Konferenzen und Seminare im alten Spiegelsaal

Sechs Mietwohnungen im Lippeschen Palais in Oberkassel - Die neuen Eigentümer ließen das Herrenhaus umgestalten, erhielten aber den Charakter - Büros im Parterre

Bonn-Oberkassel. Empfänge wird es keine mehr geben. Hochzeiten werden, wenn überhaupt, nur noch von den neuen Hausherren ausgerichtet. Und Pfingsten werden wohl die letzten öffentlichen Kammermusikkonzerte im Spiegelsaal des Lippeschen Landhauses zu hören sein. Hier soll einst der junge Ludwig van Beethoven die Töchter des Hauses im Klavierspielen unterrichtet haben. Das berichtet jedenfalls der Oberkasseler Heimatforscher Adolf Hombitzer in seiner Ortschronik.

Das Ensemble wurde Ende vergangenen Jahres verkauft, nachdem rund anderthalb Jahre nach einem neuen Eigentümer gesucht worden war. Im Kavaliershaus lebt nun einer der beiden neuen Hausherrn. Der andere ließ das so genannte Herrenhaus der als Lippesches Palais bekannten Gebäudegruppe umbauen und in Abstimmung mit der Denkmalbehörde sechs Wohnungen einrichten, die alle vermietet sind. Den unteren Teil mit dem Spiegelsaal und der früheren Küche wird ein Unternehmen aus der Medienbranche anmieten. Im Festsaal werden in Zukunft Konferenzen und Seminare abgehalten. Zurzeit wird dieser Teil des Gebäudes jedoch noch umgebaut.

Der Bonner Architekt Leo Bussjäger hat bei seinen Plänen immer den Grundsatz im Auge behalten, den Charakter des Gebäudes nicht zu verfälschen: "Die großzügigen Treppenräume haben wir erhalten. In einem Teil mussten wir eine Wandscheibe einsetzen, haben sie aber mit Spiegelleisten eingefasst, so dass der Raumeindruck bleibt."

Unter dem Teppichboden, der fast überall ausgelegt war, entdeckte Bussjäger schließlich noch einen schönen alten Eiche-Parkett, den er aufarbeiten ließ. Die Wohnungen, die zwischen 65 und 160 Quadratmeter groß sind, haben alle recht individuelle Zuschnitte, so der Architekt.

Ebenfalls kaum Sanierungsbedarf dürften die neuen Bewohner des Kavalierhauses gehabt haben. Denn die Vorbesitzerin, die Versorgungskasse der Architektenkammer Baden-Württemberg, ließ zu Beginn der 80er Jahre die heute 243 Jahre alten Gebäude aufwendig in Stand setzen. Im Denkmalbericht des Landes Nordrhein-Westfalen wurde das Anwesen 1985 als "vorbildliches Beispiel für Denkmalschutz in NRW" erklärt.

"Das Lippesche Landhaus, ein wertvolles Werk des großen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun, ist in seiner alten Schönheit wiedererstanden", jubelte damals der Landschaftsverband Rheinland.

Trotz intensiver Forschung ist bis heute kein genaues Baudatum festgestellt worden. Das Bonner Stadtarchiv erklärte 1985 aber den 225. Geburtstag des Landhauses. Das Stadtarchiv geht davon aus, dass das Objekt in den Jahren 1750 bis 1760 von dem Architekten Johann Konrad Schlaun (1695-1773) für den kurpfälzischen Rat und Pfennigsmeister Johann Gerhard Edler von Meinertzhagen erbaut wurde.

Schlaun hatte schon 1725 für den Wittelsbacher Kurfürsten Clemens August das Brühler Schloss errichtet. Von Meinertzhagen entstammte einem angesehenen Kölner Patriziergeschlecht, das durch den Besitz der Silber- und Bleibergwerke in Mechernich zu großem Reichtum gelangt war. Das Lippesche Landhaus ging 1770 durch Heirat in den Besitz der Grafen und späteren Fürsten zu Lippe-Biesterfeld über.

Ursprünglich war die Anlage des zweigeschossigen Landhauses durch zwei Flügelbauten komplettiert, von denen jedoch nur der Nordflügel erhalten ist. Ergänzt wurde das Lustschlösschen durch einen ausgedehnten Rokoko-Garten, den Peter Josef Lenné der Ältere zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestaltete.

Dem Heimatverein Oberkassel liegt ein Schreiben von Prinz Ernst-August zur Lippe vor, das vom Juli 1986 datiert ist. Er schreibt, dass er und seine Frau, Prinzessin Christa, alles daran gesetzt hatten, "diesen Restbestand des Familienvermögens" nach dem Krieg zu erhalten. Er berichtet von Sanierungsmaßnahmen Ende der 50er Jahre. Doch der Unterhalt mit knappen Geldmitteln wurde immer schwieriger. Ende Juni 1970 verlegte Prinz Ernst August mit seiner Familie den Wohnsitz nach Mittelfranken. 1979 wurde das Anwesen an die Architektenkammer verkauft. Heute erinnert noch ein altes Familienwappen an die einstigen Besitzer.