Kleiner Fußweg soll Anwohner viel Geld kosten

Ärger bei Ausbaukosten der Geislarstraße - Es geht um bis zu 34 000 Mark - Stadt Bonn: Die Wohnadresse ist im Beitragsrecht uninteressant

Geislar. Ein kleiner, teils zugewachsener Asphaltweg führt hinter dem Grundstück von vier Anwohnern der Fabristraße entlang. Genau dieser Pfad könnte sie nun teuer zu stehen kommen. Bis zu 34 000 Mark kann die Stadt schlimmstenfalls von ihnen verlangen, haben die Anwohner ausgerechnet. Grund dafür ist der anstehende Ausbau der Geislarstraße.

"Abzocke" und "Rückschritt in die Zeit des Raubrittertums": In seinem Ärger findet Gerd Schäfer starke Worte. Er hat Einspruch gegen das städtische Schreiben eingelegt. Zusammen mit Peter Grommes sowie Peter-Josef und Toni Welter wehrt er sich dagegen, zur Zahlung der Baukosten für die Geislarstraße mit herangezogen zu werden. Schäfer geht davon aus, dass er für jeden seiner 732 Quadratmeter Grundstücksfläche bis zu 18 Mark zahlen soll - macht 13 176 Mark. Auf die drei Nachbarn käme jeweils rund die Hälfte zu.

"Wenn die Möglichkeit besteht, einen Zugang von einem Fußweg zu einem Grundstück zu schaffen, dann muss gezahlt werden", teilt Rudolf Schnitzler vom Bauverwaltungsamt auf Anfrage des GA mit. Die Wohnadresse - im Geislarer Fall die Fabristraße - sei im Beitragsrecht uninteressant. Die Fußwegregelung gelte allerdings nicht mehr, wenn das Grundstück weiter als 50 Meter von der auszubauenden Straße entfernt liegt. Diese Regelung ist Schäfer bekannt. Doch er denkt, dass es bei der Bewertung einen Ermessensspielraum gibt. Sein Argument: Der anderthalb Meter breite Weg sei noch niemals gereinigt worden und könne nur von Fußgängern genutzt werden.

"Der Zugang zu unseren Grundstücken erfolgt über die Fabristraße, deren Kosten wir 1996 mit 80,95 Mark pro Quadratmeter auch überproportional bezahlt haben." Außerdem seien die vier Geislarer bisher nicht über die geplanten Bauarbeiten und die daraus entstehenden Kosten informiert worden. Das einzige Schreiben vom 8. Oktober habe über die anstehenden Zahlungen informiert. Das entspricht nach Ansicht Schäfers "nicht den Grundsätzen eines bürgernahen Handelns".

Schäfer weiß von Holzlarer Bürgern, die bereits in einem ähnlichen Fall klagen. Er hofft, Kontakt zu ihrem Anwalt zu bekommen, um es ihnen, falls die Stadt unnachgiebig bleibt, vielleicht gleich zu tun.