Milchhäuschen ist Institution im Siebengebirge

Auch Otto liebt die Oase - 2003 komplett saniert

Siebengebirge. Sieben Berge, sieben Zwerge und Otto Waalkes mitten drin im Siebengebirgswald. Der Komiker feierte mit seinen Kollegen im Milchhäuschen die Premiere von "Sieben Zwerge allein im Wald". Das war 2004.

"Ich hab ihn bedient", erzählt munter die angehende Bürokauffrau Gianna Marx und öffnet die Türen zur rustikalen Scheune, in der das Produktionsteam damals getafelt hat. Wie nach ihm und vor ihm schon viele glückliche Hochzeitspaare, Geburtstagskinder und Firmenjubilare.

Die Premierenfeier fand in der Scheune statt, die weitaus meisten Besucher aber zieht es ins Milchhäuschen selbst oder nach draußen auf die Terrasse des beliebten Ausflugs- und Rastlokales. Bei Wanderungen durch das Siebengebirge bietet es einfach die ideale Gelegenheit, den Wanderer-Akku aufzuladen.

Es ist eine Institution und eine "richtig schöne kleine Oase", schwärmt sein Inhaber Klaus Raabe, der es nicht bereut, im Dezember 2003 das damals komplett renovierte Anwesen als Pächter übernommen zu haben.

Allerdings macht das nur zu Fuß erreichbare Lokal auch immer wieder seinem Ruf alle Ehre, völlig unberechenbar zu sein: Bis eben ist alles noch friedlich-beschaulich, da marschiert plötzlich eine Wandergruppe von Westen vom Drachenfels her die Anhöhe hinauf, und schon müssen die Bedienungen flitzen, der Koch flugs frischen Waffelteig anrühren, um alle durstigen und hungrigen Ausflügler zügig zu versorgen.

Der Andrang sprengt manchmal die Vorstellungskraft selbst eines abgebrühten Gastro-Profis wie Raabe. "Ich habe hier schon unfassbare Dinge erlebt", sagt Raabe. Die Gäste sitzen bei jedem Wetter draußen, auch im tiefsten Winter und dann ohne Heizstrahler. Wenn die Sommerhitze vorüber ist und sich die Blätter färben, kann der Trubel beträchtlich sein.

Draußen werden dann zusätzliche Stühle und Tische aufgestellt. "An richtig schönen Herbsttagen, im September oder Oktober, stehen hier an Wochenenden manchmal 50 Buggys. Dass manche hier ihre Kinderwagen überhaupt noch wiederfinden, ist beeindruckend", schmunzelt Raabe. Im Winter gibt es noch Steigerungen: "Wenn Schnee liegt, ist es die Hölle."

Das Waldhäuschen überrascht ihn immer wieder aufs Neue: "Hier haben wir schon richtig lustige Sachen erlebt, bei Wetter, wo man denkt, kein Mensch geht durch den Wald, ist es plötzlich rappelvoll. Hier weiß man wirklich gar nichts."

Wohl aber weiß Raabe, dass er trotz oder gerade wegen seiner Alleinlage Qualität und gepflegte Gastlichkeit bieten muss, will er die Wanderer zur Wiederkehr bewegen. "Die Leute verzeihen heute nicht mehr so viel." Milchreis, Waffeln, "Salatteller Milchhäuschen" - gern gefragte Stärkungen, von denen der Wanderer erwartet, dass sie frisch, schmackhaft und ihren Preis wert sind.

Beliebt ist der Frühstücksbrunch am Sonntag zwischen 10 und 13 Uhr, wo man sich am Büfett bedienen kann. Inmitten eines wahren grünen Rausches und im hellen Sonnenlicht. Sich entspannt zurücklehnen, einfach nur das Vogelgezwitscher auf sich wirken lassen. Chef Raabe hat dafür naturgemäß keine Zeit: Er schaut, was das Personal macht und bald rufen neue Termine in seinem Bonner Bierhaus Machold und im Beueler Bahnhöfchen, das er ebenfalls betreibt.

Er hat zuverlässiges Personal, sagt Raabe, der auch zehn Jahre die Bewirtung in der Bonner Beethovenhalle innegehabt hat. Am Milchhäuschen schätzt er auch die aufwendige, originelle Sanierung: Eigentümer Dieter Streve-Mülhens hatte 2003 keine Mühen gescheut, den rustikalen Charakter zu erhalten, zum Beispiel durch Holzfenster und glasierte Schindeln, auch auf dem Scheunendach.

Wenn es nun in Richtung Nationalpark geht, ist Pächter Raabe mit von der Partie: "Ich bin ein 100-prozentiger Partner, der am Ziel der Attraktivitätssteigerung mitarbeitet." Einklang mit dem Naturschutz ist ihm wichtig, mit Verschönerungsverein und Stadt ist die Kooperation in dieser Hinsicht erfreulich.

Bei Fahrten zum Arbeitsplatz etwa bilden die Milchhäuschen-Mitarbeiter möglichst schon am Beueler Bahnhöfchen Fahrgemeinschaften, "denn es kann ja nicht jeder mit dem Auto hochfahren", sagt Azubi Gianna Marx.

Das Milchhäuschen ist eines der autofreien Einkehrhäuser im Siebengebirge, das nur zu Fuß zu erreichen ist. Erstmalige Erwähnung fand es 1826. Vermutet wird, dass es Teil des Burghofes war, der die Wolkenburg und die Drachenfels-Burg versorgte und dass dort Vieh gehalten wurde. Vom Parkplatz am Lemmerz-Bad dauert der Weg etwa 20 Minuten.

Geöffnet ist ganzjährig im Frühjahr und Sommer ab 10 bis etwa 18.30 Uhr, in der Wintersaison (1. Oktober bis 31. März) bis zur Dämmerung. Montag ist Ruhetag.

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