Nach Einzug bei neuem Partner: Kindergartenleiterin aus Rauschendorf gekündigt

Bernadette Knecht (mit Gitarre) bei der Einweihung des U 3-Anbaus im März 2011.

Rauschendorf. Die 47-Jährige war leitende Angestellte einer katholischen Einrichtung. Als solche hat sie in ihrem Arbeitsvertrag unterschrieben, sich an die kirchlichen Regeln zu halten. Nun wird ihr die Trennung von ihrem Mann und der Einzug bei einem neuen Partner zum Verhängnis.

Ein Ort kämpft um seine Kindergartenleiterin: Bernadette Knecht, 47, seit neun Jahren Chefin im Katholischen Kindergarten in Rauschendorf, hat im Januar die Kündigung des Kirchengemeindeverbandes als ihrem Arbeitgeber zum 30. Juni erhalten. Sie hat dagegen Kündigungsschutzklage eingereicht.

Die Erzieherin trennte sich vor einem Jahr von ihrem Mann. Beide Partner hatten sich auseinandergelebt. Der Umzug in eine eigene Wohnung war für Knecht der einzig gangbare Weg, nachdem auch der Versuch gescheitert war, die Ehe durch eine Therapie zu retten. Die beiden Kinder studieren und wohnen nicht mehr zu Hause. Später zog sie zu ihrem neuen Partner, einem örtlichen Christdemokraten.

Bernadette Knecht tat, was täglich x-mal in Deutschland passiert, doch sie ist leitende Angestellte einer katholischen Einrichtung. Als solche hat sie in ihrem Arbeitsvertrag unterschrieben, sich an die kirchlichen Regeln zu halten. Über die Trennung von ihrem Mann informierte sie Udo Maria Schiffers, den leitenden Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft. Danach nahmen die Dinge ihren Lauf, zu denen sich Knecht mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht äußern will.

Einsatz für die Kindergartenleiterin

"Wir kämpfen nicht gegen die Katholische Kirche. Wir kämpfen um einen Menschen", sagt Peer Jung. Der Jurist spricht für die Eltern des zweigruppigen Kindergartens mit 45 Plätzen. Eltern, Mitarbeiter und Vereine in Rauschendorf und Stieldorf stünden geschlossen hinter Knecht. "Sie genießt in menschlicher und fachlicher Hinsicht einen hervorragenden Ruf."

Viele Eltern litten extrem unter der Situation, weil sie auf die katholische Erziehung Wert legten, aber unbedingt die Leiterin halten wollten. "Sie haben den Kindergarten wegen ihr und der musikalischen Früherziehung gewählt. Bernadette Knecht hat die Einrichtung zu dem gemacht, was sie heute ist", so Jung. Als "ultima ratio" stehe auch ein Trägerwechsel zur Diskussion. "Dem haben alle Eltern schriftlich zugestimmt", so Jung. Da die Kindergärten Stieldorf und Rauschendorf gerade zu einem Familienzentrum entwickelt wurden, ist das jedoch nicht der Wunsch der Kirchengemeinde. Die Eltern haben sich deshalb auch an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. "Dass Eltern keinen Einfluss auf den Träger nehmen können, ist nicht zeitgemäß", meint Jung.

Pfarrer zieht Kündigung nicht zurück

Der Leitende Pfarrer Udo Maria Schiffers will die Kündigung nicht zurücknehmen. "Auch die Gerichte sagen, dass die Kirche ein Tendenzbetrieb mit eigener Rechtsordnung ist. Unsere Angestellten unterschreiben einen Vertrag, dass sie sich an diese Ordnung halten. Wenn sie das nicht tun, ist das ein Kündigungsgrund", so Schiffers. Leitende Angestellte wie Knecht hätten eine Vorbildfunktion.

Entscheidend sei auch nicht, dass sie sich von ihrem Mann getrennt hat, sondern dass sie bei einem neuen Partner eingezogen ist. Man habe ihr einen Auflösungsvertrag angeboten, was der Erzieherin die Möglichkeit eröffnet hätte, in einer kirchlichen Einrichtung an einem anderen Ort zu arbeiten: "Dort würde nicht die Gefahr des Ärgernisses bestehen", so Schiffers. Darauf ging Knecht jedoch nicht ein, weil sie befürchtete, an einem anderen Ort könnte es ihr ähnlich ergehen.

Peer Jung will die Hoffnung noch nicht aufgeben. "Die Kirche ist uns wichtig. Wir hoffen, dass die positiven Gespräche, die wir unter anderem mit dem Pfarrgemeinderat aufgenommen haben, fruchtbar sind." Das "öffentliche Ärgernis", wenn Knecht bleibt, erkennt er nicht. "Für die Menschen in unserer Gemeinde wäre das ein Ärgernis, wenn sie gehen muss."