Neue Tagebau-Krater am Kottenforst

Der Betrieb der Rheinischen Baustoffwerke in Weilerswist: Obwohl von Politik und von Landschaftsschützern befürwortet, will die Bezirksregierung dort keine Abbau-Erweiterung.

Der Betrieb der Rheinischen Baustoffwerke in Weilerswist: Obwohl von Politik und von Landschaftsschützern befürwortet, will die Bezirksregierung dort keine Abbau-Erweiterung.

Es ist ein über viele Jahre zäh geführter Kampf, der nun in eine entscheidende Phase geht: Das Tauziehen um die Ausweisung einer Konzentrationszone für den Quarzabbau in der Region. Das Verfahren zur Änderung des Regionalplans ist im vollen Gange.

Rhein-Sieg-Kreis. Es ist ein über viele Jahre zäh geführter Kampf, der nun in eine entscheidende Phase geht: Das Tauziehen um die Ausweisung einer Konzentrationszone für den Quarzabbau in der Region. Das Verfahren zur Änderung des Regionalplans ist im vollen Gange.

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Die Bezirksregierung Köln hat einen 100 Seiten starken Entwurf vorgelegt, den bis Anfang Februar jeder einsehen kann. Der Vorschlag der Behörde alarmiert die Landschaftsschutzvereine Kottenforst (LSK) und Vorgebirge (LSV) ebenso wie die Gemeinden Alfter und Swisttal: Der Entwurf rät zur Erweiterung des Tagebaus in Witterschlick und in Flerzheim. So würde der Abbau Buschhoven und dem Kottenforst weiter auf die Pelle rücken.

Warum muss die Konzentrationszone sein?

Der 2003 vom Regionalrat beschlossene Regionalplan ist laut Urteil des Oberverwaltungsgerichts nicht wasserdicht, wenn es um den Abbau hochreiner, weißer Quarzkiese geht. Der Regionalrat räumte damals den Abbaufirmen keine Erweiterungsmöglichkeiten ein, um Landschaft, Natur und Anwohner zu schützen.

Das Kieswerk Rheinbach hat diese "Null-Lösung" erfolgreich angefochten. "Wenn wir ein Vorhaben ablehnen, können wir es nicht mehr mit diesem Regionalplan begründen", sagt Jörg A. Linden von der Bergbehörde des Landes, die bei der Bezirksregierung Arnsberg angesiedelt ist. Deshalb muss der Plan überarbeitet werden. Die Bezirksregierung Köln geht für die nächsten 25 Jahre von einem Bedarf von 6,7 Millionen Tonnen hochreinen, weißen Quarzkieses aus.

Wohin mit dem Abbaugebiet?

Die eigentliche Streitfrage: Sie wurde während der gesamten Amtszeit des Kölner RP Hans Peter Lindlar (2005-2010) nicht geklärt.

Im Änderungsverfahren untersucht die Bezirksregierung vier Standorte: die Erweiterung des Abbaubetriebs der Rheinischen Baustoff-Werke in Weilerswist-Nord, ein bislang unangetastetes Gebiet bei Bornheim-Rösberg (Sonnenhof), für das sich Euroquarz interessiert, die Erweiterung des Flerzheimer Tagebaus des Kieswerks Rheinbach Richtung Buschhoven sowie die Erweiterung des Tagebaus der Quarzwerke in Witterschlick.

Laut Linden sind der Bergbehörde von drei Firmen "im Laufe des Jahres" Abbau-Anträge für Weilerswist, Flerzheim und Witterschlick signalisiert worden. Das bringt den Regionalrat in Zugzwang.

Regionalplan-Änderung

Noch bis zum 3. Februar können die Unterlagen zur Planänderung im Siegburger Kreishaus und bei der Kreisverwaltung Euskirchen eingesehen werden, ebenso im Bornheimer Rathaus und online: www.bezreg-koeln.nrw.de mit dem Suchbegriff "Quarzkies".

Warum ist die Bezirksregierung gegen Weilerswist-Nord?

Der Kölner Regionalrat hat sich schon 2006 auf Weilerswist-Nord festgelegt: Wegen des vergleichsweise geringen Flächenverbrauchs etwa, auch wegen der Quarz-Qualität.

Doch die Bezirksregierung beharrt auch unter der neuen Regierungspräsidentin Gisela Walsken auf ihrer jahrelangen Position: "Das vorgesehene Abbauvorhaben ist auf Grund naturschutzrechtlicher Restriktionen nicht umsetzbar", heißt es ihrer aktuellen Untersuchung zur Regionalplanänderung. Die Erweiterung würde ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) tangieren, bei einer kleinen Erweiterung wären es dreieinhalb Hektar, bei einer großen elf Hektar.

"Wenn man eine Konzentrationszone ausweisen will, dann nur dort. Es wäre das kleinste Übel", sagt dagegen Michael Pacyna vom Bornheimer LSV. Das unterstreicht Michael Veerhoff, der im Auftrag der Schutzvereine Gutachten erstellt und dessen Analysen ins Verfahren einfließen: "Es wäre schon ein Eingriff in geschützten Lebensraum", sagt er. "Der Wald würde aber nicht unwiederbringlich zerstört. Nach der Renaturierung würde hier sogar noch viel mehr entstehen."

Was spricht für Sonnenhof, Witterschlick und Flerzheim?

Die Bezirksregierung führt für den Fall des Abbaus an allen drei Standorten etliche negative Auswirkungen auf. Sie reichen von der "visuellen Beeinträchtigung" einer Naherholungslandschaft (Sonnenhof) über Lärm- und Staub-Belästigung und Zerstörung des Römerkanals (Flerzheim/Buschhoven) bis zu möglichen Grundwasser-Problemen (Witterschlick und Flerzheim/Buschhoven).

Daraus konstruiert die Behörde einen Kompromiss: Die Konzentrationszone wird demnach auf zwei Gebiete links und rechts des Kottenforsts aufgeteilt. Die Vorhaben der Kieswerke und der Quarzwerke würden abgespeckt, von 20 auf 15 beziehungsweise von 20 auf 10 Hektar. So dürfte der Abbau von Flerzheim aus beispielsweise nicht den Römerkanal tangieren; der Tagebau würde aber näher an Buschhoven rücken.

Die Witterschlicker Quarzwerke dürften ihren Tagebau nicht über die Schmale Allee hinaus ausdehnen. Veerhoff: "So könnte die Bezirksregierung gar nicht ihren errechten Bedarf decken." Der ließe sich nur mit einer großen Variante in Weilerswist oder mit der Kombination zweier Gebiete erreichen, aus seiner Sicht am besten mit Weilerswist und Witterschlick.

Wie reagieren Landschaftsschutzvereine und Kommunen?

LSV und der LSK mobilisieren momentan die Bevölkerung. Beide Vereine wenden sich mit umfangreichen Stellungnahmen gegen die Pläne, zudem stellen sie Musterbriefe für Einsprüche bereit. Der LSK lädt für Donnerstag, 20 Uhr, zu einem Infoabend in die Buschhovener Gaststätte "Zum Römerkanal" ein.

Auch in den Rathäusern von Alfter und Swisttal stehen die Zeichen auf Ablehnung: Die Verwaltungen legen ihren Planungsausschüssen nächste Woche ablehnende Stellungnahmen vor. Die Bornheimer Verwaltung hat ebenfalls Bedenken, aber nicht so weitgehende: "Wir sind natürlich nicht unzufrieden damit, dass der Sonnenhof offenbar keine Rolle mehr spielt", so Bürgermeister Wolfgang Henseler zum GA.