Mit Hammer und Nagel gegen Einbrecher

Die Stadt sorgt mit einem ausgefeilten Kontrollsystem für Ruhe, Ordnung und Sauberkeit auf dem Bonner Weihnachtsmarkt

Bonn. Weißer Atemhauch begleitet das kraftvolle "Moorgen" des Mannes mit der bordeauxroten Kappe. Kunsthandwerker, Schausteller und Glühweinwirte nicken freundlich zurück. Kalt ist es an diesem Morgen. Auf seinem ersten von bis zu zehn Kontrollgängen am Tag zieht der Mann vom Ordnungsamt seine Kappe mit der Aufschrift "Markt-Team Bonn" noch ein wenig fester über seinen Kopf. Doch auch ohne sie ist Bernd Kerber bei den Händlern des Weihnachtsmarkts bekannt. Und diejenigen, die zum ersten Mal ihren Stand in Bonn aufgebaut haben, erfahren sofort, an wen sie sich wenden müssen, wenn''''s Probleme gibt: Unter Kerbers Handynummer ist er jederzeit zu erreichen. Er sorgt für einen reibungslosen Ablauf des Bühnenprogramms und kontrolliert, ob Müll achtlos fortgeworfen worden ist oder ob die Tannenbaumdekoration noch steht. Kerber ist Bindeglied zwischen Marktbeschickern und Stadt, wichtiges Rad im ausgefeilten System, mit dem die Verwaltung für Ruhe, Ordnung und Sauberkeit auf dem Weihnachtsmarkt sorgt.

Glühweinwirtin Monika Neuen ist Tante 00. "Sie kümmert sich abends immer darum, dass die Toiletten abgeschlossen werden. Daher der Name", erklärt Kerber. Gleiches gilt für das männliche Gegenstück Onkel 00 alias Hubert Markmann. Der Betreiber der "Almhütte" ist in der Hierarchie der Ordnungskräfte auf dem Markt eine Stufe höher, hat er schließlich mit acht anderen die Aufgabe des Blockbetreuers inne.

Bei Stromausfall und Wassermangel helfen sie weiter oder achten darauf, dass die Marktbeschicker ihre Stände auch öffnen. Einige Tage lang hatte sich einer nicht daran gehalten und später als die Nachbarn die Holzlade hochgeklappt. "Aber das sieht nicht schön aus", meint Blockbetreuer Josef Kreuz. Weshalb er mit dem Mann gesprochen habe, "der das dann auch verstanden hat. Die meisten Marktbeschicker machen gut mit", berichtet Kreuz, dessen Familie mit ihrem Mandelhaus seit gut 35 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt steht. "Die meisten sehen ein, dass hier Ordnung herrschen muss."

Mit Licht und Tannengrün dekorierte Holzbuden, keine zu engen Gassen dazwischen, Nadelbäume, die mögliche Schmuddelecken versperren - wie Kreuz erzählt, loben Besucher des Bonner Weihnachtsmarktes dessen Atmosphäre. Nicht zuletzt das Ergebnis der guten Zusammenarbeit von Ordnungsamt, Blockbetreuern und Mobiler Wache der Polizei.

Auch nächtens greift dieses für die Besucher nicht wahrnehmbare Ordnungssystem. Es ist nach neun Uhr abends. Die Männer vom städtischen Reinigungsamt haben Frittenschälchen und Servietten zusammengekehrt. Der Weihnachtsmarkt ruht still. Vier zivil gekleidete Gestalten in Zweiergruppen drehen ihre Runden vorbei an den Buden zwischen Friedens- und Münsterplatz, bewaffnet mit Hammer und fingerlangen Nägeln. Sie rütteln da an einer Budentür und dort an einer Klappe - bis sich eine öffnet. Ein Nagel wird angesetzt und so lange ins Holz gehämmert, bis die Klappe im Wortsinne nagelfest ist, sich aber mit einer Zange leicht wieder öffnen lässt. Wenn man denn weiß, was los ist. Am nächsten Morgen klingelt Kerbers Handy. Aufgeregt berichtet ein Lederwarenverkäufer, dass sich die Budenklappe nicht öffnen lasse. Der Mann vom Ordnungsamt beruhigt ihn: "Sie haben nicht richtig abgeschlossen. Da hat der nächtliche Wachdienst zur Sicherheit vor Dieben Ihre Bude gesichert." Mehrere Einbrüche konnte er so auch dieses Jahr wieder verhindern.

Nach seinem morgendlichen Rundgang trifft sich Bernd Kerber bei einer Tasse Kaffee in der "Almhütte" mit Manfred Krahe, den für den Weihnachtsmarkt zuständigen Abteilungsleiter im Ordnungsamt der Stadt. Bei ihrer regelmäßigen Besprechung stellen die beiden zufrieden fest, dass sich auch in diesem Jahr ihr Ordnungssystem wieder bewährt hat.