Mehr Respekt für den "Segnenden Christus"

<b>Die Christus-Figur</b> unterhalb des Heimatblicks soll mehr Beachtung finden.

<b>Die Christus-Figur</b> unterhalb des Heimatblicks soll mehr Beachtung finden.

Heimatforscher Willy Patt aus Alfter setzt sich für einen Wortgottesdienst an der 60 Jahre alte Statue unterhalb des Heimatblicks ein - Vergessenes österliches Symbol

Alfter. Gerade in der Karwoche hätte der Alfterer Heimatforscher Willy Patt Lust, eine Zeitreise zu unternehmen. Augen zu und ab ins 19. Jahrhundert. Dort würde sich der 81-Jährige inmitten von Bonner Pilgern wiederfinden, die an der Gebetsstation am Heiligen Grab unterhalb des heutigen "Heimatblicks" in Alfter Station machten.

An jener Stelle, wo vor 60 Jahren die Steinplastik des "Segnenden Christus" eingeweiht wurde. Doch wie die Legende um das Heilige Grab spielt auch die Statue kaum mehr eine Rolle im vorösterlichen Bewusstsein.

"Ich finde es höchst bedauerlich, wie der ''Segnende Christus'' ins Abseits gedrängt worden ist", kritisiert Patt. Stattdessen habe die Figur, die ein "bedeutendes christliches Symbol" darstelle, einen "respektvollen Umgang" verdient, um "nicht zu vergammeln". Der Respekt besteht seiner Meinung nach in einem Wortgottesdienst, den einer der Geistlichen aus Alfter oder Roisdorf dort halten könnte.

In Auftrag gegeben hatte die Christus-Statue mit den weit ausgebreiteten Armen Wilhem Maucher kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Besser bekannt als der "Rebell vom Vorgebirge", der sich vor den Nazis versteckte, weil er gegen das System war und nicht Soldat werden wollte, sollte das Kunstwerk ein Mahnmal gegen die Gräuel der Nazizeit sein.

Und natürlich hatte sich Maucher, der 1993 starb, dafür einen ganz besonderen Platz ausgesucht: die Stelle "Am Heiligen Grab". Der Legende nach soll ein Mann aus Roisdorf dort eine schwere Sünde, "wahrscheinlich einen Mord", begangen haben, erzählt Patt. Ein Priester habe dem Mann darauf den Auftrag erteilt, zum Heiligen Grab nach Jerusalem zu pilgern.

Als der Roisdorfer, alt und krank, das Gelübde nicht erfüllen konnte, wandelte sein Beichtvater es kurzerhand um. Der Sünder sollte nun im Wald ein nach Osten hin gerichtetes Grab ausheben und dort täglich bis an sein Lebensende beten. Nicht nur diese Begegebenheit findet der Heimatforscher bemerkenswert.

Außerordentlich sei auch die Beziehung des Bonner Bildhauers Jakobus Linden, aus dessen Werkstatt der "Segnende Christus" stammt, zu Alfter gewesen. Da war die Freundschaft mit Maucher. Zum anderen unterhielt Lindens Frau Senta, die jüdischer Herkunft war und von der Gestapo nach einer Verhaftung wieder entlassen wurde, eine Zahnarztpraxis in Alfter.

Patt befürchtet, dass es der Christus-Statue so ergehen könnte wie am 7. Oktober 1945. Damals hatte sich der Alfterer Dechant Wilhelm Bergené geweigert, die Figur einzuweihen. Als Ersatz kam der Leiter des Bonner Priesterseminars.

"In 40 Jahren habe ich noch nie einen Pfarrer aus Alfter oder Roisdorf da oben im Grenzgebiet gesehen", so Patt. Und weil sich der 81-Jährige nicht nur auf die Erkundung seiner Heimat beschränkt, hat er auch einen Geistlichen aus der Pfarrgemeinde Sankt Matthäus ausfindig gemacht, der dort einen Wortgottesdienst gestalten könnte. Was einzig fehlt, sei das "grüne Licht" des Pfarrers, der aber auch gerne selbst tätig werden könnte.