Kreuze in Meckenheim abgesägt

Frevel: Das massive Holzkreuz der Meckenheimer Schützen wurde in der Nacht zu Mittwoch, 13. Juli, abgesägt. Matthias Klemmer und Klaus Erich Moog betrachten den Schaden.

Frevel: Das massive Holzkreuz der Meckenheimer Schützen wurde in der Nacht zu Mittwoch, 13. Juli, abgesägt. Matthias Klemmer und Klaus Erich Moog betrachten den Schaden.

Unbehagen macht sich in Meckenheim breit. Fast jeden Morgen gibt es derzeit eine neue Hiobsbotschaft, wonach wieder eines der Wegekreuze in der Stadt zerstört worden ist: Fünf Fälle in den vergangenen Wochen. Am Montag schlugen die Täter erneut zu.

Meckenheim. Unbehagen macht sich in Meckenheim breit. Fast jeden Morgen gibt es derzeit eine neue Hiobsbotschaft, wonach wieder eines der Wegekreuze in der Stadt zerstört worden ist.

An spontane Aktionen will niemand mehr glauben. Betroffen von der Zerstörungswut ist auch die Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft, deren Kreuz in der Nacht zum 13. Juli abgesägt wurde.

Chronik der Zerstörungen Fünf Kreuze wurden bisher zerstört: Das "Rote Kreuz" wurde an Fronleichnam, 23. Juni, zerstört. In der Nacht zu Mittwoch, 13. Juli, sägten unbekannte Täter das Kreuz vor dem Schützenhaus ab und eine Nacht später war das Wegekreuz an der Adendorfer Straße an der Reihe. In der Nacht zu Mittwoch, 17. Juli, wurde darüber hinaus das Merler Kreuz abgesägt. Schon in der Nacht zu Montag, 18. Juli, versuchten die Täter auch das Gedenkkreuz an der Oberen Mühle zu zerstören, was ihnen aber offenbar erst eine Nacht später gelang. Am Dienstag entdeckte eine Passantin das Verschwinden dieses Kreuzes.

Es folgten in der darauffolgenden Nacht das Kreuz an der Adendorfer Straße und nur zwei Nächte später das Merler Kreuz. In der Nacht zu Montag, 18. Juli, wurde schließlich auch versucht, das Gedenkkreuz nahe der Oberen Mühle abzusägen, allerdings ohne Erfolg. Das schafften die Täter offenbar erst eine Nacht später.

Am Dienstagmorgen entdeckte eine Meckenheimerin die Tat. Sie spricht ganz offen von ihrer Angst vor den möglichen Tätern und möchte daher nicht namentlich genannt werden. Sie fürchtet, dass die Tat religiös motiviert sein könnte. Ähnlich sieht das auch der Präsident der Meckenheimer Schützen, Matthias Klemmer.

Das massive, drei Meter hohe Eichenkreuz vor dem Schützenhaus war 1970 errichtet worden, anlässlich des gelungenen Um- und Neubaus des Schützenhauses. Es stand auf dem Platz vor dem Schützenhaus und gehörte bei wichtigen Anlässen dazu, so Klemmer.

Das Kreuz werde auf jeden Fall wieder aufgebaut. Ziel sei es, das Schützenfest im Mai 2012 wieder vor einem neuen Kreuz zu feiern.

Staatsschutz eingeschaltet Die Polizei geht bei den Kreuzschändungen von einem Zusammenhang aus. "Wir können nicht ausschließen, dass sich die Straftaten gegen das Recht der Ausübung auf Religionsfreiheit richten", so der Sprecher der Bonner Polizei Frank Piontek auf Anfrage. Deshalb seien die Fälle dem Kommissariat für Staatsschutz, welches auch sogenannte "Hassdelikte" bearbeite, übergeben worden. Die Polizei hält es für möglich, dass die Taten von einem Einzeltäter verübt wurden, Hinweise gebe es derzeit nicht. Die zeitliche Aneinanderreihung lasse auf einen Tatzusammenhang schließen. Seit längerer Zeit habe es derartige Delikte nicht mehr gegeben. Letzter Fall sei die Madonna aus der Marienkapelle "Klausenhäuschen" in Witterschlick vor einigen Jahren gewesen.

Hier jedoch von Vandalismus zu sprechen hält Klemmer für falsch. "Das wurde nicht aus einer Laune des Augenblicks heraus abgesägt", glaubt er. Das Kreuz habe über 40 Jahre ohne Beschädigung überstanden. Erst letztes Jahr habe es einen Versuch gegeben, das christliche Symbol der Schützenbruderschaft anzuzünden, der jedoch wegen der Stahlummantelung am Fuße des Kreuzes misslungen sei.

Für Heimatforscher Hubert Spilles bricht infolge der Taten eine Welt zusammen: Das Kreuz an der Adendorfer Straße habe ihn durch sein gesamtes Leben begleitet, so der 84-Jährige. Es habe seinen Platz dort schon länger als die Bebauung ringsum.

Die Zerstörung des Merler Kreuzes an der Gudenauer Allee trifft ihn besonders. Denn Spilles war es, der dafür gesorgt hatte, dass das Kreuz an einen anderen Standort versetzt wurde, damit man es nach dem Bau der Gudenauer Allee wieder sehen konnte. Mit dem jüngsten Anschlag wurde das Merler Wegekreuz bereits zum vierten Mal zerstört.

Der Anschlag am 18. Juli schließlich galt einem Gedenkkreuz nahe der Oberen Mühle, das an den Absturz zweier Soldaten im Zweiten Weltkrieg erinnerte. Es wurde auf Initiative von Hubert Spilles 58 Jahre nach dem Abschuss am 4. Oktober 2001 an der Absturzstelle errichtet. Eigentümer des "Roten Kreuzes" im Adendorfer Wald ist Georg Freiherr von Loe, der eine Belohnung von 300 Euro ausgesetzt hat.

Einladung zum Gebet

Es gibt viele Gründe, aus denen einstmals entlang der Wege oder auf Plätzen Kreuze errichtet wurden, so Pfarrverweser Reinhold Malcherek auf Anfrage des General-Anzeigers. Grundsätzlich seien sie Zeichen des christlichen Glaubens und reichten bis ins Mittelalter zurück, erklärt der Pfarrverweser. Teils seien die Kreuze gestiftet worden. Man habe sie beispielsweise aus Dankbarkeit errichtet, oder weil ein Familienmitglied das christliche Gelübde abgelegt habe. Heilungen oder Gedenken an Verstorbene motivierten zum Errichten eines Kreuzes. Bis heute laden Wegekreuze Christen zum Innehalten, zu einer kleinen Verbeugung oder zum Gebet ein.