Konrad Adenauer zollte ihm hohen Respekt

Dem Schweizer Konsul Franz-Rudolph von Weiss hat die Stadt Königswinter viel zu verdanken - Der Vortrag von Hans Peter Mensing stößt auf großes Interesse

Königswinter. Am 23. Dezember 1960 meldete eine Nachrichtenagentur den Tod des früheren Schweizer Konsuls in Köln, Franz-Rudolph von Weiss, der mit Bundeskanzler Konrad Adenauer befreundet gewesen war: "Der 75-jährige Schweizer, der im Rheinland bis 1950 eidgenössischer Konsularvertreter war, hatte in den letzten Kriegswochen mitgeholfen, die Stadt Bad Godesberg zu retten."

Aber nicht nur Godesberg hat dem Schweizer hinsichtlich der kampflosen Übergabe viel zu verdanken. Dasselbe gilt auch für Königswinter. Und dessen war man sich in der rechtsrheinischen Stadt schon früh bewusst. Im August 1956 beschloss der Stadtrat die Umbenennung der Neustraße in "Generalkonsul-von-Weiss-Straße".

"Der Grund ist allen bekannt. Am 12. März 1945 setzte von Weiss von Godesberg aus über den Rhein, ging in Höhe der damaligen Hindenburgstraße, der späteren Neustraße, an Land und erwirkte zunächst eine Waffenruhe", erklärte Peter Krämer. Er vertrat den Vorsitzenden des Heimatvereins Siebengebirge, Heinrich Blumenthal, und begrüßte die Gäste im Rheinhotel Loreley, die großes Interesse an dem Vortrag von Hans Peter Mensing von der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus zeigten.

Und dieser bezog die Vorfahren von Krämer direkt in seinen Vortrag mit ein. "Am 1. April 1945 sollten mit dem Lastwagen des Königswinterer Lebensmittelgroßhändlers Krämer Möbel aus dem provisorischen Konsulat in Rhöndorf nach Godesberg transportiert werden", so Mensing. Nach der Zerstörung des Konsulats in Köln am 29. Juni 1943 hatte von Weiss im "Haus im Turm" bei der Familie Merkens ein Ausweichquartier gefunden, bevor er im März 1945 nach Godesberg übersiedelte.

"Nach seiner erhabenen Stellung als Kölner Gesellschaftsgröße war von Weiss zum leidgeprüften Krisenmanager geworden, der sich im März 1945 mutig in vorderste Front begab, um weiteres Blutvergießen zu verhindern", berichtete Mensing weiter. Bereits am 11. März 1945 hatte der amerikanische Stadtkommandant von Godesberg rund um den Düsseldorfer Hof in Königswinter, das als Hospital ausgewiesen war, lebhaften militärischen Verkehr ausgemacht. Intensiver Beschuss war da nur noch eine Frage der Zeit.

"Von Weiss bot sich sofort als Parlamentär an und setzte am nächsten Tag vom Bootshaus neben dem Hotel Dreesen, eine weiße und die Schweizer Fahne schwingend, mit einem Mitarbeiter in zwei Paddelbooten über den Rhein", erzählte Mensing. Vier Tage später, unmittelbar vor der Einnahme der Stadt durch die Amerikaner, fuhr er erneut, dieses Mal jedoch mit einem Motorboot, von Godesberg nach Königswinter.

Wenn auch später nostalgisch verklärt, gefährlich waren diese Rheinüberquerungen allemal. Aber schon zuvor war der Generalkonsul nicht sicher gewesen. Zum einen hatte er vielen von den Nazis Verfolgten durch Ausstellen von neuen Pässen die Flucht ermöglicht. Zum anderen stand er wegen seiner vielseitigen Beziehungen unter dringendem Spionageverdacht.

"Vor einer Verhaftung bewahrt hat ihn die Tatsache, dass er als Vertreter der neutralen Schweiz auch die Interessen von über 20 Staaten wahrnahm, die mit Deutschland Krieg führten", erklärte der Referent. Dabei habe von Weiss mit Sensibilität und Weitsicht die Vorgänge im Dritten Reich scharfsichtig analysiert und entsprechende Berichte nach Bern geschickt.

Konrad Adenauer zollte dem langjährigen Freund und vertraulichen Informanten hohen Respekt. "Im ersten Band seiner Memoiren schreibt Adenauer, dass von Weiss ihn über die »Schandtaten von Deutschen an Deutschen und über die Verbrechen, die an der Menschheit geplant waren«, eingehend unterrichtet habe", berichtete Mensing während des Vortrags.

Sein Vater habe ihm viel über die damalige Zeit erzählt, leider aber nichts darüber niedergeschrieben, erzählte Krämer. "Wir sollten die Chance nutzen und alle Erinnerungen an von Weiss zusammentragen, die noch im kollektiven Gedächtnis präsent sind, um seine Bedeutung für die Königswinterer Bevölkerung noch deutlicher hervorheben zu können", forderte Krämer die Zuhörer abschließend eindringlich auf.