GA-Serie "Rheinische Redensarten" Mir hann et net vum ussjewe, sondern vum behale

Wir haben es nicht vom Ausgeben, sondern vom Behalten.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Diese Redensart, das muss ich schon sagen, ist eine meiner liebsten. Denn unter all den lebenskundigen Worten, die es im Rheinland so gibt, hat diese wahrlich einen bleibenden Wert. Der Satz „Mir hann et net vum ussjewe, sondern vum behale“ ist in seiner Substanz unschlagbar.

Auf gut Hochdeutsch würde man sagen: „Wir haben es nicht vom Ausgeben, sondern vom Behalten.“ Da stellt sich zuerst einmal die Frage, was ist mit „Es“ gemeint. Ganz einfach sagt da der rheinische Landadel, der durch die sogenannte rheinische Fruchtfolge zu Vermögen gekommen ist: „Getreide – Rüben – Bauland“. „Es“ ist also das Geld, der Reichtum.

Und da ist es schon wichtig, wenn man darüber verfügt, dem Nachwuchs einen guten Rat mit auf den Lebensweg zu geben. Der Finanzfachmann würde vielleicht sagen: Man sollte die Substanz nicht anknabbern und nicht für laufende Ausgaben verwenden. Man kann Substanz in andere Substanz verwandeln, aber nicht verkonsumieren. So viel zum betriebswirtschaftlichen Aspekt des Ganzen.

Also wissen wir nun, wer reich ist, gibt seinen Reichtum nicht aus, er behält, was er hat. Jetzt mag man einwenden: Aber wofür hat man es denn? Die Antwort ist einfach: Damit man es hat. Denn wenn man es weggibt, hat man es nicht mehr. Der geneigte Leser mag nun einwenden: Wenn es mal so einfach wäre.

Aber bleiben wir einfach mal bei diesem Lebensmotto, dann liegt es nahe, dass man dem Reichen seinen Reichtum nicht ansehen kann. Denn er hat ihn ja irgendwo unsichtbar in bleibenden Werten gebunkert. Und da tritt gleich ein zweiter Wert mit in die Argumentationskette, denn wer wirklich etwas besitzt, der hat es keinesfalls nötig, damit zu protzen. Der gibt sich bescheiden, streng nach dem Leitwort: Mehr Sein als Schein.

Das ist sicher ein recht demokratischer Ansatz, denn der etwas ärmere Zeitgenosse muss sich dann in keinster Weise anstrengen, um beim großen Schaulaufen mitzuhalten. Und das Schöne an dem Satz ist, dass er selbst das beherzigt, was er verlangt: Sei sparsam! Das gilt auch für die wohlgesetzten Worte dieser Lebensweisheit.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und ab sofort in den GA-Geschäftsstellen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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