Helios-Klinikum

Mitarbeiter protestieren: "Wir können nicht mehr".

Für bessere Arbeitsbedingungen demonstrieren Klinikmitarbeiter in der Siegburger City.

SIEGBURG. "Arbeitshetze tötet! Erst Dich dann mich", stand auf einem der Protestschilder, "Wir wollen nicht krank werden, weil wir andere gesund machen" auf einem anderen. Etwa 80 Pflege- und Heilkräfte machten am Samstag mit einer Demonstration in der Siegburger Innenstadt auf nach ihrem Empfinden unzumutbare Arbeitsbedingungen im Helios-Klinikum aufmerksam.

Die Wortbeiträge machten deutlich, dass ihnen vor allem das Missverhältnis zwischen Personalabbau und gleichzeitig steigenden Anforderungen zusetzt. Achim Teusch, Betriebsratsvorsitzender im Helios-Klinikum: "Wir demonstrieren, weil wir bis zur vollständigen Erschöpfung arbeiten müssen."

Und: "Weil wir nicht mehr können und nicht mehr wollen. Und weil das keine Privatangelegenheit ist, sondern eine Gefahr für die gesundheitliche Versorgung der Bürger." 50.000 Stellen seien seit 1996 bundesweit in der Pflege gestrichen worden, "bei wachsenden Patientenzahlen, steigender Fallschwere und zunehmendem Durchschnittsalter der Patienten".

Hohes Arbeitsaufkommen, unregelmäßige Schichten und spontanen Wochenendvertretungen machten krank. "Diese Missstände sind sozusagen die Erkennungsmerkmale des deutschen Gesundheitswesens im europäischen Vergleich", so Teusch, der seinen Arbeitgeber durchaus in der Situation sieht, gegenzusteuern zu können: "Der Helios-Konzern schwimmt nicht einfach nur mit dem Strom der Zeit, sondern gehört zu denen, die Maßstäbe setzen."

Schließlich sei der Mutterkonzern, die Fresenius AG, weiter auf Expansionskurs, wie der Kauf der Rhön Kliniken für 3,1 Milliarden Euro beweise.

Physiotherapeut Achim Krumbhorn sagte, vor einigen Jahren seien zehn Physiotherapeuten in der Klinik beschäftigt gewesen, nun gebe es noch 7,5 Stellen. Mit dem reduzierten Personal müssten aber immer Patienten betreut werden, "nur um Gewinne an Kapitalanleger weiterzuleiten".

Krankenschwester Renate Krauss klagte, sie habe nur noch "wie an einem Fließband in einer Fabrik zu funktionieren". Die Folgen: Sie leide unter Schuppenflechte und Schlafstörungen, sie müsse mit reduzierten Sozialkontakten leben.

Laut Kreispolizei gab es am Samstag zudem eine Antifa-Demonstration mit etwa 70 Teilnehmern, vorsorglich wurde die Bereitschaftspolizei hinzugezogen. Sie verlief ohne Zwischenfälle.