Schießerei in Troisdorf

Mann schoss wild um sich

Troisdorf. Ein offenbar zu allem entschlossener Mann hat am Sonntagmittag am Niedersachsenweg im Stadtteil Rotter See wild um sich geschossen, aber keine Menschen verletzt. Der 52-Jährige wurde von der Polizei widerstandslos festgenommen, bestätigte Harry Kolbe, Pressesprecher der Bonner Polizei. Hintergrund der Tat soll ein Beziehungsstreit gewesen sein.

Nach Angaben der Polizei hat der Mann deutlich über 50 Schüsse aus mehreren Waffen abgefeuert. Ob eine Handgranate eine Rolle spielte, dazu wollte Kolbe nichts sagen. Die meisten Schüsse gab er laut Nachbarn auf ein Mehrfamilienhaus ab, das ihm gehört haben soll. Dort soll er eine Zeit lang mit seiner damaligen Lebensgefährtin gewohnt haben. Die Wohnung, in der inzwischen die Tochter der Ex-Lebensgefährtin mit ihrem Freund wohnt, visierte der 52-jährige besonders oft an.

Anwohner berichteten, dass der Mann zwischen 11.30 und 12 Uhr mit seinem Mercedes vorgefahren war. Der laut Polizei mit mehreren Handfeuerwaffen ausgerüstete Täter sei nach Zeugenaussagen ausgestiegen und habe begonnen, in aller Ruhe auf das Haus, einen davor abgestellten VW Golf und eine Garage zu schießen.

Ein Nachbar erklärte, dass der 52-Jährige ein Schulterholster getragen habe; als er ihn sah, habe er das Feuer kurz unterbrochen und freundlich gegrüßt, um dann weiterzuschießen. Auch Nachbar Mark Dorth, der gerade mit seinem Hund vom Joggen wiederkam, sah fassungslos seinen wild um sich feuernden Vermieter. Der Schütze sei von mehreren Polizisten überwältigt worden, so der 39-Jährige.

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Der 52-jährige Täter war früher Eigentümer mehrerer Optiker-Geschäfte, unter anderem in Troisdorf. Inzwischen soll er aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sein. Dorth, der ein halbes Jahr lang mit dem Täter in dem beschossenen Haus zusammengewohnt hatte, berichtete außerdem "von religiösen Visionen" des Mannes. Dieser habe sich etwa einen Plattenspieler aufwendig zu einer Art "kosmischem Klanggerät" umgebaut, den er quasi im Auftrag Gottes als sein irdisches Sprachrohr einsetzen wollte.

Nach GA-Informationen soll es im vergangenen Jahr auch ein Verfahren gegen den 52-Jährigen wegen einer Tätlichkeit gegen die frühere Lebensgefährtin gegeben haben. Dazu würde passen, dass am Tatort Gerüchte von einem "Annäherungsverbot" des Mannes die Runde machten. Außerdem soll er seine Tat mehrfach auf Facebook angekündigt haben. Das jedoch wollte Polizeisprecher Kolbe nicht bestätigen.

Man gehe aber auch von einer Beziehungstat aus. Was der 52-Jährige der Polizei über sein Tun sagte, teilte Kolbe nicht mit. Der Mann werde am Montag dem Haftrichter vorgeführt, auch hätten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mordkommission wegen des Verdachts der versuchten Tötung eingerichtet.