Mobilfunk-Manager reißen sich um die "Perle"

Ihre erstklassige Lage und ausgefeilte Tagungs-Technologie machen die Hirschburg im Siebengebirge zur begehrten Seminarstätte - Vodafone setzt die Restaurierung fort - Seit zehn Jahren Denkmal

Königswinter. Der Blick schweift über sanfte Wiesen, herbstlichen Laubwald und hinab zum Rhein, auf dem sich das Sonnenlicht golden spiegelt. Die Aussicht von der Hirschburg im Siebengebirge ist eine Wonne für jeden Besucher - und sehr passend zu dem Ambiente, in dem die Firma Vodafone heute ihr Seminar- und Tagungszentrum betreibt.

Von außen ist sie den Siebengebirgs-Wanderern ein bekanntes Gebäude, die Hirschburg am so genannten Kutschenweg zum Drachenfels. 1883/84 entstand sie als "Abfallprodukt" der Bauarbeiten an der Drachenburg. Was die Betrachter vom Spazierweg aus jedoch nicht sehen, ist der eindrucksvolle Zustand der Immobilie. 2001/2002 wurde sie vom Inhaber Vodafone umfassend renoviert. Architekt Michael Deisenroth entwarf eine Raumplanung, die heutigen Bedürfnissen freundlich entgegen kommt - helles Holz, helle Wände, freundliche Farben und edle Möbel. Gleichzeitig wurden die Glanzpunkte der ursprünglichen Baukunst restauriert, darunter Wandgemälde, Holzvertäfelungen oder Kunststuck an den Decken.

Man fühlt sich wohl in dieser edlen Umgebung, und beim Vodafone-Konzern ist die Burg mitsamt benachbartem Gästehaus, Gärtnerhaus und Kegelbahn-Gebäude inzwischen zu einer Art Schmuckstück avanciert. Hier finden heute bis zu sechs Seminare parallel statt, berichtet Leiter André Tilstra. Für interne Seminare der Kommunikationsfirma ist das Anwesen so beliebt, dass alle Kapazitäten fast zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind. Die meisten Seminarplätze werden von der Düsseldorfer Konzernabteilung Personalentwicklung genutzt. André Tilstra: "Man hat sehr viel damit zu tun, auf Anfragen eine negative Antwort zu geben - so viel Bedarf gibt es."

Dabei war es keineswegs selbstverständlich, dass Vodafone heute seine Seminare und Meetings im Siebengebirge organisiert. Fast wäre das Haus im Zuge der Übernahme des Mannesmann-Konzerns aus Düsseldorf - zu dem die Immobilie vorher gehört hatte - veräußert worden. Heute weiß man indes: "Diese Gebäude lohnen sich für uns", so bilanziert Tilstra.

Die Bedingungen seien für produktives Arbeiten in Meetings oder Seminaren optimal. Der Konzern hat viel investiert. Das Gästehaus neben der Hirschburg, 1972 erbaut, wurde aufgestockt und von 30 auf 58 Zimmer erweitert. 18 feste Kräfte, eine Auszubildende und Hilfsarbeiter kümmern sich um die Gastronomie und Hotellerie im Tagungszentrum. Der ehemalige Königswinterer Maritim-Direktor Eckhard Horstmann zeichnet seit kurzem für Hotel und Restauration verantwortlich. André Tilstra leitet das Haus seit 1996 - also noch zu Mannesmann-Zeiten. Heute kümmert er sich um die betriebswirtschaftlichen Prozesse und die Seminar-Organisatin.

In der Hirschburg, im Gärtnerhaus und an der Kegelbahn richtete die Aktiengesellschaft hochmoderne, multifunktionale Gruppen- und Besprechungsräume ein. Nicht nur der Ausblick ist erstklassig, sondern auch die Tagungs-Technologie: High-Tech-Bildschirme, Tonsysteme, ausgeklügelte Beleuchtung erfreuen Seminarleiter und Teilnehmer. Eine Perle ist der "Boardroom" im ersten Geschoss der Hirschburg: Hier treffen sich, auf weißem Teppich und am runden Tisch mit Videokonferenztechnik, die Führungskräfte des Mobilfunkkonzerns.

Die Arbeitsbedingungen am Hirschberg seien sehr produktiv, sagt André Tilstra. Dazu trage auch die ruhige Lage bei, die entspannte und gediegene Atmosphäre - abseits der Hektik von Finanzplätzen und Planungszentren. Die Reize der Umgebung hatte schon Jakob Hubert Biesenbach erkannt, der in den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts für seinen Schwager, den vermögenden Bankier Stefan Sarter, die Drachenburg baute. Im gleichen Atemzug baute er als sein persönliches Sommeranwesen die Hirschburg, Planer war der Kölner Architekt Wilhelm Hoffmann.

Das neugotische Gebäude wurde 1910 an den Kölner Waggonfabrikanten Charlier verkauft. Der Speisesaal aus seiner Zeit ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten, selbst Wandgemälde von damals wurden unter 18 Farbschichten aufgespürt und könnten bald wiederhergestellt werden. Vodafone hat sich zum schrittweisen Fortsetzen der Restaurierung entschlossen.

1939 kauften die "Mannesmannröhren-Werke" aus Düsseldorf die Hirschburg, nutzten das Gebäude von 1943 bis 1949 als Verwaltungsgebäude. Köln und Düsseldorf waren längst ausgebombt. Ab 1950 wurde die Hirschburg zum ärztlich betreuten Erholungsheim für die Mitarbeiter der Mannesmann AG. Nach dem Erdbeben 1992 wurden an dem Denkmal Instandsetzungsarbeiten durchgeführt, seither dienen die Burg und ihre Gebäude als Seminar- und Tagungsstätte. Seit 1993 ist die Hirschburg ein Denkmal, allerdings nicht nur zum Anschauen. "Wir hatten die Aufgabe, die Burg einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen", sagt Architekt Deisenroth. Das wurde erreicht: Heute finden in der Hirschburg ausgebuchte Board-Meetings, Finanzseminare und Besprechungen zum Mobilfunk statt.