GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Naach Mattes, blos de Lamp us

Gute Nacht, Matthias, mach' die Lampe aus.

Gute Nacht, Matthias, mach' die Lampe aus.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. In dieser Folge: "Naach Mattes, blos de Lamp us"

Um unsere heutige Redewendung zu verstehen, braucht man schon einiges an Hintergrundwissen. Entsprechend weit gefächert ist ihre Bedeutung. „Naach, Mattes, bloos de Lamp us“, heißt auf Hochdeutsch: „Gute Nacht, Matthias, blas die Lampe aus.“

Unsere Mundartsprecherin Helene Schullenberg fühlt sich an ihre Kindheit erinnert. In ihrer Familie wurde der Spruch noch erweitert und lautete: „Naach, Mattes, bloos de Lamp us, jach de Katz eruss.“ Es war also noch die Katze nach draußen zu bringen. Wenn der Vater das sagte, dann hieß das für die Kinder: Es ist spät und Zeit zum Schlafengehen.

Es ist offensichtlich, dass der Satz aus einer Zeit stammt, in der elektischer Strom noch nicht zur Standardausstattung jeden Haushaltes gehörte, denn mit Lampe ist klar eine Kerze oder Petroleumbeleuchtung gemeint. Sonst könnte man sie nicht ausblasen.

Wie immer gibt es aber auch eine übergeordnete Bedeutung der Redewendung. „Ich kenne das als Feststellung, wenn etwas richtig schief gegangen ist“, sagt Helene Schullenberg. Die Kurzform „Naach, Mattes“ bedeutet dann von Fall zu Fall: Da ist nichts mehr zu retten, oder es ist alles zu spät. Und Helga Drossard erinnert sich an eine solche Anweisung ihrer Eltern, die dann sagen wollten: Das Thema ist erledigt, kein Wort mehr.

Der Sprachforscher Peter Honnen vom Landschaftsverband Rheinland hat die Wendung „Nacht Mattes!“ ebenfalls in seinem Regionalwörterbuch „Kappes, Knies & Klüngel“ aufgegriffen. Demnach steht der Name Mattes bzw. Matthias für die Eigenschaften Kraft und Stärke. Warum das der Fall ist, konnten die Sprachwissenschaftler nicht abschließend klären. „Vielleicht beziehen sie sich auf das Beil als Attribut des Heiligen“, sagt Honnen.

Parallel gibt es auch die artverwandte Redewendung: Dann ist Matthäi am Letzten. Die weist auf eine letzte Frist hin. Eine Deutung bezieht sich auf den Apostel Matthäus, der vormals Steuereintreiber war und qua Amt mit respekteinflößenden Stichtagen arbeitete. Da hat sich in den vergangenen 2000 Jahre nicht viel geändert.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de).

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