im Zimmer, in dem einst der Stiftungsvorsitzende Otto Graf Lambsdorff wirkte. Zusätzlich hat er den gegenüberliegenden ganzen Margarethenhof mit Ausnahme der Räume des VVS von den Eigentümern "RKW" (Runkel, König, Weiler) gepachtet. Das vormalige Hotel und Restaurant war nach erfolglosen gastronomischen Zwischenspielen schon wieder in einem Dornröschenschlaf versunken.

Beljaars will "die Schönheit wachküssen". Als Ort für Feiern, Konferenzen und Seminare, nicht als öffentliches Restaurant mit Kneipe. Dafür hat er im Januar eine neue Event- und Immobilienfirma gegründet. Als "Event-Manager" gewann er den auf diesem Feld erfolgreichen Burkhard Weis. Wegen der gastronomisch niveauvollen Versorgung der Veranstaltungen verhandelt er mit einem im Siebengebirge bekannten Gastronomen.