Minister Hering kündigt neue Arbeitsplätze am Nürburgring an

In Adenau gibt es Infos zum Nürburgring von (von links) Peter Nett, Bürgermeister Hermann-Josef Romes, Minister Hendrik Hering, Hans-Joachim Koch, Kai Richter und Jörg Lindner.

In Adenau gibt es Infos zum Nürburgring von (von links) Peter Nett, Bürgermeister Hermann-Josef Romes, Minister Hendrik Hering, Hans-Joachim Koch, Kai Richter und Jörg Lindner.

Mehr als 100 Gewerbetreibende diskutierten in der Hocheifelhalle über die Zukunft am Nürburgring. Sie waren der Adenaus VG-Bürgermeister Hermann-Josef Romes und Peter Nett vom Gewerbeverein gefolgt.

Adenau. (jov) Mehr als 100 Gewerbetreibende diskutierten in der Hocheifelhalle über die Zukunft am Nürburgring. Sie waren der Adenaus VG-Bürgermeister Hermann-Josef Romes und Peter Nett vom Gewerbeverein gefolgt.

Wirtschaftsminister Hendrik Hering erläuterte zusammen mit Jörg Lindner, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Lindner Unternehmensgruppe GmbH, sowie Kai Richter, Geschäftsführer der Firma Mediinvest GmbH, wie man den bislang hoch defizitären Nürburgring zu einem profitablen Unternehmen entwickeln möchte.

Demnach übernimmt ab dem 1. Mai eine private Betriebsgesellschaft unter Führung der Lindner-Gruppe die unternehmerische Verantwortung am Ring ( der GA berichtete). Sie soll "Destination Nürburgring GmbH" heißen. Zwischen ihr, der Nürburgring GmbH und der Motorsport Resort Nürburgring GmbH (MSR) wurde ein Pachtvertrag für 20 Jahre abgeschlossen, der alle operativen Betriebsbereiche umfasst.

Damit reduziere sich die öffentliche Hand darauf, Eigentümer der gesamten Infrastruktur am Ring zu sein, so Hering. Der Gesamtfinanzierungsbedarf für das Projekt werde bei rund 330 Millionen Euro liegen und über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) refinanziert.

"Mit der Trennung von Betrieb und Besitz schaffen wir klare Strukturen", betonte Hering. Die Nürburgring GmbH als Eigentümer des Nürburgrings und aller Aufbauten erhält nach der sogenannten Einschwungphase ab 2013 als Pacht 85 Prozent des Betriebsergebnisses der Betriebsgesellschaft, mindestens jedoch 15 Millionen Euro.

In der Einschwungphase selbst erhält die Nürburgring GmbH ebenfalls 90 beziehungsweise 85 Prozent des Betriebsergebnisses sowie eine ansteigende Mindestpacht von zunächst fünf und dann 11,5 Millionen Euro pro Jahr. "Der Vertrag stellt sicher, dass die Gesamtinvestition ohne Belastung für den Landeshaushalt finanziert wird", betonte Hering. Allein die vertraglich garantierten Mindestpachten lägen schon über den Zinsbelastungen.

Nach der neuen Vereinbarung bleibt die Nürburgring GmbH im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und des Landkreises Ahrweiler. Sie erwirbt alle Anteile an der MSR für je einen Euro bei gleichzeitigem Verzicht der bisherigen Gesellschafter auf die Rückzahlung ihrer Gesellschafterdarlehen. Gleichzeitig werde der Kreis Ahrweiler von sämtlichen finanziellen Risiken freigestellt.

Auch die Mitarbeiter der Nürburgring GmbH waren kurz vor Beginn der Veranstaltung von Hering, Lindner und Richter über die neue Lage informiert worden. "Niemand verliert seinen Arbeitsplatz", versuchte der Minister Bedenken zu zerstreuen. Zum 1. Mai gebe es einen Betriebsübergang der bisherigen Mitarbeiter der Nürburgring GmbH in die neue Betriebsgesellschaft. Nur einige wenige Mitarbeiter verblieben bei der Nürburgring GmbH, die künftig nur noch als Besitzgesellschaft, sozusagen als Vermieter des Nürburgrings, fungiere.

Die Erhaltung der Arbeitsplätze sei eine entscheidende Voraussetzung für das Konzept gewesen, unterstrich der Minister. "Wir wollen nicht nur die vorhandenen Arbeitsplätze erhalten, sondern zusätzliche Arbeitsplätze am Nürburgring schaffen." In einer Studie über die regionalökonomischen Effekte des Zukunftskonzeptes komme das Bonner Institut Empirica zu dem Ergebnis, dass bei einer günstigen Entwicklung die Zahl der Arbeitsplätze rund um den Ring um bis zu 1 000 auf mehr als 2 350 anwachsen könne.

"Wir werden uns umgewöhnen müssen", wusste Bürgermeister Hermann-Josef Romes von gemischten Gefühlen und Zweifeln der Menschen in der Region. Insbesondere die ortsansässigen Hoteliers und Gastronomen plädierten an die neue Betriebsgesellschaft, möglichst bald dafür zu sorgen, dass eine gemeinsame Vermarktungsplattform im Internet entstehe. Nur so sei auf Dauer gewährleistet, dass alle vom Nürburgring profitierten und nicht nur die beiden großen Hotels direkt an der Rennstrecke mit ihren insgesamt 440 Zimmern.