Suchaktion in NRW: Mehr als 2000 Polizisten im Großeinsatz gegen Einbrecher | GA-Bonn

Suchaktion in NRW

Mehr als 2000 Polizisten im Großeinsatz gegen Einbrecher

Bonn/Düsseldorf.  Kontrollposten im gesamten Rheinland, Hausdurchsuchungen und Hubschrauber: Mit der bislang größten Polizeiaktion gegen Einbrecher seit Jahren versucht die Polizei in Nordrhein-Westfalen, die Zunahme der Einbrüche zu stoppen.
Ein Polizeihubschrauber fliegt in Frechen während einer Verkehrskontrolle über die A 4. Mit verschiedenen Razzien und Verkehrskontrollen will die Polizei im Rheinland Einbrecherbanden auf die Spur kommen, die Wohnungseinbrüche begangen haben.
							Foto: dpa
Ein Polizeihubschrauber fliegt in Frechen während einer Verkehrskontrolle über die A 4. Mit verschiedenen Razzien und Verkehrskontrollen will die Polizei im Rheinland Einbrecherbanden auf die Spur kommen, die Wohnungseinbrüche begangen haben. Foto: dpa

Mehr als 2000 Polizisten sind am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen zur seit Jahren größten Suchaktion nach Einbrecherbanden ausgerückt. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte damit auf die stark angestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche. Zuvor war Kritik laut geworden, wonach die Polizei das Problem eher verwalte als anpacke.

Nach mehreren ähnlichen Aktionen in den vergangenen Wochen erreichten die Maßnahmen unter dem Motto "Riegel vor!" damit ihren bisherigen Höhepunkt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft mahnte die Bundesregierung, im Fall "gewisser Länder" die Rückkehr zur Visumpflicht zu prüfen.

Hinter der Zunahme der Einbrüche werden organisierte Banden vermutet, die aus Osteuropa und den Beneluxländern einsickern. Für Fahrer von Kleintransportern mit ausländischen Kennzeichen hieß es daher am Donnerstag: Türen auf und Ruhe bewahren. An Autobahnen und Knotenpunkten hatte sich reichlich Polizei postiert.

In Köln brachte die Kontrolle von Übergangswohnheimen sogleich einen Erfolg: Während die Polizisten unten in eines der Heime eindrangen, fiel ihnen aus einem der oberen Stockwerke eine Tasche mit drei scharfen Schusswaffen vor die Füße. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, berichtete eine Polizeisprecherin.

"Die Ermittler wissen, dass ein Großteil der Straftaten durch professionell agierende und überörtlich tätige, südosteuropäische Banden begangen wird. Sie kommen und flüchten nach den Einbrüchen über Autobahnen und Bundesstraßen", erklärte Innenminister Jäger. Seit November waren deshalb immer wieder groß angelegte Kontrollen absolviert worden - zum Teil mit eher mäßigem Erfolg.

Um Tatserien und Reiserouten besser zu erkennen, würden alle Informationen über Einbrüche im Rheinland inzwischen über einen Datenverbund zwischen den Polizeibehörden ausgetauscht. "Einbrecher machen nicht vor Behörden- und Stadtgrenzen halt", so Jäger laut Mitteilung.

An der Aktion vom Donnerstag waren Polizeibehörden in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Mönchengladbach, Köln, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Kreis Neuss, Rhein-Sieg-Kreis, Oberbergischer Kreis, Euskirchen, Heinsberg und Düren beteiligt.

Im Zuständigkeitsgebiet der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis waren heute rund 100 Beamte für die Kontrollen im Einsatz, so die Polizei. Darunter waren auch zivile Einsatzkräfte der Kripo. Bei der Polizei in Bonn waren unter anderem Einbruchschutzberater mit dem PolizeiMobil an zentralen Stellen in Bad Godesberg und Beuel vor Ort. "Darüber hinaus informieren Bezirksdienstbeamte die Anwohner in besonders belasteten Wohngebieten mit Flyern", so Kriminalrat Dirk Schuster, der den Einsatz der Bonner Polizei leitet.

In Düsseldorf berichtete ein Polizeisprecher von einem Rückgang der Einbruchszahlen in den vergangenen Tagen. "Es sieht so aus, als würden die Maßnahmen wirken", sagte er. Dennoch seien die Fallzahlen auf hohem Niveau. Eine Gesamtbilanz der Maßnahmen wollte die Polizei an diesem Freitag bekanntgeben.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, lobte die Aktion und die verbesserte Zusammenarbeit der NRW-Polizeibehörden. Gleichwohl sei die Bundesregierung in der Pflicht, über eine Visumspflicht für "gewisse Länder" nachzudenken. Die Reisefreiheit innerhalb der Europäischen Union werde von Banden aus dem Osten ausgenutzt, "um Wohnungseinbrüche nahezu systematisch am Fließband zu begehen".

"Es kann nicht sein, dass wir in unserem Land für die finanzielle Schieflage der Mitgliedsstaaten und die EU-Osterweiterung auch noch mit unserem privaten Eigentum zahlen müssen", so Rettinghaus in Duisburg.

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