Ministerin: Ein Signal für die UN-Stadt Bonn

<b>Adventsgesteck,</b> Mega-Hausschlüssel, Teekanne und -tasse sowie jede Menge Akten: So findet Ministerin Heidemarie Wiezcorek-Zeul an ihrem ersten Arbeitstag ihren Schreibtisch im ehemaligen Bundeskanzleramt vor.

<b>Adventsgesteck,</b> Mega-Hausschlüssel, Teekanne und -tasse sowie jede Menge Akten: So findet Ministerin Heidemarie Wiezcorek-Zeul an ihrem ersten Arbeitstag ihren Schreibtisch im ehemaligen Bundeskanzleramt vor.

Heidemarie Wieczorek-Zeul übernimmt offiziell das Kanzleramt als ihren ersten Dienstsitz - Den Mitarbeitern stehen auch ein Sportraum und ein "Ruheraum gemäß Mutterschutzgesetz" zur Verfügung

Bonn. Es roch noch ein wenig nach Farbe und Kleber. Doch das tat am Dienstag um neun Uhr der guten Laune keinen Abbruch: Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul übernahm von Michael Halstenberg vom Bundesbauministerium den Schlüssel für ihr neues Domizil am Rhein - das ehemalige Bundeskanzleramt, das nun erster Dienstsitz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist. "Ich freue mich, dass wir nun an dieser historisch bedeutenden Stelle unsere Arbeit machen können", sagte die dienstälteste Bundesministerin.

"Wir" - das sind ihre 500 Bonner Mitarbeiter, die in der vergangenen Woche vom bisherigen BMZ-Domizil in der Friedrich-Ebert-Allee 40 an den Bundeskanzlerplatz umgezogen sind und auch gleich das angrenzende Verwaltungsgebäude mit in Beschlag genommen haben - wegen des "zu knappen Raumangebots" im Kanzleramt. Am Berliner Dienstsitz des BMZ sind 120 Mitarbeiter tätig.

Heidemarie Wieczorek-Zeul, die das Büro des früheren Kanzleramtschef Bodo Hombach in Beschlag genommen hat und nach eigenen Angaben "drei bis vier Mal im Monat" von dort aus arbeitet, nannte den Umzug ins Herz des ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertels ein "Signal" dafür, dass "Bonn die deutsche UN-Stadt ist.

Ähnlich drückte sich Ad de Raad, Executive-Coordinator von UN-Volunteers, aus: "Es ist ein wunderbares Symbol, dass das Ministerium nun in unmittelbarer Nähe zum künftigen UN-Campus im Langen Eugen untergebracht ist." Bürgermeister Helmut Joisten betonte: "Das Bundeskanzleramt hat auch Geschichte in Bonn und für Bonn geschrieben."

57 Millionen Euro hat der Bund in den Umbau des Mitte der siebziger Jahre von der "Planungsgruppe Stieldorf" entworfenen Gebäudes investiert, wobei der größte Batzen auf die Asbestsanierung entfiel. Durch den Umzug spart das BMZ nun jährlich 3,6 Millionen Euro Mietkosten. Da die Liegenschaft unter Denkmalschutz steht, wurde auch die Außenfassade erhalten.

Der "Nato"-Saal, das Kanzlerarbeitszimmer und die beiden Kabinettssäle wurden originalgetreu restauriert und werden als Besprechungszimmer genutzt. Derer gibt es nun 29 im Haus - plus 456 Büros, Kantine, Cafeteria, Sportraum mit zwei Umkleideräumen, Erste-Hilfe-Raum und "Ruheraum gemäß Mutterschutzgesetz". Unübersehbar ist die Henry-Moore-Bronzeplastik "Two Large Forms", die auf Anregung von Bundeskanzler Helmut Schmidt als dominierendes Kunstwerk auf dem Vorplatz aufgestellt wurde.

Ältestes Gebäude auf dem Gelände ist das Palais Schaumburg, das von 1949 bis 1976 Amtssitz der Regierungschefs Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt war; heute ist es Bonner Dienstsitz des Bundeskanzleramtes mit 30 Mitarbeitern. Seit 1964 steht im Park der Kanzlerbungalow, in dem nach dem Auszug von Gerhard Schröder das Licht ausgeknipst wurde. Wie der Bau künftig genutzt werden soll, steht noch nicht fest.