GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Maach mer net die Pläät jeck

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Die Fähigkeit zur Selbstironie ist dem Rheinländer angeboren. Jedenfalls den meisten. Das ist eine Eigenschaft, die jeder kritischen Situation die Brisanz nehmen kann. Man nimmt sich selbst nicht so wichtig und kann augenzwinkernd über sich selber lachen.

Ein Beispiel dafür ist der Satz: „Maach mer net die Pläät jeck.“ Die wörtliche Übersetzung ins Hochdeutsch lautet: Mach mir nicht die Glatze durcheinander.

Auch wenn es ein ungeschriebenes Gesetz gibt, dass man Witze im Allgemeinen und Pointen im Speziellen niemals erklären sollte, kann eine Mikroanalyse sinnvoll sein: Wer diese Redewendung benutzt, der erniedrigt sich schon rein sprachlich vom Subjekt zum Objekt. Denn wenn ein Außenstehender in der Lage ist, mir meine Glatze durcheinander zu machen, dann reduziere ich mich auf die passive Zuschauerposition. Dann bin ich dem Gegenüber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und nicht in der Lage, mich zu wehren.

Hang zu logischen Widersprüchen

Außerdem ist in diesem Sprachbild der rheinische Hang zu logischen Widersprüchen wirksam. Denn die Glatze lässt sich mangels Haaren eigentlich gar nicht durcheinander bringen. Natürlich ist der Satz im übergeordneten Sinne gemeint. Die Glatze steht für Kopf und der für Gehirn. Der Satz zielt auf die Gedanken, die hier durcheinander gebracht werden.

Und schon sind wir wieder am Anfang unserer Analyse. Der Rheinländer gibt sich wehrlos, was die Ordnung der eigenen Gedanken angeht. Und das ist durchaus bemerkenswert. Denn wir sprechen ja hier von einer ganz normalen Alltagssituation und nicht von einer Gehirnwäsche. Welchen Schluss lässt das für die allgemeine Seelenlage unserer Mitmenschen zu? Der Rheinländer im Allgemeinen fürchtet sich, allzu beeinflussbar zu sein. Vielleicht hat er mal die Erfahrung gemacht, dass ihm eine Situation über den Kopf gewachsen ist. Und dann wird sogar die Glatze verrückt.

Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.