Graffiti in Bad Honnef

Neue Farbe fürs Haus der Jugend

Bei der Arbeit: Tobias und Marco (vorne) gestalten die Wand am Haus der Jugend mit einem Schriftzug.

BAD HONNEF. Eigentlich hatte Ingmar Süß mit anderen Ideen gerechnet wie persönlichen "Unterschriften" etwa oder typischen Motiven aus der Graffiti-Szene. Weit gefehlt. Die drei Jungs, die am Dienstag am Graffiti-Projekt teilnahmen, wollten ihrem Stück Zuhause sichtbar einen Stempel aufdrücken: mit einem Schriftzug "Haus der Jugend".

Gemeinsam mit dem Diplom-Sozialpädagogen und erfahrenen Anbieter von kunstpädagogischen Workshops aus Fulda setzten sie das Vorhaben in die Tat um, vom Entwurf in Originalfarben bis zur Umsetzung.

Das Projekt geht zurück auf eine Umfrage, die das 2011 gegründete "Change"-Team für Jugendbeteiligung in Bad Honnef gemacht hatte. Ein Wunsch vieler Jugendlicher: eine legale Graffiti-Wand. Einfach umzusetzen ist die nicht, wie Beate Christ, die "Change" seitens des Stadtjugendrings begleitet, Jugendamtsmitarbeiterin Ursula Brückner und die Change-Mitglieder Lea Colling, Jana Sachse und Camilla Vreden berichteten.

Eigentlich hatte die Gruppe eine Wand auf der Insel Grafenwerth im Blick; dafür aber gibt es bislang keine Genehmigung. "Wir bleiben dran am Thema", versprach Beate Christ. Sie hofft, dass andere Wände zur Verfügung gestellt werden - das könnten auch private (Firmen-)Flächen sein. Erklärtes Ziel ist es, Jugendlichen Raum für künstlerische Entfaltung zu geben - nicht nur, aber auch als Alternative zu illegalen Sprayereien, bei denen Bad Honnef nach Polizeistatistiken wie berichtet einen traurigen Spitzenreiter abgibt. Dass dies nicht unumstritten ist, weiß auch das Change-Team; Zweifler finden sich etwa bei der Polizei.

Ingmar Süß hält dem unter anderem ein Beispiel aus Wiesbaden entgegen: Als eine legale Graffiti-Wand auf einem alten Fabrikgelände, die sehr gut angenommen worden sei, abgerissen werden musste, "stieg der Anteil der illegalen Graffiti in der Stadt um 300 Prozent". Und auch andersherum könne das funktionieren und vor allem integrieren statt auszugrenzen, so Süß.

Im Haus der Jugend ging das Konzept auf - ein Konzept, das laut Süß weit mehr beinhaltet als Gestaltung mit der Spraydose: "Die Jungs unterstützen sich gegenseitig, sind ein tolles Team", so Süß. Möglich seien auch Projekte, bei denen sich Jugendliche mit "ihrer" Stadt auseinander setzen, sich mehr als bisher mit ihr identifizieren - und darauf achten, dass nichts verschandelt, sondern verschönert und erhalten bleibt. Philip, Tobias und Marco jedenfalls waren begeistert. "Das müsste es öfter geben", lautete ihr Urteil.