GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Me kann och met enem Rievkooche Wind mache

Man kann auch mit einem Reibekuchen Wind machen.

Man kann auch mit einem Reibekuchen Wind machen.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Die deutsche Sprache ist voll von Begriffen, die vollständig unterschiedliche Bedeutung tragen können. Bei Rheinischen Redensarten kann das auch vorkommen. Selten aber stoßen wir auf solch unterschiedliche Erklärungsansätze wie dieses Mal. Es geht um den Satz: „Me kann och met enem Rievkooche Wind mache.“ Und parallel gibt es den Ausdruck „Me kann och met enem Rievkooche de Trepp ööle.“

Langsam anfangen

Fangen wir mal ganz langsam an und übersetzen in Hochdeutsche: „Man kann auch mit einem Reibekuchen Wind machen“ und „Man kann auch mit einem Reibekuchen die Treppe ölen.“

Die Arbeit dauert länger

Letzteres kann zum einen bedeuten, dass eine Arbeit länger dauert, wenn man mit einem falschen Werkzeug rangeht. Denn ein Reibekuchen ist eigentlich nicht dafür geeignet, eine Treppe zu ölen. Das bestätigt auch Dialektsachverständige Elisabeth Schneider: „Das sagt man, wenn jemand für etwas elend lange braucht und sich verzettelt.“ Mundartsprecherin Maria Kopp kennt eine weitere Bedeutung: „Wir mochten Reibekuchen nur ganz heiß, wenn sie zu kalt waren, sagten wir, damit könne man nur noch die Treppe ölen.“

Über die Verhältnisse leben

Den Bogen zum Wind machen schlagt Melitta Klein: „Wenn man über seine Verhältnisse lebt, sich eine teure Holztreppe einbauen lässt und dann nicht die Mittel hat, sie mit adäquatem Öl zu pflegen, dann ist man darauf angewiesen, sie mit Reibekuchen zu ölen.

 

Die Rede ist vom Angeber

Einen ähnlichen Sinn hat freilich auch der Reibekuchen, der Wind macht. „Das bezeichnet einen, der ziemlich übertreibt, der ein Angeber ist“, sagt Ernst Meinusch.

Verstehen aus dem Zusammenhang

Jetzt möchte man fragen: Da soll noch einer den Überblick behalten? Damit stoßen wir auf eine große Stärke des Rheinländers. Es ist das kontextsensitive Verstehen. Man könnte als sagen: Egal, was er sagt, aus Tonfall, Phrasierung und Zusammenhang erschließt sich der gemeine Rheinländer die Bedeutung von Sätzen praktisch intuitiv. Und das ist doch eine reife Leistung.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de). Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.