Flüchtlingsunterkunft in Oedekoven

"Man muss den Menschen helfen"

Mitarbeiter des Fachbereichs Sozialwesen der Gemeindeverwaltung führen die interessierten Alfterer durch das Heim.

Mitarbeiter des Fachbereichs Sozialwesen der Gemeindeverwaltung führen die interessierten Alfterer durch das Heim.

ALFTER-OEDEKOVEN. "Sehr schön geworden." Häufig fiel dieser Satz, als sich am Sonntag interessierte Bürger die noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft auf der Rathauswiese in Oedekoven anschauten.

"Ich finde das sehr gut, dass die Leute so gastfreundlich empfangen werden", sagte eine 75-jährige Frau aus Oedekoven, die mit ihren Eltern während des Zweiten Weltkrieges aus dem Osten fliehen musste. In ihrer ersten festen Unterkunft in Bayern gab es Wanzen, keinen Strom, geschlafen wurde auf Strohsäcken, und das Wasser musste die Mutter von einer Quelle holen.

Hunderte von Menschen nutzten während der Gewerbeschau Alfter, die rund um das Rathaus in Oedekoven stattfand, die Gelegenheit zur Besichtigung. Mitarbeiter vom Fachbereich Sozialwesen der Gemeindeverwaltung Alfter führten durch den Neubau, in dem 60 Personen untergebracht werden können. Küchenzeilen, Möbel und Waschmaschinen sind bestellt, so dass die Wohnungen voraussichtlich Mitte bis Ende September bezogen werden können. Dann werden dort nicht nur Neuankömmlinge untergebracht. Auch die Situation in den 15 oftmals überbelegten, kommunalen und privat angemieteten Wohnungen und Häusern soll durch Umverteilung entspannt werden.

Jede Etage verfügt über 13 Einzelzimmer à zwölf Quadratmeter für zwei Personen sowie je eine Wohneinheit aus zwei Zimmern für die Unterbringung von Familien. Darüber weist jede Ebene eine Gemeinschaftsküche, getrennte Sanitärbereiche für Männer und Frauen sowie eine Waschküche auf.

"Das ist eine angemessene Unterkunft, die nötig ist, um menschenwürdig leben zu können", lautete die Einschätzung von Barthel Schölgens, CDU-Fraktionsvorsitzender im Alfterer Gemeinderat. "Ich möchte das Schicksal dieser Menschen nicht teilen müssen." Etliche Besucher machen sich Sorgen, wie die neuen Räume wohl nach einem Jahr aussehen werden, die von den Bewohnern selbst sauber gehalten werden muss.

Bewohner ziehen voraussichtlich bis Ende September ein

"Das muss man abwarten", sagte Astrid Albrecht vom Fachbereich Sozialwesen und verwies darauf, dass die zwei Hausmeister der Gemeindeverwaltung auch in der neuen Unterkunft nach dem Rechten schauen werden. "Das Wichtigste ist, dass den Menschen geholfen wird", meinte eine 74-jährige Besucherin aus Duisdorf. Die Provisorien der Nachkriegszeit sollte man als Vergleich nicht heranziehen. Unter den Besuchern war auch Sabine Will von der Vorgebirgsschule Alfter, die eine Unterrichtsreihe zum Thema Flüchtlinge in der Nachbarschaft plant. "Wir veranstalten regelmäßig einen Tag für Afrika", berichtete sie. "Warum nicht auch mal einen Tag für Refugees?"

Heinrich-Josef Kemper aus Duisdorf, Ehrenmitglied im Betriebssport-Verband Mittelrhein, suchte unterdessen Kontakt zur Verwaltung, weil er sich für Sport- und Freizeitangebote für Flüchtlinge einsetzen möchte. Der 70-Jährige hat seine Verbandsämter zwar aufgegeben, doch mit Blick auf die Flüchtlingssituation dachte sich der ehemalige Sport- und Jugendwart: "Da müsste man etwas machen." Das zweistöckige Gebäude ist aus Modulbauteilen zusammengesetzt. Ganz bewusst hatte sich die Gemeinde gegen normale Container entschieden, weil sie nicht der Energieeinsparverordnung entsprechen. Sie hätten dann höchstens zwei Jahre genutzt werden können.

Mit Blick auf die steigenden Zuweisungen von Flüchtlingen und den absehbar mehrjährigen Unterbringungsbedarf hat die Gemeinde deshalb auf eine hochwertige Lösung gesetzt. Nahezu 1,2 Millionen Euro lässt sich die Kommune den Kauf der Modulteile, die Errichtung und Ausstattung kosten. Werden die Gebäudeteile eines Tages nicht mehr gebraucht, können sie an einen anderen Standort transportiert oder verkauft werden.

Wohnraum gesucht

Trotz der neuen Unterkunft sucht die Verwaltung weiterhin privaten Wohnraum, um zu vermeiden, dass Turn- und Mehrzweckhallen als Unterkunft genutzt werden müssen. Denn die Gemeinde Alfter bekommt fortlaufend neue Asylbewerber zur Unterbringung zugewiesen.

Die Zahl der Zufluchtsuchenden ist von rund 40 Personen im Jahr 2013 und 93 im Jahr 2014 auf aktuell rund 170 Menschen gestiegen. In einem Bürgerbrief bittet Bürgermeister Rolf Schumacher deshalb Hauseigentümer, frei werdende Mietwohnungen oder Einliegerwohnungen, zum Verkauf stehende Immobilien oder Baugrundstücke der Gemeinde anzubieten.

Wichtig ist dem Bürgermeister in diesem Zusammenhang folgende Klarstellung: "Gerüchte, wegen der Finanzierung der Unterbringung von Zufluchtsuchenden würden andere Leistung eingestellt, treffen nicht zu." An Spenden nimmt die Verwaltung gern noch Pfannen und Töpfe, Kinderbetten und Kinderwagen entgegen. Ansonsten habe man zurzeit keine Lagerkapazitäten mehr.

Kontakt: Markus Jüris, Fachbereich Sozialwesen der Gemeinde Alfter, Tel. 0228/6484179.