Nürburgring-Betreiber suchen den Dialog

Fragestunde am Nürburgring: Kai Richter (links) und Jörg Lindner stehen Rede und Antwort.

Fragestunde am Nürburgring: Kai Richter (links) und Jörg Lindner stehen Rede und Antwort.

Es war der Versuch einer Rechtfertigung. Jörg Lindner und Kai Richter, Betreiber des seit seinem Neubau stark ins Gerede gekommenen Nürburgrings, standen Rede und Antwort, suchten den Dialog und unterstrichen ihre gute Absicht, die Region in die Nürburgring-Geschäfte einzubinden.

Nürburgring. Es war der Versuch einer Rechtfertigung. Jörg Lindner und Kai Richter, Betreiber des seit seinem Neubau stark ins Gerede gekommenen Nürburgrings, standen Rede und Antwort, suchten den Dialog, warben um Verständnis, legten Positionen dar und unterstrichen ihre gute Absicht, die Region in die Nürburgring-Geschäfte einzubinden.

Genau dies gehört zu den besonderen Knackpunkten. Denn ob Hoteliers, Gastronomen oder Renntaxi-Verleih: Sie alle haben sich in der Vergangenheit massiv über die Geschäftspolitik der Ring-Betreiber beschwert. Vom Steuerzahler subventioniert, so der Vorwurf, böten Lindner und Richter Dienstleistungspakete in Konkurrenz zu anderen an der Rennstrecke angesiedelten Firmen an.

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"Meinen Namenszug werden Sie auf keinem Imbisswagen entdecken", sagte Lindner, der damit zum Ausdruck bringen wollte, dass auch jenseits der Betreiberaktivitäten Geschäfte am Nürburgring gemacht werden können. Gut 120 Interessierte waren in den Ring-Boulevard gekommen und verfolgten die Ausführungen der Betreiber in einer offenen Fragestunde.

Eine Einleitung gab es nicht, stattdessen standen Lindner und Richter am Podium und baten um verbale Beiträge - die zunächst nicht kamen. "Wir wollen uns die Fragen nicht selber stellen", meinte Lindner, der dann doch von sich aus zur großen Palette der Vorwürfe Stellung bezog. Mitgebracht hatte er vorsichtshalber seinen Betriebsratsvorsitzenden.

Dass ihm dessen Name nicht ganz geläufig war, vernahmen die Zuhörer eher mit Schmunzeln. "Ich heiße Manfred Strack. Jetzt wissen Sie das auch", sagte der Personalvertreter an seinen Chef adressiert. 40 offene Stellen gebe es am Nürburgring, 385 Menschen seien dort in Lohn und Brot, teilte Lindner mit.

Sehr interessiert sei man an engen Partnerschaften mit anderen Unternehmen, hob er hervor. Und wenn in der jüngeren Vergangenheit Verträge nicht verlängert worden seien, so habe das seine Gründe. Keinesfalls wolle man monopolisieren.

Bekanntlich hatte sich erst kürzlich die auf Fahrsicherheitstrainings spezialisierte Scuderia Hanseat heftig beschwert, ihre Dienstleistung nicht mehr am Nürburgring anbieten zu können. "Die sind bislang in einem völlig unangemessenen Preisgefüge gefahren", sagte Jörg Lindner. Ein unterbreitetes "faires Angebot" habe die Scuderia abgelehnt. Dazu Lindner: "Wir lassen uns nicht abzocken."

Was die Einbindung der benachbarten Hotellerie und Gastronomie anbetrifft, so sagte Linder, der selbst Chef einer großen Hotelkette ist: "Die Menschen aus der Region müssen auf uns zukommen. Unsere Vertriebsstärke ist ein Angebot an die Region. Aber dieses Angebot darf keine Einbahnstraße sein."

Kai Richter meinte, man müsse nun das Beste aus der Situation machen. Die CDU-Landtagsfraktion hatte kürzlich Richters sofortige Absetzung als Nürburgring-Manager gefordert, da er als Geschäftsführer der Cash Settlement & Ticketing GmbH (CST), einer Tochter der landeseigenen Nürburgring-Gesellschaft, unangenehme Bekanntschaft mit dem Landesrechnungshof gemacht hatte, weil CST-Rechnungen angeblich doppelt bezahlt, Geld auf falsche Konten überwiesen und dubiose Verträge abgeschlossen worden seien.

Richter unterstrich, dass man "trotz Ärger und Gegenwind am Nürburgring auf einem guten Weg ist". Und: "Wir hätten den Nürburgring auch nicht so groß gebaut, wie er jetzt hier steht."