Kreuzweg zum Calvarienberg steht schon mehr als 550 Jahre

Mit seinen 14 Stationen ist er einer der ältesten im Rheinland

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ungezählte Gläubige sind ihn bereits gegangen, den Kreuzweg zum Ahrweiler Calvarienberg. Jedes Jahr in der Fastenzeit machen sich die Menschen auf, den Leidensweg Christi nachzugehen. Und das schon seit vielen hundert Jahren.

Denn so lange es den Calvarienberg gibt, so lange gibt es auch den Kreuzweg. Aus dem Heiligen Land zurückgekehrte Pilger führten Kreuzwege in Europa ein. Sie legten sie in ihrer Heimat als Nachbildung des Leidensweges Jesus Christus an.

Auch der Ahrweiler Calvarienberg wurde der Überlieferung nach von einem von seiner Pilgerreise zurückgekehrten Ritter gegründet. Er glaubte beim Anblick von Ahrweiler und seiner Umgebung eine gewisse Ähnlichkeit mit Jerusalem zu entdecken. So wurde der Calvarienberg, der bis dahin als Richtstätte gedient hatte, 1440 dem gekreuzigten Heiland geweiht, und es wurde eine Kapelle errichtet.

Die Chronik des Calvarienbergs berichtet, dass nur zwei Jahre später ein Kreuzweg angelegt wurde, der vom Ahrtor bis hinauf zur Kapelle führte. Damit ist er einer der ältesten des Rheinlandes. Seine erste Station war das Ahrtor. 1542 wurde dort zu diesem Zweck ein Hochrelief eingelassen, das zeigt, wie Veronika Christus das Schweißtuch reicht. Das Relief wurde 1991 restauriert und befindet sich seitdem im Museum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Zwischen dem Ahrtor und dem Calvarienberg lagen bei diesem ersten Kreuzweg fünf weitere Stationen, die durch das damalige Dörfchen Gierensheim führten. Die siebte Station, "Jesus stirbt am Kreuz", stand in der kleinen Kapelle auf dem Calvarienberg. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich allmählich ein Trend hin zu 14-Stationen-Kreuzwegen.

So wurde am 18. Mai 1732 auch in Ahrweiler der erste Stein für einen neuen, barocken Kreuzweg gelegt. Die erste Station dieses Weges war weiterhin das Ahrtor. Die 14. Station war die Grabeskapelle (Krypta), die unter dem Westteil der heutigen Klosterkirche liegt. Die einzelnen Stationen waren Stiftungen angesehener Ahrweiler Familien.

Davon zeugen noch heute die auf den Bildstöcken angebrachten Wappen. Als aber Ende des 19. Jahrhunderts die Auffahrt zum Kloster neu angelegt und der neue Klostergarten gebaut wurde, musste der Kreuzweg versetzt werden. Der Anfang des Kreuzweges wurde hinter die Ahrbrücke verlegt. Nur die letzten vier Stationen blieben an ihrem alten Platz.

Als Ahrweiler im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde, blieb auch der Kreuzweg nicht unversehrt. Die Bildstöcke erlitten einige Schäden durch Bombensplitter, die nach dem Krieg allerdings nur provisorisch ausgebessert wurden. In den 1990-er Jahren wurde der inzwischen verstorbene Professor Bernhard Kreutzberg, damals Vorsitzender des Kunstvereins des Kreises Ahrweiler, auf den inzwischen ziemlich heruntergekommenen Kreuzweg aufmerksam.

"Er wandte sich damals an die Generaloberin der Ursulinen, Veritas Albers. Für die Klosterfrauen war aber gar nicht an eine Restaurierung zu denken. "Ihnen fehlten die Mittel", sagt Edith Kögl, Mitglied des Kunstvereins. Kreutzberg habe daraufhin 1999 das Ganze in die Hand genommen und Sponsoren gesucht.

Und tatsächlich kamen genug private Spenden und auch öffentliche Zuschüsse zusammen, um die Restaurierungskosten von 80 000 Euro zu begleichen. Auch der Heimatverein Alt-Ahrweiler beteiligte sich damals an dem Projekt und übernahm die Kosten für die Restaurierung von zwei Kreuzwegstationen. 2000 wurde mit den Arbeiten begonnen. Nur ein Jahr später war der komplette Kreuzweg restauriert. Professor Kreutzberg sei sehr überrascht gewesen, dass die Arbeiten so schnell abgeschlossen waren. "Er hatte mit fünf Jahren und mehr gerechnet", so Kögl.

Es gab aber bei der Restaurierung einiges zu beachten. "Da der Kreuzweg unter Denkmalschutz steht, gab es viele Vorgaben, die eingehalten werden mussten", erinnert sich Kurt Geller, bis 2004 Chef und heute Ehrenvorsitzender des Heimatvereins. So musste die Farbe für den Neuanstrich zum Beispiel eigens nach einem alten Rezept hergestellt werden.

"Und auch der Putz wurde extra angemischt", so Geller. Die Firmen Jakobs und Ulrich, die damals für die Reparaturen und Malerarbeiten zuständig waren, arbeiteten kostenlos. "Wir mussten lediglich die Materialkosten erstatten", sagt Kögl. Nach seiner Restaurierung 2001 wurde der mehr als 550 Jahre alte Kreuzweg mit einer feierlichen Prozession eröffnet und erstrahlt heute wieder in seinem alten Glanz.